Letztes Update am Mo, 20.05.2019 14:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unterhaus

Kurzschlussreaktion nach Gelb-Rot: Schiri bei tätlichem Angriff verletzt

Eine Kurzschlussreaktion nach einer Gelb-Roten Karte könnte einen SVI-Spieler teuer zu stehen kommen. TFV-Referee Nenad Kostacevic erlitt beim tätlichen Übergriff Brustkorbprellung und Gehirnerschütterung.

Nenad Kostacevic musste nach der Attacke in Söll im Krankenhaus Kufstein behandelt werden.

© BöhmNenad Kostacevic musste nach der Attacke in Söll im Krankenhaus Kufstein behandelt werden.



Von Thomas Mair

Söll – Der Käse beim Söller 4:3-Heimsieg in der UPC Tirol Liga gegen den SVI war schon gegessen. Doch während sich die Hausherren nach Spielschluss von ihren Fans feiern ließen, kochten die Emotionen rund um SVI-Routinier Mario Fettner und Schiedsrichter Nenad Kostacevic über. „Warte, bis ich die Dress ausgezogen habe! Dann wirst du es draußen sehen“, soll Fettner direkt nach dem Schlusspfiff zu ihm gesagt haben. Diese Drohung war Grund genug für den 37-jährigen Unparteiischen, ihm die Gelb-Rote Karte zu zeigen. Manche SVI-Spieler wollten den Referee am Ausschluss hindern, was misslang. „Daraufhin schien der Spieler in Rage zu geraten: Er nahm Schwung, lief auf mich zu und stieß mir beide Fäuste hart an den Oberkörper, sodass ich auf den Boden geschleudert wurde und einige Minuten benommen liegen blieb“, beschrieb Kostacevic den Angriff.

„Wenn meine zweijährige Tochter so geschubst wird, steht sie nach spätestens einer Minute auf und lacht.“
Markus Seelaus (SVI-Trainer)

Die Folgen sind weitreichend: Nachdem der Wörgler Spielleiter von den Söller Ordnern in die Kabine geleitet wurde, ließ er die Polizei rufen, die den Sachverhalt aufnahm. Die beiden Beteiligten sowie zwei Zeugen (einer aus Söll, einer aus Ebbs) wurden befragt, Kostacevic brachte seinerseits bereits eine Anzeige ein. Aufgrund der Schmerzen ließ er sich anschließend von einem Freund ins Krankenhaus Kufstein bringen, wo ich „vier bis fünf Stunden verbrachte“.

Der Beschuldigte selbst sieht die Sachlage grundlegend anders, obwohl er einen „Schubser auf den Oberkörper, der nicht mal fest war“ (O-Ton Fettner) zugibt und nicht schönreden will: „Meine Aktion war nicht in Ordnung und sollte mir in meinem Alter (37 Jahre, Anm.) nicht passieren. Aber was der Schiedsrichter daraus macht, ist eine Schweinerei.“

„Ich habe zum Schiri nicht gesagt, dass ich ihn draußen herschlagen werde. Das ist lächerlich. Ich habe gegenüber ihm kein böses Wort verloren.“ Vielmehr soll Fettner einem Mitspieler beim Abgang in die Kabine erklärt haben, dass „ich mir genau wegen solcher Spiele überlege, ob ich meine Karriere fortsetze“. Damit meinte er neben den Platzverhältnissen und der eigenen (schwachen) fußballerischen Darbietung auch die Schiedsrichterleistung. „Er ist mir nachgerannt und zeigte mir die Gelb-Rote Karte.“ Daraufhin brannten die Sicherungen durch, Kostacevic habe sich laut SVI-Trainer Markus Seelaus minutenlang am Söller Kunstrasen „gewälzt und über Schmerzen geklagt“.

Bewerbung für das Landestheater

„Selbst den Spielbericht vermochte er zuerst aufgrund seiner Wirbelsäulenbeschwerden nicht zu unterschreiben“, schüttelte Seelaus den Kopf und wirft dem Referee Schauspielerei vor: „Was der Schiri daraus macht, grenzt an eine Bewerbung für das Landestheater. Wenn meine zweijährige Tochter so geschubst wird, steht sie nach spätestens einer Minute auf und lacht – mit dem Schnuller im Mund.“

Die Innsbrucker fühlen sich von Kostacevic schon seit längerer Zeit verfolgt. „Er will immer im Mittelpunkt stehen und auch ich war schon viermal wegen ihm beim Strafsenat“, erklärt Seelaus, der schon „mit einem Bein im Häf’n stehen würde, wenn das stimmen würde, was er in seinen Berichten schreibt“.

SVI-Haudegen Mario Fettner brannten die Sicherungen durch.
SVI-Haudegen Mario Fettner brannten die Sicherungen durch.
- Michael Kristen

Im aktuellen Fall macht der Unterländer aus Sicht der Innsbrucker aus einer Mücke einen Elefanten. Mehrere (auch unparteiische Söller) Zuschauer sollen diese Version untermauern, wonach es ein „Schubser“ und kein Schlag mit den Fäusten gewesen sei. Deshalb sieht Fettner einer Klage nach Absprache mit seinem Rechtsanwalt gelassen entgegen. „Wenn er das so haben will, lassen wir das nicht stehen und fechten das aus.“ Kostacevic beharrt: „Es wäre ja nichts, wenn es ein Schubs gewesen wäre. Aber es war ein Schlag.“ Die Diagnose des Krankenhauses Kufstein spricht gegen den 37-jährigen SVI-Verteidiger. Neben diag­nostizierter Brustkorbprellung und Gehirnerschütterung soll dem Vernehmen nach auch der Geschmackssinn beim gleichaltrigen Unparteiischen nicht mehr wie vorher funktionieren. „Ich pfeife seit 13 Jahren. So etwas ist mir noch nie passiert und habe ich auch noch nie auf einem anderen Fußballfeld gesehen. Ich frage mich, ob ich am Spielfeld noch sicher bin“, äußert Kostacevic seine Ängste.

Karriereende nach Skandal?

Fettners weitere Karriereplanung wird nun von den Konsequenzen dieser Causa bestimmt. Die Strafe des Verbandes werde er reumütig in Kauf nehmen. „Wenn ich bis zum Ende der Saison nicht mehr spielen darf, können wir über eine Fortsetzung reden. Bekomme ich zehn bis 20 Spiele, war’s das wohl – dann hatte ich halt keinen schönen Abgang.“ Nach 20 Unterhaus-Jahren ohne Skandal wird diese Kurzschlussreaktion in jedem Fall haften bleiben.

Detail am Rande: Nachdem in Söll bekannt wurde, dass der Schiedsrichter die Polizei einschaltete, soll ein weiterer Akteur des SVI dem Schiedsrichter-Assistenten gedroht haben. „Du bist der Nächste.“ Bei diesen Worten habe er vielsagend den Finger über seine Kehle gezogen, eine weitere Anzeige beim Fußballverband zeichnet sich ab.