Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Klettern

Aus dem Schatten des großen Bruders

Zwei Schuberts auf dem Podest: Weltmeister Jakob glänzte in Kranj als Zweiter, Hannah jubelte über Rang drei.

© Austria ClimbingDie Geschwister Hannah und Jakob Schubert in Kranj.



Von Max Ischia

Innsbruck, Kranj – „Irgendwann“, sagt Hannah Schubert, „möchte ich auch so viel erreichen wie der Jakob.“ Die 20-jährige Innsbruckerin hat also noch viel vor. Denn der Jakob ist Hannahs sieben Jahre älterer Bruder und seit wenigen Wochen dreifacher Weltmeister. Dass dieser beim drittletzten Vorstiegweltcup am Sonntag in Kranj mit Platz zwei die Gesamtführung zementierte, war nicht überraschend. Sehr wohl aber, dass Hannah am selben Abend erstmals als Dritte vom Podest lachte – und das in prominentester Gesellschaft. Vor ihr nur die beiden Weltmeisterinnen von 2014 (Kim Jain/KOR) und 2016 (Janja Ganbret/SLO), hinter ihr die amtierende Weltmeisterin und Teamkollegin Jessica Pilz.

Selbstredend, dass Hannah Schubert von einem „wahr gewordenen Traum“ sprach. Und dass es just in Kranj mit dem ersten Stockerlplatz klappte, passt irgendwie auch. Dort hatte sie 2016 beim Weltcupfinale mit Platz fünf ihr bislang bestes Ergebnis erreicht. „Ich mag dort die Wand, ich mag die Routen, die meistens so richtig zum Fighten sind.“

Nachdem Schubert im Sommer das Sport-BORG mit Auszeichnung („Ein Dreier in Mathematik, sonst alles Einser“) abgeschlossen hat, winkt ab Herbst eine Zukunft als Heeressportlerin – auch oder insbesondere mit Hinblick auf die olympische Kletterpremiere 2020 in Tokio? Bei der Antwort gerät die Vorstiegspezialistin ein wenig ins Stocken: „Mal schauen, es gibt nur zwei Startplätze. Es ist noch ein weiter Weg.“ Einer mit noch nicht vorhersehbaren Hindernissen: „Gerade das Speedklettern ist mehr oder weniger Neuland für mich.“ Erst einmal will sie den Fokus noch ganz auf die beiden Vorstieg-Weltcups Ende Oktober in China legen – um im besten Fall „dieses unfassbar tolle, eigentlich unbeschreibliche“ Gefühl eines Stockerlplatzes rasch wieder zu erleben.