Letztes Update am Di, 04.09.2018 12:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kletter-WM

Rudigier skizziert seinen Traum bei der Kletter-WM

Im Schatten von Kletter-Aushängeschild Jakob Schubert hat sich Max Rudigier zu einem Medaillenkandidaten hochgehantelt.

© kvoe moritz liebhaberMax Rudigier ist hinter Vize-Weltmeister Jakob Schubert Österreichs Nummer zwei im Vorstieg.



Von Max Ischia

Innsbruck – Nach der Matura wusste Max Rudigier nicht so genau, wohin seine Reise führen sollte. Der Salzburger entschied sich jedenfalls gegen eine Aufnahme im Heeresleistungszentrum und absolvierte stattdessen den ganz normalen Präsenzdienst. Just dort reifte der Entschluss, „dass ein Sportlerleben doch erstrebenswert wäre“. So sehr, dass der inzwischen 24-Jährige in diesem Jahr ins Heeres-Leistungszentrum einrücken wollte. Aber nicht konnte, weil er sich im Dezember im Training das Kreuzband gerissen hatte. Zufall? Schicksal? „Nennen wir es einen Hinweis, dass ich Gas geben sollte.“

Geheimtipp im Vorstieg

Jetzt, wo die Kletter-WM vor der Tür steht, zählt der Pongauer im Vorstieg zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten. Eine Rolle, die für ihn maßgeschneidert scheint. Denn Rudigier ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Vielmehr bezeichnet er sich als einen, „der versucht, ehrlich zu sein, und gerne beobachtet“. Bevorzugt Menschen – und Tiere. Im Elternhaus in Eben gab bzw. gibt es reichlich Möglichkeiten dazu – auch wenn Max inzwischen der einzige der vier „Buben“ ist, die noch daheim wohnen. Zwillingsbruder Laurenz unterrichtet an einem Salzburger Gymnasium Sport und Geschichte, die um acht Jahre älteren Brüder Moritz und Philipp, ebenfalls Zwillinge, leben in Wien, der eine als Chemiker, der andere als Architekt. Allein zu Haus ist Max dennoch nicht. Neben Mama und Papa gehören Katze Schleimer und Schildkröte Archimedes quasi zur Familie. So wie die 16 Hennen, die nebst der Eierversorgung auch die Rolle des Morgenweckers innehaben.

Trainervater Gerhard investiert jährlich gut 10.000 Euro, um seinen Sohn bestmöglich zu unterstützen.
- ischia

Klettern und malen

Nicht selten kriecht Rudigier im Dunkel der Nacht aus den Federn. Dann, wenn er sich zumeist mit (Trainer-)Vater Gerhard zu einem Trainingstag nach Innsbruck oder Mitterdorf (Stmk.) aufmacht. Dann, wenn der Vorstieg-Spezialist bis zu sechs Stunden an der Wand trainiert. Und dann, wenn er die Heimfahrt mit dem Zug nicht selten für sein Hobby nützt, das Zeichnen. „Bevor ich am Handy herumdrücke, greife ich lieber zu Block und Bleistift.“ Er wandelt damit gewissermaßen auf den Spuren seines Großvaters Engelbert, der in St. Johann im Pongau ein eigenes Atelier hat, und seiner Mama, die neben Englisch auch Bildnerische Erziehung unterrichtet. Weit weniger als das Talent seien es aber der Wille und der Spaß, die einen vorantreiben, versichert Rudigier. Und man weiß in diesem Moment nicht genau, ob er damit die Malerei oder die Kletterei meint.

Sollte die WM bringen, was Rudigier sich erhofft, nämlich den Einzug ins Vorstieg-Finale („Der Traum ist eine Medaille“), dann könnte es für den Geologie-Studenten doch noch eine Zukunft als Heeressportler geben ...