Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Sport in Tirol

Ein Schnupperkurs im Profigeschäft für Tiroler Schiedsrichter

Wenn internationale Topclubs während ihrer Trainingslager in Tirol die Schwerter kreuzen, greifen Tiroler Unparteiische zur Pfeife - und sammeln dabei wertvolle Erfahrung.

Stefan Gamper hat den Bremer Fin Bartels und Benni Pranter (WSG Tirol) im Blick.

© imago images / eu-imagesStefan Gamper hat den Bremer Fin Bartels und Benni Pranter (WSG Tirol) im Blick.



Von Daniel Lenninger

Innsbruck – Fußball-Klubs aus ganz Europa verbringen auch 2019 wieder einen Teil ihres Sommers in Tirol. Das freut die heimische Schiri-Riege ebenfalls. Den Unparteiischen wird so die Chance geboten, Spiele auf (ungewohnt) hohem Niveau zu leiten.

„Das sind Top-Teams, die man sonst nur im Fernsehen sieht“, schwärmt Tirols Schiedsrichter-Obmannstellvertreter Gregor Danler. An die 70 internationale Freundschaftsspiele stünden im Sommer an. Eine Dimension, die es ausschließt, nur Personal mit Bundesliga-Erfahrung zu entsenden. Ein gewisses Qualitätssiegel sei aber notwendig. „Mindestens Tiroler Liga“, verdeutlicht Danler.

Wenn internationale Klubs in Tirol den Ernstfall testen, nutzen dies auch die Tiroler Schiedsrichter wie Olivia Tschon.
Wenn internationale Klubs in Tirol den Ernstfall testen, nutzen dies auch die Tiroler Schiedsrichter wie Olivia Tschon.
- Thomas Böhm

Ihr Debüt auf diesem Level hat die Innsbruckerin Olivia Tschon längst hinter sich, zuletzt leitete sie das Duell zwischen dem deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden und dem griechischen Europa-League-Starter Atromitos. Die anfängliche Anspannung verflog dabei schnell: „Es war eine tolle Erfahrung.“ Der Profifußball sei nicht nur von höherem Tempo gekennzeichnet, auch die professionellen Rahmenbedingungen würden imponieren. Außerdem mache die höhere Qualität der Kicker die Spielleitung unkomplizierter: „Am Platz läuft alles geordneter ab und ich tue mir mit meinen Laufwegen leichter“, sagt die 25-Jährige.

„Wir sind dankbar, dass wir diese Spiele pfeifen dürfen“, streicht auch Stefan Gamper hervor. Gemeinsam mit Ale­xander Brugger und Yilmaz Et brachte er das Blitzturnier im Zillertal (WSG Tirol, Bremen, Karlsruhe) erfolgreich über die Bühne. „Die Kritik erfolgt meist fundierter, weil sich die Profis besser auskennen“, ergänzt Michael Egger, Schiedsrichter beim Duell zwischen Stuttgart und dem FC Wacker.

Positive Rückmeldungen veredeln diese Erfahrungen. So widmete etwa die Bild Olivia Tschon nach dem Dresden-Test einige Zeilen und zog gar den Vergleich zu einer etablierten deutschen Bundesliga-Schiedsrichterin: „Die Bibiana Steinhaus Österreichs machte einen guten Job, leitete die Partie souverän“, stand da. „Es gibt kein größeres Lob“, grinst Tschon und hat den Blick längst auf den Alltag gerichtet. In zehn Tagen startet die Regionalliga Tirol – und der Amateurfußball bleibt ihr täglich Brot.

Wer Tschons Beispiel folgen will, hat beste Chancen: Das Tiroler Schiedsrichter-Kollegium (www.schiri.at) sucht eifrig nach Nachwuchs.




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