Letztes Update am Mo, 24.12.2018 09:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Elisabeth Swarovski: „Das Trainingszentrum ändert alles“

Swarco-Raiders-Präsidentin Elisabeth Swarovski sprach vor dem Weihnachtsfest mit der TT über das leidige Thema Trainingszentrum, die Kritik der Fußballer und warum es nun eine zweite starke Frau gibt.

Seit Jahren eine starke Frau im männerdominierten Football-Sport: Raiders-Präsidentin Elisabeth Swarovski.

© gepaSeit Jahren eine starke Frau im männerdominierten Football-Sport: Raiders-Präsidentin Elisabeth Swarovski.



Das Angebot der Swarco Raiders wurde heuer um die Sektion Basketball erweitert. Erfreulicherweise sieht man regelmäßig eine volle Leitgebhalle mit vor allem jungem Publikum. Hat man den Nerv der Zeit getroffen?

Elisabeth Swarovski: Ich denke ja. Basketball passt perfekt in unser Konzept des „Sportainment“ (Mischung aus Sport und Entertainment, Anm.). Bis dato wurde es in Tirol von eher wenigen wahrgenommen. Es gibt eine Vielzahl an Synergien zwischen den beiden amerikanischen Sportarten Football und Basketball. Und letztlich hat man auch das Gefühl, dass das Beschreiten neuer Wege ganz allgemein sehr positiv wahrgenommen wird.

Die Gerüchteküche brodelt: Baseball und auch das Gewichtheben sollen den Weg zu den Raiders finden. Wäre eine Erweiterung der Sektionen vorstellbar?

Swarovski: Aktuell konzentrieren wir uns darauf, die Sektion Basketball sportlich und auf Management-Ebene zu integrieren. Auch wenn ich Erweiterungen in der Zukunft nicht kategorisch ausschließen möchte, gibt es im Moment keinerlei Überlegungen, die in diese Richtung gehen.

Das Budget steht natürlich im Fokus: Wie reagieren Sponsoren auf die neue Sparte?

Swarovski: Das Feedback von Seiten der Sponsoren war bisher durchwegs positiv, und wir sind gerade dabei, die ersten Verträge abzuschließen. Allerdings hatten wir zwischen dem Andocken der neuen Sektion und dem Start der Basketball-Saison praktisch kein Zeitfenster, sodass wir uns dieser Aufgabe erst im kommenden Jahr umfassend widmen werden.

Die Tiroler Sponsorlandschaft ist überschaubar. Wie hart tun Sie sich mit neuen Geldgebern?

Swarovski: Hinter jeder erfolgreichen Sponsorenakquise steckt viel Arbeit, das ist bei uns nicht anders. Und ja, natürlich wäre es toll, wenn es in Tirol viel mehr große Unternehmen mit Affinität zum Sportsponsoring gäbe. Wir jammern aber nicht, sondern arbeiten lieber an neuen Werbekonzepten.

Zum Football: Seit Jahren kann man Titel um Titel einfahren. Trotzdem verabschieden sich immer wieder Talente in die USA. Sehen Sie das als Auszeichnung oder blutet da das Herz?

Swarovski: Beides. Jeder Spieler träumt davon, im College und der NFL (National Football League, Anm.) Fuß zu fassen, nicht zuletzt auch deshalb, weil dies der einzige Weg ist, um mit seinem Sport seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In dieser Hinsicht werden wir wahrscheinlich immer ein Ausbildungsverein bleiben, aus dem das eine oder andere Talent den Sprung nach Amerika wagt.

Der Football in Österreich funktioniert, international scheiterte die Big6 (Champions League) aber. Mittlerweile ist es nur noch eine Big4. Sehen Sie die CEFL als ebenbürtiges Format? Es fehlen ja die deutschen Teams.

Swarovski: Durch den Zugewinn französischer und italienischer Teams ist die Central European Football League sehr gewachsen und gewinnt an Attraktivität. Der europäische Football unter der neuen IFAF-Führung befindet sich im Umbruch, und wir sind guter Dinge, dass es auch auf dieser Ebene weiter bergauf geht.

Zum leidigen Thema Trainingszentrum: Geredet wird schon lange, einen Spatenstich gab es vor Jahren schon – trotzdem ist noch kein Bagger aufgefahren.

Swarovski: Die Bagger haben zumindest schon im Hinblick auf die Baumaßnahmen zum Trainingszentrum die Busumkehrschleife hinter dem Tivolistadion verlegt. Das entspricht den allseitigen Zusagen. So richtig freuen werden wir uns aber nach all den Jahren des Hin und Her erst am Tag der Eröffnung. Uns wurde jedenfalls von den obersten Stellen auf Seiten von Bund, Land und Stadt das Trainingszentrum als fix bestätigt, und ich sehe – Stand heute – auch keinen Grund, daran zu zweifeln.

Was wird das Trainingszentrum für Ihren Verein verändern?

Swarovski: Mehr, als man es sich von außen betrachtet wahrscheinlich vorstellen kann. Bis dato ist unser Trainingsbetrieb geprägt vom Kampf um freie Zeitfenster auf Fußballplätzen sowie von der sehr eingeschränkten Bespielbarkeit des Platzes am Sieglanger. Mit der Professionalität unserer sportlichen Ausbildung ist das nur sehr schwer in Einklang zu bringen.

Kritik kommt aber aus dem Fußball-Lager. Ihr Trainingszentrum werde den Fußballern nicht zugänglich gemacht.

Swarovski: Wir reden hier vom aktuell einzigen American-Football-Feld in Westösterreich, welches bereits von Anbeginn an auf Kapazitätsengpässe stoßen wird. Allein unser Verein hat über 300 aktive Footballspieler im Herren- und Nachwuchsbereich, die zudem regelmäßig internationale und nationale Titel einheimsen. Jeder, der sich mit den Fakten in diesem Zusammenhang auseinandersetzt, wird zu dem Schluss kommen, dass das

Hineinreklamieren weiterer Sportarten schlichtweg keine Option ist.

Mit Claudia Nuener haben Sie seit heuer eine starke Frau im Management. Haben Sie sich bewusst für eine Frau entschieden, um dem männerdominierten Football einen weiblichen Anstrich zu verpassen?

Swarovski (lacht): Den gibt es ja schon durch mich. Nein, im Ernst: Das Geschlecht hat bei der Auswahl keine Rolle gespielt, wir haben einfach nach jemandem gesucht, der Berufserfahrung und eine entsprechende Ausbildung mitbringt und letztlich auch menschlich zu uns passt. Frau Nuener hat uns von der ersten Minute an überzeugt und erweist sich bislang als Glücksgriff.

Das Gespräch führte Daniel Suckert