Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.10.2019


Turnen

Ticket für die Olympischen Spiele nach Tokio? Bitte warten

Österreichs Turner hatten auf zwei Olympia-Tickets bei der derzeit laufenden WM gehofft. Die Chance für Höck ist noch da, aber es ist kompliziert und komplex.

Vinzenz Höck hofft noch auf ein Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio.

© www.imago-images.deVinzenz Höck hofft noch auf ein Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio.



Innsbruck – „Es ist das Schwierigste überhaupt, sich für Olympische Spiele zu qualifizieren“, sagt Österreichs Nationaltrainer der Turner Petr Koudela. Sein Paradeschützling Vinzenz Höck war trotz guten Wettkampfs in Stuttgart deutlich an der Qualifikation gescheitert. Im Mehrkampf landete der in Innsbruck lebende Steirer auf Rang 61, seine Kollegen im Tiroler LZ, Alexander Benda und Matthias Schwab, wurden 83. und 119. von 258 Turnern.

„Es war eine sehr gute Leistung von allen, auch wenn jeder einen Fehler hatte“, lobte der sonst damit sparsame Koudela, der seit 17 Jahren als Trainer in Innsbruck arbeitet. Gut war dennoch nicht gut genug: Höck verpasste den Finaleinzug der besten acht Ringeturner um 0,266 Punkte. Hätte er in Stuttgart jetzt die gleiche Wertung erreicht wie bei seiner Silbermedaille bei der Universiade, wäre er sogar Zweitbester der WM-Qualifikation geworden.

„Das kann man nicht vergleichen“, erklärt Koudela. Jeder Wettkampf werde etwas anders bewertet, „in Stuttgart waren sie sehr streng“. Die Top acht seien möglich gewesen, ein paar kleine Fehler hätten den Ausschlag gegeben. Es wurde Rang 16 an den Ringen und aus dem Traum von den Olympischen Ringen nichts. Zumindest vorerst nicht.

Im Gegensatz zu Elisa Hämmerle (Vbg.) und auch der Tirolerin Jasmin Mader blieben Höck und Co. hinter den Quotenplätzen (Kriterium 3, siehe Kasten rechts). Weil sich nur eine Österreicherin qualifiziert, bleibt Mader die Rolle der Ersatzfrau. „Jasmins Wettkampf war perfekt“, lobte der Männer-Nationaltrainer auch die 26-Jährige. Ein kleiner Trost für Mader, die sich bei ihrer „vermutlich letzten WM“, wie sie angedeutet hatte, noch einmal präsentieren hatte können: „Mein Auftritt war recht gut und ich bin auch ziemlich zufrieden, aber natürlich wäre es schön, wenn es mit Olympia geklappt hätte.“

Für Höck ist die Chance hingegen noch da – bis Mai 2020 (EM in Baku). Erst dann sollte inklusive der Weltcup-Ergebnisse feststehen, wer eines der sieben Kriterien erfüllt hat. „Ich bin froh, dass ich nicht mehr zittern muss, das ist ungut, aber andererseits lebt seine Chance noch“, sagt Mader, sie drücke dem LZ-Kollegen die Daumen.

An einer Reform des Qualisystems wird bereits gearbeitet, an einem eigenen für die Turn-WM aber auch. Koudela: „Turnen ist eine Weltsportart. Im Vergleich zu anderen Nationen sind unsere Bedingungen bescheiden. Um vorne mit dabei zu sein, braucht es schon ein Wunder.“ (sab)

Der Weg der Turner nach Tokio — kein einfaches Szenario

Der Modus — ein Überblick: Insgesamt gibt es 196 Startplätze für den Olympia-Wettkampf im Turnen in Tokio — 98 für Frauen, 98 für Männer. Jeweils 97 werden sportlich vergeben, zwei Plätze gehen an den Veranstalter.
Kriterium 1: Eine Medaille im Teambewerb (vier Teammitglieder) der WM 2018 (3x4 ergibt 12 Plätze pro Geschlecht).
Kriterium 2: Neun weitere Teams der derzeitigen WM 2019 (9x4 ergibt 36 Plätze pro Geschlecht).
Kriterium 3: Mehrkampfergebnis der WM 2019: Die besten 20 Frauen und 12 Männer, die mit keinem Team qualifiziert sind — pro Land maximal 1 Frau und 1 Mann (Elisa Hämmerle schaffte dies, Jasmin Mader auch — sie aber als zweitbeste Österreicherin).
Kriterium 4: Die besten Drei der Gerätefinale (Top 8) der WM 2019, die noch nicht über Kriterien 1, 2 oder 3 qualifiziert sind (max. 12 Frauen und 18 Männer), pro Person 1 Platz, max. 3 pro Land.
Kriterium 5: Die Bestplatzierten pro Gerät (4 Frauen und 6 Männer) der Einzel-Geräte-Weltcupserie 2018 bis 2020, die nicht aktiv turnendes Mitglied eines über K1 und K2 qualifizierten Teams waren (können allerdings aus diesen Ländern kommen) und noch nicht über K3 und K4 qualifiziert sind — insgesamt aber nur einer pro Land.
Kriterium 6: Die drei Bestplatzierten der Weltcupserie im März/April 2020 pro Geschlecht — max. je 1 (ggf. zusätzlicher) Platz pro Land.
Kriterium 7: Die je 2 besten Frauen und Männer im Mehrkampf der fünf Kontinental-Meisterschaften im Mai 2020, die noch nicht über K1 bis K6 qualifiziert sind.
Anmerkung: Ev. ungenützte Quotenplätze aus K4 und K6 werden über zusätzliche Plätze aus K3 vergeben. Es könnte also erst im Mai 2020 feststehen, ob ein WM-Resultat von 2019 zur Olympia-Qualifikation gereicht hat.