Letztes Update am Mo, 29.10.2018 14:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thema der Runde

Mit dem Landarzt am Spielfeld: Am Ende müssen sogar die Altherren ran

Die Winterpause kommt kleinen Tiroler Unterhaus-Vereinen gelegen. In den vergangenen Wochen fiel es zunehmend schwerer, elf gesunde Spieler aufs Feld zu schicken.

© HasslEin Bild, das Mieders im Herbst begleitete: Verletzungen gehörten leider zum Alltag.



Von Manuel Lutz

Sölden, Mieders – Wenn kommendes Wochenende die Schiedsrichter zur Winterpause abpfeifen, werden einige Trainer im Tiroler Unterhaus aufatmen. Der Verletzungsteufel, Sperren und auch Dienstzeiten von Saisonarbeitern sorgten in den vergangenen Wochen bei einigen Übungsleitern für tiefe Sorgenfalten.

„Beim letzten Spiel sind wir vom Kader her am Minimum“, weiß Sölden-Coach Andreas Gritsch. Zu den zahlreichen angeschlagenen Spielern die im 16-Mann-Kader der Ötztaler fehlen, ge­sel­len sich zum Abschluss noch zwei gesperrte Kämpfer. So waren schon beim 1:1 gegen Patsch/Ellbögen (Bezirksliga West) neben dem Spielertrainer – der zurzeit verletzt ist – nur zwei Kicker auf der Bank. Einer davon war Co-Trainer Hermann Pult, der ehemalige Tiroler-Liga-Akteur würde auch noch mit 49 Jahren für seinen Herzensverein auflaufen. Gritsch vertraut seinem Co – der vielleicht aushelfen muss: „Er weiß, was zu tun ist. Wenn er vielleicht ein Tor schießt, freut sich die ganze Mannschaft.“

Einen ähnlichen Notfallplan hat auch Hans Pichler (Mieders/BLW) in seiner Schublade. Am vergangenen Wochenende reisten die Stubaier ohne Wechselspieler nach Zirl an. Ein Nichtantreten wegen zu weniger einsatzbereiter Fußballer würde es garantiert nicht geben, wie der Trainer klarstellt: „Wenn es sein muss, lasse ich mir mit meinen 55 Jahren noch einen Spielerpass ausstellen.“ Zuletzt agierte sogar der Ersatztorwart als Feldspieler. Auch von den Altherren wurden ehemalige Stammkräfte reaktiviert, wie der Sportliche Leiter Jürgen Lackner mit einem Zwinkern ausführt: „Bei uns spielt mit Benedikt Nagiller der Landarzt – fehlt nur noch der Pfarrer.“ Da es immer schwerer wurde, das Training zu gestalten, wurde aus der Not eine Idee geboren: „Seit ein paar Wochen trainieren wir mit Schönberg zusammen. Man schaut, dass man zusammenfindet.“

Auch mit einem kleinen Kader kann man erfolgreich sein, bestes Beispiel ist Schmirn (Gebietsliga West). Ohne Ersatztorwart und zumeist mit nur drei Wechselspielern zeigte die Elf von Josef Mader auf – bei einem Spiel weniger fehlen nur drei Punkte auf Rang zwei.

„Die Pause kommt gelegen“, meint Gritsch stellvertretend für alle Teams mit einer dünnen Personaldecke. Bis zum Frühjahr sollte genug Zeit sein, um wieder aus dem Vollen schöpfen zu können.