Letztes Update am Mi, 21.08.2019 14:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Kühner: „Ein Damoklesschwert hängt immer über uns“

Springreiter Max Kühner zählt bei der Europameisterschaft in Rotterdam zu den Medaillenhoffnungen. Warum der Wahl-Tiroler mit gemischten Gefühlen in die Niederlande reiste, erklärt der 45-Jährige im TT-Interview.

Ein dynamisches Duo will hoch hinaus. Springreiter Max Kühner visiert mit seinem Hengst Chardonnay eine EM-Medaille an.

© oeps/holcbecherEin dynamisches Duo will hoch hinaus. Springreiter Max Kühner visiert mit seinem Hengst Chardonnay eine EM-Medaille an.



Wie fühlen Sie sich vor dem EM-Auftakt?

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Max Kühner: Wir, also mein Pferd Chardonnay und ich, sind fit. Wir kämpfen um eine Medaille, aber es muss wirklich alles passen. Bei so einer Europameisterschaft ist die Tagesverfassung ausschlaggebend und das nötige Glück muss sich dazugesellen.

Vor einem Monat beim weltberühmten CHIO Aachen waren Sie noch durch Ihre Schulteroperation vom Mai beeinträchtigt.

Kühner: Ich arbeite immer noch täglich am Aufbau, aber ich habe in der Schulter jetzt mehr Mobilität als in Aachen, und auch die Kraft sollte mir nicht mehr ausgehen. Bei der EM werden die Parcours etwas leichter als in Aachen sein, aber dafür geht die Entscheidung über mehrere Tage (bis zum Finale fünf Runden; Anm. d. Red.) – das macht das Ganze sehr anspruchsvoll.

Das heutige Zeitspringen ist die Schwäche Ihres Top-Pferdes.

Kühner: Deswegen gehe ich es lieber etwas langsamer an. Wenn wir nach dem Zeitspringen auf dem 15. bis 20. Platz liegen, dann wäre das ein guter Ausgangspunkt.

Ihr Teamkollege Felix Koller wurde kurz vor der EM wegen einer positiven Dopingprobe des Pferdes gesperrt. Was hat das in Ihnen ausgelöst?

Kühner: Die Nachricht hat mich geschockt, aber nicht ganz verwundert. Wir Reiter haben seit einiger Zeit ein großes Problem mit dem System des Weltreiterverbandes FEI. Über 80 Prozent der Substanzen tauchen beim Humandoping der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der NADA nicht auf. Das Vitamin B15 von Felix’ Pferd Captain Future ist beim Menschen kein Thema. Bei Pferden wollen sie es besonders genau machen. Egal ob in der Luft, im Wasser oder auf der Wiese – heutzutage sind überall so viele zusätzliche Stoffe enthalten und man weiß nie, was. Bei den Dopingproben hängt immer ein Damoklesschwert über uns.

Wie meinen Sie das?

Kühner: Bei einem Turnier in Mexiko gab es 20 positive Dopingfälle. Die Pferde bekamen Heu von einer Wiese mit Orangenbäumen, dabei sind Blätter von den Bäumen ins Heu gekommen. Diese enthalten einen Stoff, der auf der Dopingliste steht. Die FEI macht es sich diesbezüglich einfach: Es steht immer der Reiter in der Verantwortung. Aber wir können nicht zu jedem Turnier unser eigenes Futter mitnehmen. Manchmal ist es auch gar nicht erlaubt. Deshalb sind viele Reiter in Sorge. Jeder weiß, dass es ihn immer treffen kann. Wir werden alle regelmäßig getestet. Bis wir die Proben zurückbekommen, sind das sorgenvolle Momente mit Sorgenfalten auf der Stirn. Man weiß nie, ob etwas kontaminiert wurde.

Aber es gibt sicher auch schwarze Schafe.

Kühner: Die gibt es überall. Felix ist aber kein schwarzes Schaf, das möchte ich ausdrücklich betonen. Zumal die getestete Menge des Vitamins B15 dem Pferd gar nichts bringt. Die FEI sagt uns ja nicht einmal, was und wie wir das Futter testen sollen – sie verwehrt uns das. Solange das so ist, sind wir verunsichert.

Die Problematik hat auch schon Dressur-Star Isabell Werth und Spitzenreiter Steve Guerdat betroffen. Der Schweizer konnte beweisen, dass das gekaufte Futter mit Schlafmohn verunreinigt war. Gibt es keine Bewegung bei den Reitern, die sich des Themas annimmt?

Kühner: Doch, die gibt es. Aber es ist ein sehr unangenehmes Thema. Und der, der nicht betroffen ist, verhält sich gerne ruhig.

Dadurch, dass die Tirolerin Julia Kayser schon vor der EM zurückziehen musste und Juwel Koller auch ausfällt, scheint es für das Team unmöglich, sich für Olympia zu qualifizieren.

Kühner: Die Situation ist frustrierend. Aber wir, Matthias Raisch, Stefan Eder, Roland Englbrecht und ich, bauen uns gegenseitig auf und versuchen, das Beste daraus zu machen.

Das Gespräch führte Susann Frank


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