Letztes Update am Do, 22.08.2019 09:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klettern

Silber für Schubert bei Olympia-Test: „Zu rechnen war damit nicht mehr“

Silber in der WM-Kombination versetzte beim Innsbrucker Jakob Schubert (28) Berge. Die TT erreichte den Medaillengewinner in Hachioji (JPN).

Jakob Schuberts Medaille hing an einem dünnen Seil – es sollte nach dem Vorstieg Silber werde

© Moritz LiebhaberJakob Schuberts Medaille hing an einem dünnen Seil – es sollte nach dem Vorstieg Silber werde



Gratulation zu Ihrer Silbermedaille in der Kombination.

Schubert: Zu rechnen war damit nicht mehr, deshalb wollte ich noch einmal was zeigen. So geil – es war der krönende, der perfekte Abschluss einer unglaublichen Weltmeisterschaft.

Sind Sie müde? Nach dem Bouldern (Bronze) meinten Sie, dass ein wenig Ruhezeit gut wäre.

Schubert: Nein, eigentlich geht es mir jetzt ganz gut.

Silber hinter Tomoa Narasaki (M. neben Rischat Chaibullin/KAZ): Jakob Schubert bejubelte seine dritte WM-Medaille in Japan.
Silber hinter Tomoa Narasaki (M. neben Rischat Chaibullin/KAZ): Jakob Schubert bejubelte seine dritte WM-Medaille in Japan.
- Moritz Liebhaber

Überrascht es Sie, dass die Japaner in Ihrer Gesamtheit so erfolgreich waren?

Schubert: Dass sie im Speed Talent haben, wusste man, das liegt ihnen im Blut. Im Bouldern haben sie sich extrem entwickelt, im Vorstieg herrscht noch ein wenig Rückstand. Aber klar: Viele Leute klettern dort, die Hallen sind gut.

Sie haben Ihr großes Ziel bereits vor dem abschließenden Kombi-Finale erreicht, in dem ja bei den Olympischen Spielen kommendes Jahr die Medaillen vergeben werden.

Schubert: Die Olympia-Qualifikation war das große Ziel, schließlich dürfen nur 20 Leute antreten. Vor ein paar Jahren dachte ich, meine Stärke sei der Vorstieg und im Bouldern sei ich nicht so schlecht. Jetzt ist endlich alles aufgegangen.

Bei Olympischen Spielen zählt abseits der Medaillen nicht mehr viel. Oder lohnt sich für Sie allein das Dabeisein?

Schubert: Natürlich – es ist eine Ehre, Österreich bei der größten Sportveranstaltung der Welt vertreten zu dürfen. Aber so ehrlich bin ich: Für mich geht es um eine Medaille, dabei sein ist zu wenig.

Der Druck ist angesichts des Olympia-Tickets weg, das wird wohl auch Ihre Vorbereitung auf das kommende Jahr beeinflussen.

Schubert: Natürlich, jetzt muss ich nicht mehr überall starten. Ich werde heuer noch die EM bestreiten und einen Weltcup, aber dann werde ich Fels-Projekte angehen, um im Kopf frei zu werden. Das brauche ich. Und im Winter werde ich mich dann mit einem Block auf den Speedbewerb konzentrieren, da habe ich noch meine Schwächen.

Man könnte meinen, dass für Sie jetzt ein Urlaub auf dem Programm steht. Reisen Sie von Japan direkt nach Hause oder legen Sie einen Zwischenstopp ein?

Schubert: Nein, ich werde mir kommende Woche in Arco die Jugend-WM anschauen und beim Rock Masters im Duell-Bewerb antreten, dann reise ich vielleicht eine Woche oder zehn Tage nach Mallorca: zum Klettern und Urlaub machen.

Und wo planen Sie Ihr Felsprojekt?

Schubert: Ich habe vor, eine schwierige Route in Margalef (Spanien) zu klettern.

In Interviews brachten Sie immer wieder Ihre Verbundenheit mit David Lama und Hansjörg Auer zum Ausdruck (Kletterfreunde, die bei einem Lawinenunglück in Kanada im April 2019 ums Leben kamen). Inwieweit denken Sie in stillen oder bewegten Momenten an die beiden?

Schubert: Es ist nicht so, dass ich ständig an sie denke. Aber wenn ich mit anderen zusammen bin, die sie gut kannten, tauschen wir gemeinsam Geschichten aus. Aber eher die lustigen!

Das Gespräch führte Florian Madl