Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.11.2018


Landesliga West

Ein emotionales Abschiedsfest im Reuttener Hexenkessel

Nach zehneinhalb Jahren als Sportlicher Leiter des SV Reutte hörte Bernhard Hechenberger nach dem Vils-Derby auf – und bleibt als Fan.

© Thomas BöhmBernhard Hechenberger freut sich nach seinem Rücktritt als Sportlicher Leiter des SV Reutte auf mehr Zeit für Familie und Hobbys.



Von Daniel Lenninger

Reutte – Warteschlangen im Eingangsbereich sowie zwei Derbysiege gegen Vils und Zugspitze. An den vergangenen Samstag im mit über 1000 Zuschauern gefüllten Drei-Tannen-Stadion hätte sich Bernhard Hechenberger ohnehin gerne erinnert. Aber die Tatsache, dass der 54-Jährige mit der blauen Regenjacke samt Aufdruck „SL“ quasi mit dem Abpfiff die Funktion des Sportlichen Leiters des Landesligisten SV Reutte beendete, potenzierte die Emotionen.

„Ich war nicht mehr mit letzter Konsequenz bei der Sache. Und die Tätigkeit mit weniger als 100 Prozent ausführen? Dafür bedeutet mir der Verein zu viel“, gibt Hechenberger Einblick in seine Gefühlswelt, nachdem er zehneinhalb Jahre für die Kadergestaltung der beiden Kampfmannschaften verantwortlich war. Die Verpflichtung von Spielern gehörte zu den Hauptaufgaben des Kundenbetreuers einer Versicherung. Ein Duo blieb ihm besonders in Erinnerung: „Gerald Bucher ist damals von Axams gekommen, mit ihm verbindet mich immer noch eine Freundschaft.“ Auch Alexander Selb, den Hechenberger einst aus Schwaz holte, schloss er ein: „Er war auf und neben dem Platz eine Stütze.“ Als besonders hilfreich erwies sich allerdings keine Person, sondern das Auto des langjährigen Mitglieds der örtlichen Musikkapelle, das in Tiroler-Liga-Zeiten seine Spuren in vom Außerfern weit entfernten Orten wie Kirchbichl oder St. Johann hinterließ: „Es war völlig normal für mich, dass ich auch auswärts mitfahre.“ So mancher Trip stellte die Geduld Hechenbergers auf die Probe. Etwa als man sich für den ÖFB-Cup qualifizierte und auf der ohnehin langen Anreise nach Stegersbach (Burgenland) in einen Stau geriet. Ein Aspekt steht für den dreifachen Familienvater, der einst selbst für Reutte seine Fußballschuhe schnürte, allerdings außer Diskussion: Die positiven Erfahrungen überwiegen deutlich. „Ich wünsche allen meinen Amtskollegen eine ähnlich schöne Zeit, wie ich sie habe genießen dürfen“, ist Hechenberger für Highlights wie den Tiroler-Liga-Aufstieg 2010 oder das verlorene Cup-Finale zwei Jahre später dankbar.

Ein großer Andrang im Drei-Tannen-Stadion war damals gang und gäbe. Deshalb habe sich am Samstag mit dem Derbysieg gegen Vils (3:0) vor toller Kulisse ein Kreis geschlossen. Nostalgie pur. „Dazu passt, dass viele Trainer aus meiner Amtszeit gekommen sind. Nicht wegen mir, sondern wegen dem Spiel.“ Noch nie hat sich alles um Hechenberger gedreht. Der Verein war für ihn immer größer.