Letztes Update am Mo, 01.04.2019 21:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Basketball

Dem Bundesliga-Traum gibt Tirol keinen Korb

Jahrelang führte Basketball in Tirol ein Schattendasein, nun visieren mit den Raiders und den Kufstein Towers gleich zwei Teams die Bundesliga an.

Am Sonntag machten die Swarco Raiders (schwarz) und die Kufstein Towers in der vollgefüllten Innsbrucker Leitgebhalle im Tiroler Landesliga-Finale Lust auf mehr. Und es soll viel mehr davon geben.

© Michael KristenAm Sonntag machten die Swarco Raiders (schwarz) und die Kufstein Towers in der vollgefüllten Innsbrucker Leitgebhalle im Tiroler Landesliga-Finale Lust auf mehr. Und es soll viel mehr davon geben.



Von Roman Stelzl und Daniel Suckert

Innsbruck – Es braucht fast einen märchenhaften Einstieg, um die Geschichte von bundesweitem Basketball in Tirol zu erzählen. Es war einmal im Jahre 2007, da wagten die Silverminers Schwaz den Schritt in die zweite Bundesliga. Lange hielt sich das Team in der zweithöchsten Klasse, wurde sogar Vizemeister – und begrub 2013 den Traum von Erstklassigkeit mit dem Rückzug.

Seither hat das Thema Bundesliga-Basketball und Tirol Staub angesetzt. Bis zur heurigen Saison, in der die neu gegründete Sektion der Swarco Raiders und die Kufstein Towers in ihrem zweiten Jahr den Betrieb ordentlich durchfegen. Beide mit dem ehrgeizigen Ziel: die höchste Bundesliga. Doch wie fern ist dieser Traum der Wirklichkeit?

Westliga: Derzeit spielt sich die Wirklichkeit in der Drittklassigkeit ab. Am Sonntag duellierten sich die beiden Tiroler Top-Klubs im Finale der Landesliga, das bessere Ende hatten die Raiders mit 104:92 für sich. Nun wartet am 4. Mai das Final Four in der Westliga, es läuft alles auf ein Endspiel zwischen den Kufsteinern und den Innsbruckern hinaus. Danach wartet auf den Sieger im Juni die Relegation um den Aufstieg in die zweite Bundesliga.

Vision: Die zweithöchste Klasse ist das Ziel beider Vereine. Doch während die Raiders schon heuer für den Aufstieg gerüstet sind, geben sich die Kufsteiner noch Zeit. „Wir haben einen Plan über drei Jahre, in denen wir aufsteigen wollen. Heuer ist das zweite Jahr, der Aufstieg ist nicht vorgesehen. In sechs, sieben Jahren sehen wir uns in der Bundesliga“, erklärt Towers-Manager Michael Pilger, dessen Team heuer von 14 Westliga-Partien zwei verlor. Die Raiders, in 14 Spielen mit 13 Siegen, wollen den Schritt wagen. „Kurzfristig ist das Ziel, in die zweite Liga zu kommen. Am Ende wollen wir in die erste Bundesliga. Dafür müssen aber auch Voraussetzungen im Nachwuchs geschaffen werden“, sagt Klubmanagerin Claudia Nuener.

Budget: Ein großer Sprung ist der Aufstieg im finanziellen Bereich. Derzeit halten beide Teams bei einem Budget von rund 50.000 Euro – um in der zweiten Bundesliga mitzuhalten, ist das Doppelte nötig. „Für die erste Bundesliga brauchen wir mindestens 300.000 bis 350.000 Euro, Top-Teams budgetieren teils mit einer Million“, erklärt Pilger. Knackpunkt ist dabei auch die Halle. Die Kufstein Arena bietet 2000 Zuschauern Platz, ist laut Pilger „eine der modernsten im Westen“. Die Leitgebhalle platzt bei den Raiders-Auftritten schon bei gut 400 Fans aus den Nähten. Nuener: „Die Leitgebhalle ist zu klein, wenn wir aufsteigen. Darum laufen schon die Planungen für den Fall der Fälle.“

Interesse: Die Begeisterung ist auf jeden Fall geweckt. Die Raiders profitieren von der großen Anhängerschaft des American-Football-Klubs. Nuener: „Wir wussten schon, dass die Fan-Base der Raiders gut ist. Aber trotzdem war es ein Sprung ins kalte Wasser.“ Bei den Kufstein Towers ging Pilger mit zwei Kollegen und nichts in der Hand Klinken putzen, um den Traum eines Teams zu verwirklichen. Mit Erfolg: 500 Fans verfolgten das Landesliga-Finale. Sponsoren zeigen vermehrt Interesse. Noch ist es ein weiter Weg.

Rivalität: „Irgendwann wollen wir zwei Tiroler Klubs in der Bundesliga haben“, träumt Kufsteins Pilger. Ein (drohendes) Problem wie im Fußball (FC Wacker und Wattens) sieht er nicht, eine Fusion als Bündelung der Kräfte war nie Thema: „Wir wollen packende Derbys zeigen.“ Ebenso sieht es Nuener: „Wir freuen uns, dass auch sie den Weg nach oben gehen. Davon profitieren alle.“