Letztes Update am Di, 29.10.2019 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


4 Fragen an

Sportpsychologe Willis: „Aggressionen gab es schon immer“

Die Arbeit mit Spielern, Athleten, Trainern und Eltern zählt zum Metier von Christopher Willis. Der dreifache Familienvater setzt auf Fachwissen und Gespür.

Aggressionen waren im Fußball stets Teil des Spiels - egal ob auf dem Feld oder abseits des Platzes.

© gepaAggressionen waren im Fußball stets Teil des Spiels - egal ob auf dem Feld oder abseits des Platzes.



1.) In letzter Zeit waren auf den heimischen Fußballplätzen, leider oft auch beim Nachwuchs, Aggressionen gegen Schiedsrichter und Gegner nicht nur verbal spürbar.

Christopher Willis: Aggressionen gegenüber Schiedsrichter, Athleten und Gegner hat es leider immer schon gegeben. Auch mit extremen Folgen wie Spielabbrüchen im Fußball, weil Eltern, nach – aus ihrer Sicht unfairen – Schiedsrichterentscheidungen das Spielfeld stürmten. Jedoch zeigen uns Sozialstudien, dass generell die Aggressivität im Vergleich zur Vergangenheit abnimmt.

2.) Das Gewinnen um jeden Preis wird leider auch sehr oft von Trainern und Eltern vorgelebt.

Willis: Auch hier orte ich einen positiven Wandel. Die Trainerausbildung hat sich verbessert und es wird Wert auf eine moderne Trainerphilosophie gelegt. Motivierendes Coaching, die Förderung von Autonomie und Kompetenz bei den jungen Spielern und die Förderung einer wertschätzenden zwischenmenschlichen Beziehung zeichnen gute Nachwuchstrainer aus. Der Großteil der Nachwuchstrainer zeigt diese Qualitäten. Dennoch gibt es manche, die in erster Linie die Nachwuchstabelle gewinnen wollen.

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3.) Eigentlich sollte der Sport zum Miteinander beitragen.

Willis: Dazu trägt der Sport ganz sicher bei. Insbesondere der Fußball ist ein genialer Weg, um verschiedene Bevölkerungsgruppen, Nationalitäten und Gesellschaften zueinanderzubringen und um das Verständnis füreinander zu fördern.

4.) „Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient“, sang schon Udo Jürgens.

Willis: Eine zutreffende Weisheit. Speziell im Nachwuchsbereich ist es entscheidend, dass man lernt, mit Niederlagen umzugehen.

Das Interview führte Alex Gruber