Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.12.2019


Schwimmen

Schwimmer schwitzen, um sich über Wasser zu halten

Wenn heute in Glasgow die Kurzbahn-EM der Schwimmer beginnt, startet mit Robin Grünberger auch ein Bademeister und Saunawart.

Mit Kilt und Kelle: Marco Sonntag und EM-Starter Robin Grünberger heizen als Saunawarte im Freizeitcenter Stubay ein.

© Foto TT/Rudy De MoorMit Kilt und Kelle: Marco Sonntag und EM-Starter Robin Grünberger heizen als Saunawarte im Freizeitcenter Stubay ein.



Von Sabine Hochschwarzer

Fulpmes – Für gewöhnlich schwingen Schwimmer ihre langen Arme an Land lediglich, um sich aufzuwärmen. Nicht so Robin Grünberger und Marco Sonntag: Die Tiroler Rekordhalter im Sprint bzw. über 800 m Kraul kreisen ihre muskulösen Oberköper, um andere zum Schwitzen zu bringen – als Saunawarte und Bademeister im Freizeitcente­r Stubay.

„Irgendwie muss man sich ja finanziell über Wasser halten und es macht mir irrsinnigen Spaß“, sagt Grünberger, der wie Kollege Sonntag 21 Jahre alt ist. Nach Schule (Sport-BORG) und Präsenzdienst kommen die zwei mit ihrer Leidenschaft Schwimmen nun anders schwitzend über die Runden. „Es gibt nur wenige Plätze im Heeressport und vom Schwimmen kann man bei leider nicht leben“, erklärt der Zirler Sonntag. So schwingen sie nur mit Kilt bekleidet in der Panorama-Saun­a das Handtuch – weil sie es im Leistungssport nicht werfen wollen.

Ein seltenes Bild: Grünberger und Sonntag sitzend in der Sauna.
Ein seltenes Bild: Grünberger und Sonntag sitzend in der Sauna.
- Foto TT/Rudy De Moor

„Mein Ziel sind ganz klar die Olympischen Spiele“, sagt TWV-Sprinter Grünberger. Über 50 m Kraul fehlen dem Innsbrucker allerdings noch 0,68 Sekunden auf das OSV-Limit – eine kleine Welt, und dennoch gibt er sich zuversichtlich: „Ich weiß, dass ich es draufhabe.“

Grünbergers andere Maße passen indes längst: Mit 1,97 Metern und Schuhgröße 47 gilt er als Paradesprinter. Das bleibt auch im Schwimmbad in Fulpmes nicht unbemerkt. „Viele der Stammgäste fragen mich, was ich sportlich so mache“, erzählt der Sohn eines Tirolers und einer Kubanerin. „Die sind sehr interessiert. Die meisten wissen leider gar nicht, was wir als Schwimmer täglich so leisten.“ Im Fall von Grünberger, Sonntag und auch ihren Tiroler Trainingskollegen ist es zumindest einmal am Tag ein über rund sechs Kilometer langes Auf und Ab im 25-m-Becken – 240 Längen. „Man gewöhnt sich dran“, sagt Sonntag mit chlorgebleichtem Haar lächelnd.

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Robin Grünberger taucht ab heute in Glasgow auf.
Robin Grünberger taucht ab heute in Glasgow auf.
- gepa

Dennoch müssen die beiden derzeit Abstriche machen. Der Dienst im Schwimmbad lässt nur ein Wassertraining täglich zu, „wir können aber immer die Kraftkammer nützen. Das ist echt spitze“, freut sich Grünberger. Manchmal, gesteht er, schlauche die Arbeit aber schon. Vor allem nach der Abendschicht, die bis 23 Uhr dauert, sei er beim Frühtraining am nächsten Morgen noch müde: „Aber wenn man etwas wirklich will, nimmt man das eben in Kauf.“ Sonntag nickt neben ihm zustimmend.

Für die nächsten zwei Wochen fehlt Grünbergers Name allerdings auf dem Dienstplan: Er startet bei der Kurzbahn-EM in Glasgow – wie auch die weiteren Tiroler Lena Opatril, Xaver Gschwentner (beide SCI/Südstadt), Bernhard Reitshammer (Linz) und Lena Kreundl (Ulster/SUI). Grünberger rutschte als Staffelschwimmer ins Aufgebot, der nun auch über die 50 und 100 m Kraul Einzelstrecken antritt: „Mir taugt es, wieder eine EM zu schwimmen, meine dritte. Ich hoffe, ich kann zeigen, was ich draufhabe.“

Eine Woche danach wartet mit den Staatsmeisterschaften in Graz der nächste Höhe­punkt. Auch einer für SK-Zirl-Schwimmer Sonntag, der nun doch ein Handtuch wirft – jenes des Saunawarts. Er beginnt dieser Tage in der Polizeischule. Etwas gänzlich anderes, um sich über Wasser zu halten ...

Kurzbahn-EM in Glasgow

Österreichs Aufgebot, Damen (9): Gangl (Mödling), Grabowski (Neusiedl), Hufnagl (Graz), Kahler (SVS), Cornelia Pammer (Traun), Pilhatsch (Graz), Sakellaris (Uster). Aus Tirol: Lena Opatril (SCI), Lena Kreundl (Uster); Herren (10): Bayer (Mödling), Dietrich (Steyr), Gigler (Spittal), Miglbauer (Steyr), Rothbauer, Staber (beide SVS), Trampitsch (Steyr). Aus Tirol: Robin Grünberger (TWV), Xaver Gschwentner (SCI), Bernhard Reitshammer (ASV Linz). Programm heute (10.30 Uhr): 100 m Delfin Herren (u. a. Gschwentner), 50 m Brust Damen/ Herren (u.a. Kreundl, Reitshammer, 400 m Lagen Damen, 400 m Kraul Herren, 100 m Rücken Damen, 200 m Rücken Herren, 4x50 m Kraul Herren (u. a. Grünberger, Reitshammer), 800 m Damen; ab 18 Uhr Halbfinale bzw. Finale.