Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 25.12.2018


Sport in Tirol

Großfamilie Schwaninger: „Ruhig ist es bei uns eigentlich nie“

Mit zehn Kindern geht es in der Tiroler Familie Schwaninger immer rund – auch, weil alle sehr sportlich und dabei höchst erfolgreich sind.

Die sportliche Familie Schwaninger: Papa Richard mit Alma am Arm, Ida (Leichtathletik), Emil (LA/Fußball), Fußballerin Paula, die Kunstturner Berta, Rosa, Gerda und Otto sowie Ernst und Mama Brigitta mit Zita.

© Michael KristenDie sportliche Familie Schwaninger: Papa Richard mit Alma am Arm, Ida (Leichtathletik), Emil (LA/Fußball), Fußballerin Paula, die Kunstturner Berta, Rosa, Gerda und Otto sowie Ernst und Mama Brigitta mit Zita.



Von Sabine Hochschwarzer

Fritzens - Es braucht Geschick, um im Hausgang alle Schuhe unterzubringen. Säuberlich geschlichtet stehen sie gestapelt in dreifacher Höhe links und rechts an der Wand. Winterstiefel, Hauspatschen und Sportschuhe: Für die Halle, zum Fußballspielen, die meisten sind Laufschuhe. „So geordnet sieht es nicht immer aus", sagt Richard Schwaninger und lacht, als er die Tür des Einfamilienhauses in Fritzens öffnet.

Vier Köpfe lugen hinter ihm hervor, die anderen sechs Kinder schwirren in Stiegenhaus und Zimmern herum. Bis alle zehn im Wohnzimmer für ein Foto sitzen, dauert es. „Bilder von uns allen gibt es keine. Zumindest einer ist immer weg", erklärt Mama Brigitta, auf deren Arm Alma, die mit fünf Monaten Jüngste, ruht.

Zu Weihnachten sind die Schwaningers aber ausnahmsweise vereint. Der Alltag hat Pause. Die vier Gymnasiasten (Sport-Reithmann), zwei Volksschüler sowie zwei Kindergartenkinder genießen die Ferien. „Am Abend sieht es bei uns am Tisch sonst immer aus wie im Nachhilfeinstitut", beschreibt der Vater, der als HTL-Lehrer in Innsbruck sowie Fulpmes und für Swarovski arbeitet.

Auch Training findet dieser Tage keines statt. Jeder, der bei den Schwaningers laufen kann, macht leistungsmäßig Sport — mindestens dreimal pro Woche, die Größeren mehrere Stunden täglich. Ida, die Älteste, liebt die Leichtathletik, den Siebenkampf. „Vor allem das Kugelstoßen", beschreibt die 16-Jährige, die heuer österreichische U17-Vizemeisterin wurde und im Vorjahr U16-Gold geholt hatte. Bruder Emil steht um nichts nach und wurde über 1000 m nationaler U16-Vizemeister und Dritter im Crosslauf. „Fußball mag ich aber auch", gesteht der 15-Jährige und erzählt vom dritten Platz bei der Tiroler Hallenmeisterschaft mit Wattens. Schwester Paul­a (13) stimmt da mit ein: Sie ist LAZ- und Tiroler Auswahl-Kickerin. Berta (12) und Rosa (10) indes turnen erfolgreich. Beide zählen als österreichische Jugend-2-Vizemeisterin bzw. Jugend-3-Meisterin zu den größten heimischen Talenten. „Wir trainieren am längsten von uns allen", behauptet Berta stolz und erzählt von über Drei-Stunden-Einheiten. Auch Gerda (7) und Otto (5) feierten bereits erste Erfolge im Turnen, Ernst (3) schwärmt hingegen für Fußball. „Und für Zita (1, Anm.) findet sich sicher auch ein Sport", sagt Mama Brigitta und blickt auf ihre Zweitjüngste. „Im End­effekt geht es darum, jeden so zu fördern, wie er es braucht. Man entwickelt schon ein Gefühl dafür", weiß die studierte Bauingenieurin.

Zeit, um sich viele Gedanken zu machen, bleibt ohnehin wenig. Der Alltag hält alle auf Trab. Am Nachmittag etwa das Training, zu dem die Kinder selbst, mit Trainern, Fahrgemeinschaften oder dem Vater kommen. „Nebenberuflich bin ich Taxifahrer", beschreibt der 51-Jährige. Für den Urlaub oder für Ausflüge wie am gestrigen Heiligen Abend in die Therme Erding reicht aber selbst der Neunsitzer-Bus nicht mehr aus. Die Größeren fahren mit dem Zug. Oder auch der Besuch im Supermarkt hat es in sich. „Wenn wir mit unseren zwei Wagerln zahlen, machen sie gleich eine neue Kassa auf", sagt Pap­a Schwaninger grinsend. Drei Maschinen-Ladungen Wäsche fallen täglich an. Auch Weihnachten fordert heraus: In einem Einkaufszentrum durfte jeder ein Geschenk aussuchen, und abends gab es Raclette — für zwölf Personen. „Anspruchsvoll darf man nicht sein", sagt die 43-jährige Mutter. Auch finanziell nicht. Am anstrengendsten finde sie aber die Lautstärke: „Ruhig ist es bei uns nie, außer um zwei Uhr Früh." Zeit für sich bleibe wenig, aber man gewöhne sich daran: „Mit Kindern ist es stressig — egal, ob es eines ist oder mehrere sind." Vater Richard nickt. Zehnfache­r Vater zu sein, sei für ihn einst auch nicht vorstellbar gewesen.

An die Blicke auf ihr­e Familie haben sie sich gewöhnt, an die stets gleiche Frage, wie viele Kinder sie noch haben wollten, ebenso. Ihre Antwort? „Schauen wir mal", sagen die Schwaningers dann immer lachend.

Ein seltener Moment – alle vereint am Familientisch.
Ein seltener Moment – alle vereint am Familientisch.
- Michael Kristen
Viele Winkel des Hauses bezeugen die Erfolge.
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- Michael Kristen