Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.05.2019


Regionalliga West

Zwei Legenden nehmen Abschied: Treichl und Hartl beenden Karriere

Mit Mathias Treichl (FC Kufstein/33 Jahre) und Thomas Hartl (FC Kitzbühel/32 Jahre) beenden im Sommer zwei Unterhaus-Größen ihre Karriere. Zwei Freunde, die nicht nur sportlich verbunden bleiben wollen.

Zwei, auf die man sich immer verlassen konnte, beenden ihre Karriere: Thomas Hartl (l./Kitzbühel) und Mathias Treichl (Kufstein).

© www.muehlanger.atZwei, auf die man sich immer verlassen konnte, beenden ihre Karriere: Thomas Hartl (l./Kitzbühel) und Mathias Treichl (Kufstein).



Von Tobias Waidhofer

Kufstein, Kitzbühel – Zu behaupten, dass Mathias Treichl und Thomas Hartl am 7. Juni zu Hause von ihren Familie­n mit einem „La ola“-Jubel empfangen werden, scheint nicht zu weit hergeholt. Die Freude im Hause Treichl (Ehefrau Juli­a, Kinder Marie/7 Jahr­e und Luisa/wird im August ein Jahr alt) und Hartl (Marie-Therese mit Tochter Nina/ein halbes Jahr alt) wird nach dem letzten Westliga-Spiel und dem damit verbundenen Karriere­ende zweier „Unterhaus-Legenden“ nämlich groß sein. Denn der „Pap­a“ wird künftig am Wochenende öfter daheim sein ...

„Überlegungen gab es schon vergangenen Sommer“, erzählt Treichl, der seit 2009 seine Schuhe für den FC Kufstein schnürt. Es sei keine Entscheidung gegen den Verein oder sein Hobby, ergänzt der 33-Jährige. „Es geht sich familiär und beruflich nicht mehr aus.“ Das Architekturbüro, das Treichl gemeinsam mit einem Freund in Söll betreibt, verlangt ebenso vollen Fokus wie die Familie. „Ich muss meiner Frau Julia danken. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten, das ist nicht selbstverständlich.“

In zehn Jahren FC Kufstein hat der Söller natürlich einiges erlebt. Was sein persönliches Highlight darstellt? „Dass ich überhaupt gefragt worden bin. Der damalige Trainer Thomas Silberberger hat einem Landesliga-Kicker die Chance gegeben. Ich habe ihm viel zu verdanken.“

Neben seinem ersten Coach Reini Hofer und Langzeit-Kitzbühel-Trainer Alex Markl gibt auch Thomas Hartl den nunmehrigen Wattens-Übungsleiter Silberberger als prägende Trainer-Persönlichkeit an. „Seit Februar steht die Entscheidung. Ich habe bis jetzt alles dem Fußball untergeordnet, will mehr Zeit für die Familie haben“, erzählt der Mittersiller. In der Kufstein-Zeit des Abwehrspielers (2007 bis 2010, 2011 bis 2015) traf der Lehrer, der dem FC Kitz als Sportvorstand erhalten bleibt, auch erstmals auf Kumpel Treichl. Aus einer Trainings-Fahrgemeinschaft und vielen Stunden am grünen Rasen entwickelte sich eine Freundschaft. Die geht sogar so weit, dass beide irgendwann gemeinsam einen Verein trainieren wollen. „Das wäre unser Plan“, bestätigt Treichl. „Jetzt machen wir aber einmal Pause“, ist sich das Duo einig. Wie so oft.

Dem FC Kufstein bzw. dem FC Kitzbühel wird viel Qualität abhandenkommen, menschlich wie sportlich. Treichls Übersicht samt genialen Freistößen scheint ebenso kaum zu ersetzen wie Hartls Torgefährlichkeit nach Standardsituationen und dessen Zweikämpfstärke. Ob die Nachfolger bereits eingeschult wurden? „Das können sich die Jungs jetzt noch vier Spiele ansehen, dann müssen sie selbst schwimmen“, grinst Hartl, der österreichweit als einer der torgefährlichsten Innenverteidiger im Amateurfußball gilt.

Das Schlusswort gehört einem Wegbegleiter: „Beide sind absolute Spitzenspieler, die ich gern nach Wattens geholt hätte, was aber leider nicht geklappt hat“, schwärmt Ex-Coach Silberberger. „Ich sag’ meinen Spielern immer: ,Ich setze euch aufs Pferd, aber reiten müsst ihr selbst.‘ Und die zwei sind sehr gut geritten.“ Der letzte Ritt führt nun in den verdienten Sonnenuntergang des Karriereendes.