Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.10.2018


Voltigieren

Gemischte Gefühle vor dem anstehenden Schachmatt

Jasmin Lindner und Lukas Wacha treten von der Voltigier-Bühne im Pas de deux ab. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

© HolzknechtBei den Tiroler Meisterschaften waren einige Fans nach der Schach-Kür von Jasmin Lindner und Lukas Wacha zu Tränen gerührt.



Von Susann Frank

Innsbruck – Schon vor dem Auftakt der Österreichischen Meisterschaften im Voltigieren steht für Vize-Weltmeisterin Jasmin Lindner das Ende fest: „Höchstwahrscheinlich werden die Tränen fließen“, sagt die Fügenerin. Warum? Die 23-Jährige und ihr 31-jähriger Partner Lukas Wacha, welche diese Saison mit der Schachnovelle als Kür-Thema beeindrucken, beenden endgültig ihre außergewöhnlichen Akrobatik-Kunststücke auf dem Rücken des Pferdes. Schachmatt heißt es nach drei WM-Titeln en suite (2012/14/16), zwei EM-Titeln (2013/15), dem Gesamtweltcupsieg 2012/2013 und sechs Staatsmeistertiteln in Folge.

Der siebte sollte am Wochenende folgen. Doch vor dem letzten Auftritt in Pillichsdorf (NÖ) gehen dem Erfolgs-Duo viele Gedanken durch den Kopf. Sie würden schon mit gemischten Gefühlen antreten, beteuert Lindner. Mit einem fehlerfreien Auftritt will das ehrgeizige Pärchen die Zuschauer und Fans noch einmal richtig begeistern. So wie vergangenes Wochenende. Bei den Tiroler Meisterschaften in Seefeld haben sie nicht nur den Titel gewonnen, sondern mal wieder die Herzen der Fans berührt. „Sie haben danach von Gänsehaut pur gesprochen, von Tränen in den Augen, und jeder Zweite hat gefragt, ob wir wirklich aufhören wollen“, berichtet Lindner.

Doch der Entschluss steht fest. Die vielen Entbehrungen, die schweren Verletzungen, die finanzielle Knappheit, das ständige Pferdethema (welcher Sportpartner steht zur Verfügung) – alles Dinge, die das Duo nicht vermissen wird. „Wir hatten doch kein einziges Jahr, wo alles einfach mal gelaufen ist. Es ist schön, sich diese Nerven zu sparen“, sagt Lindner. Freund Wacha möchte sich ganz auf seinen Beruf als Physiotherapeut konzentrieren. Sie selbst beginnt ihre Diplomarbeit zu schreiben, das Studium in Biologie und Mathe steht vor dem Abschluss.

Ob sie dem Sport, den beide seit Kindesbeinen ausüben, irgendwie erhalten bleiben? „Luggi wird an den Wochenenden sicher noch Trainingskurse geben“, erklärt Lindner: „Und ich werde noch einmal im Einzel angreifen.“ Dass ihr durch einen Formfehler die Titelverteidigung bei der WM im August in den USA verwehrt geblieben ist, schmerzt die aktuelle Tiroler Meisterin zu sehr. Deswegen ist die EM 2019 ihr Ziel. Eines, das die Tränen auch über die für sie verpasste WM-Goldmedaille im Pas de deux vergessen lassen soll.