Letztes Update am Fr, 12.09.2014 21:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ötztaler Radmarathon

„Von einem Jahr aufs andere wurde er dann schneller“

Über unerlaubte Leistungssteigerung wird im Hobby- und Ama­teur­rad­sport nicht geredet. Dabei verblüffen die Formkurven mancher Sportler.



Von Florian Madl

Innsbruck – „Ich erinnere mich an einen Rennfahrer, der stets weit hinterher gefahren ist. Der arme Kerl wurde immer etwas belächelt, da es trotz Training und Fleiß wie bei keinem anderen einfach nicht reichte. Von einem Jahr aufs nächste wurde er dann schneller. Massiv schneller. Irgendwann war er ganz vorne mit dabei bei den am stärksten besetzten Rennen.“ Also beginnt Hobby-Radfahrer Christoph Kluge einen seiner Blogs, Zustimmung kommt von allen Seiten. Unerlaubte Leistungssteigerung hat längst den Amateurradsport erreicht. Oder wie es Ernst Lorenzi, Organisationschef des Ötztaler Radmarathons (heuer am 31. August/4000 Starter) meint: „Bei uns geht es nur ums Prestige und einen Teppich mit Steinplatte als Trophäe.“ Lukrativ sei ein Sieg kaum.

Doch das reicht offensichtlich, wie Sportmoderator Othmar Peer, Sprecher bei zahlreichen Radrennen und selbst passionierter Pedalritter, meint: „Ich gehe ja auch nicht blöd durch die Welt. Manche Sportler fahren nur dort, wo nicht getestet wird.“ Doch Dopingtests sind für Veranstalter kleinerer Rennen schlichtweg nicht finanzierbar, zumal sich eine Kontrolle (Urin, vor allem Blut) auf mehrere hundert Euro beläuft. Die Organisation des Ötztaler Radmarathons fragte zuletzt bei der Österreichischen Antidopingkommission an, um Kontrollen im Rahmen des Tourismusklassikers zu ermöglichen. Bis heute habe man, so Lorenzi, keine Antwort erhalten. Und er rechne auch nicht damit, obwohl man angefangen von den erforderlichen Räumlichkeiten alles zur Verfügung stellen würde. Auch er sei überzeugt, dass einige Teilnehmer „was nehmen“ würden, manche allerdings auch ohne Hintergedanken: „Wer etwas gegen eine Verkühlung nimmt, will allein deshalb nicht das Rennen gewinnen.“

Hobbyradler Christoph Kluge weiß um die Brisanz des Themas: „Der Zugang zur unsauberen Leistungssteigerung ist ein leichter, das weiß ich aus Erfahrung, ohne dass ich jemals auf diese Mittel zurückgegriffen habe.“ Sportsprecher Othmar Peer übt sich beim Kommentieren von Leistungen auch deshalb in Zurückhaltung: „Ich muss mir oft als Moderator auf die Zunge beißen.“




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