Letztes Update am Mi, 21.11.2018 22:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eiskunstlauf

Tirolerin am Sprung zur Eisprinzessin: Eine Show mit Sarah

„Holiday on Ice“ ist eine Karrierechance für Eiskunstläufer. Die achtjährige Tirolerin Sarah Krappinger kann ihre ebendort starten.

© Vanessa Rachlé / TTEin „Flieger“, um abzuheben: Im Jänner darf die achtjährige Sarah Krappinger bei der Eisshow „Holiday on Ice“ in Innsbruck mitmachen.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – „Holiday on Ice“ hat Tradition. Vor 75 Jahren zauberten Eiskunstläufer erstmals in einem Hotel in Ohio (USA) die Eisshow auf das Gefrorene, das Spektakel zog in Folge um die Welt. Im Mittelpunkt der Glitzerwelt springen und laufen bis heute Leistungssportler. „Allesamt“, wie Wesley Campbell, eines der 40 Ensemble-Mitglieder, bestätigt. „Die technischen Schwierigkeiten sind hoch, die Choreographie wird daran angepasst“, beschreibt der US-Amerikaner, der am Montag in Innsbruck einen Auszug seines Auftritts präsentierte.

Einen „Wächter“ wird Campbell beim Gastspiel der Show „Atlantis“ im Olympia-Eisstadion vom 11. bis 13. Jänner mimen. Mit dabei sind auch die Olympia-Paarlaufsieger Aljona Savchenko und Bruno Massot. Und mittendrin die Tirolerin Sarah Krappinger. Wie an jedem Schauplatz bekommt ein junges Talent die Chance, sich am Ende des ersten von zwei Akten vor großem Publikum zu präsentieren. Mama Ines hatte ihre Tochter angemeldet, vor wenigen Wochen kam die Zusage. „Das war eine tolle Überraschung. Ich freue mich schon sehr“, sagt die Achtjährige und lächelt schüchtern.

Mit Kufen unter den Füßen verfliegt ihre Zurückhaltung. Auf dem Eis glänzt die junge Innsbruckerin beim Pressetermin für „Holiday on Ice“, kurz „HOI“, wie eine „Große“. Neben US-Profi Campbell flattert sie im pinken Kostüm über das Eis. Wäre es hellblau, könnte man sie abgesehen von der Haarfarbe mit der Eisprinzessin „Elsa“ aus dem Disneyfilm verwechseln. „In meinem Zimmer hängt alles, was mit Eislaufen zu tun hat“, sagt Krappinger und schaut mit zurückgewonnener Zurückhaltung auf zu ihrer Mama. Die war es, die der damals Vierjährigen ein Paar Eislaufschuhe kaufte, um dann am Publikumsring Runden zu drehen. „Dann wurden wir angesprochen, ob Sarah nicht vielleicht zum Kindertraining kommen möchte“, erzählt die Mutter vom ersten Kontakt mit dem olympischen Traditionssport. Von da an hätte Töchterchen Sarah nichts anderes mehr machen wollen: „Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.“

- Vanessa Rachlé / TT

Inzwischen trainiert die Volksschülerin beim IEV fünf bis sechs Mal pro Woche mit Galina Sukhareva. Nach Schule und Mittagessen geht es in die Eishalle zum Training in Innsbruck oder Telfs, Hausübungen und Lernen warten noch im Anschluss.

Die ersten Erfolge fuhr Krappinger bereits ein: den Sieg beim Montfort-Cup kürzlich in Feldkirch etwa oder Platz drei bei den Tiroler Meisterschaften in der Altersklasse U10 (Cubs). „Sechs Medaillen und sieben Pokale“, zählt die Nachwuchshoffnung stolz auf.

Der Auftritt bei „HOI“ ist eine gänzlich neue Erfahrung. Ihre einstudierte Kür bleibt zwar dieselbe, aber die Musik ist eine andere. „Wir haben sie bereits bekommen und sie ist vom Takt her viel schneller“, sagt die Mama. Eine Herausforderung, „aber es gibt ja keine Punkte“, erklärt die Läuferin und strahlt wieder wie Prinzessin Elsa im Film.

Für gewöhnlich ist die Zahl der Zuschauer überschaubar, so wie auch ab Freitag: Ihr Verein lädt in der Tiwag-Arena zum internationalen Eiscup. Im Jänner wird das Publikum deutlich beeindruckender sein. Das mache ihr nichts aus, sagt die Achtjährige selbstbewusst. „Sie ist wie ausgewechselt auf dem Eis“, sagt die Mutter. Einen Vorgeschmack darf sich Krappinger im Dezember in München holen, wo sie auch Savchenko

Massot treffen wird. Ihr Vorbild ist indes noch nicht olympisch dekoriert: die erst 14-jährige Alexandra Trussowa (RUS), die als erste Frau zwei Vierfachsprünge in einem Programm zeigte und einen vierfachen Toeloop stand – Sarahs „Elsa“ sozusagen.