Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.03.2015


Regionalliga West

„Ein Unbequemer“: Marasek heuert beim FC Kufstein an

Der FC Kufstein entschied sich bei der Besetzung des sportlichen Leiters für einen alten Bekannten. Ex-FC-Tirol-Spieler Stefan Marasek soll künftig seine Erfahrung einbringen.

© schwaighoferFünf Männer für den FC Kufstein als Fußballfestung – der sportliche Leiter Stefan Marasek, Patrick Schönauer, Trainer Stefan Höller, Neuzugang Kris Jogan und Geschäftsführer Friedl Schwaighofer (v. l.).



Von Florian Madl

Kufstein – Stefan Marasek ist „ein Unbequemer“. Das sagt nicht irgendein namenloser Kritiker über den langjährigen FC-Tirol-Spieler und Europacupfinalisten (mit Rapid/1996), das meint er selbst. Im Fußball, philosophierte der 45-Jährige, könnte das durchaus ein Gütesiegel sein. Und dieses will der Niederösterreicher mit all seiner Erfahrung aus 18 Jahren Bundesliga künftig als sportlicher Leiter dem FC Kufstein verpassen.

Warum es den Flügelflitzer a. D. ausgerechnet dorthin verschlug? „Wir müssen uns öffnen und eine Anlaufstelle für junge Spieler aus dem Bezirk sein“, erklärt der Vater zweier Söhne (Daniel/Hall, Lukas/Rapid Amateure). Kein Neuer soll älter als 24 Jahre sein, lautet eine seiner Weisheiten. Als die Augen bei diesen Worten ins Glänzen kommen, nimmt man ihm auch gerne seine Nervosität als sportlicher Leiter einer Regionalliga-Mannschaft ab: „Beim Auftaktspiel in Eugendorf schwitzte ich mehr als vor meinem ersten Bundesliga-Einsatz.“

Wie kann das bei einem sein, der 338 Bundesliga-Spiele (Österreich) und acht weitere in Deutschland absolvierte, dazu elfmal für Österreich auflief? „Ich habe ein großes Kind in mir, das bewahre ich“, grinst der Mann mit dem ostösterreichischen Akzent. Beim Wacker fasste er in der Vergangenheit trotz mehrerer Gespräche niemals in der sportlichen Führungsebene Fuß: „Dort war ich wohl zu unbequem.“ Und dennoch wünscht er sich nichts mehr, als dass sich der einstige Vorzeigeverein wieder in der Bundesliga etabliert. Es sei schließlich nicht mehr der Konkurs, der die missliche Lage erkläre: „Die Pleite ist 13 Jahre her, aber es geht seither immer weiter bergab.“

Mit Kufstein (Budget: 350.000 Euro), einst neben dem FC Wacker und Wattens die dritte Kraft im Land, hat er viel vor. „Ich will eine Entwicklung sehen – und die lässt sich nicht unbedingt an Ergebnissen ablesen.“ Deswegen würde er seinen Trainer Stefan Höller auch niemals an Ergebnissen messen, vielmehr am sportlichen Auftreten. Man wolle am Platz dominant agieren, attraktiven Fußball spielen, die Zuschauer wieder ins Stadion locken. Das sei Vision genug, wie er meint.

Von Aufstiegsszenarien hält auch Geschäftsführer Friedl Schwaighofer wenig: „Wir wollen uns nicht übernehmen, sondern das bleiben, was wir sind: ein Ausbildungsverein.“

Da stimmt er mit Stefan Marasek überein, der demnächst eine Bezirkstour startet, um die Verantwortlichen der Umlandvereine von dieser Philosophie zu überzeugen. Mauern einreißen, nennt er das beim Fotoshooting auf der Dachterrasse eines Hotels. Und mit der imposanten Kufsteiner Festung im Hintergrund gewinnen diese Worte zusätzlich an Kraft.