Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.03.2015


Radsport

Kampfgeist statt Karriereende

Ohne Ergebnis kämpfte Rad-Ass Stefan Denifl monatelang mit Knieschmerzen, nun soll die Rückkehr nahe sein.

© Thomas Boehm / TTIn den Händen von Physiotherapeut Patrick Grassnig fühlt sich Stefan Denifl bestens aufgehoben.



Von Roman Stelzl

Innsbruck – Stefan Denifl wiegt ab, er überlegt, schüttelt den Kopf, denkt nach und zögert. So schwer wie der Stein ist, den Sisyphos jeden Tag auf den Berg schieben muss, so schwer ist auch diese Frage zu beantworten, die sich viel­e Radexperten in Österreich Monat für Monat stellen: Wann, Herr Denifl, geben Sie denn nun Ihr Comeback?

„Ich weiß es nicht“, beginnt der 27-jährige Fulpmer, „Ich dachte schon oft, dass ich bei 99 Prozent bin, und dann wurd­e es doch nichts.“ Die Sachlage ist kompliziert. Denn was für Sisyphos der Stein ist, ist für Denifl eine Sehne unterhalb des rechten Knies. Die ist ein Problem seit der Dauphiné-Rundfahrt im Juni 2014, als der Tiroler wegen einer Entzündung dieser Sehne vom Rad absteigen musste. Die Pause folgte, die Schmerzen blieben – und die Suche nach einem Ausweg begann. Von einem Therapeuten zum nächsten, ein Kniespezialist gab dem nächsten die Klinke in die Hand. Der eine sagte dies, der andere das. Und eine Besserung? Die blieb aus.

„Bis Dezember habe ich viel probiert. Vor Weihnachten bin ich eine Skitour gegangen und habe gleich gemerkt, wie weit ich noch weg bin. Es gab die Möglichkeit einer Operatio­n, aber es hätte extrem lange gedauert, bis ich wieder fit bin“, erzählt Denifl, der im März 2014 als Siebenter der Rundfahrt Paris – Nizz­a kurz zuvor noch sein bestes Resultat erreicht hatte. Die Stimmungskurve zeigte Ende 2014 nach unten, für den Profi des Schweizer Rennstalls IAM stand viel im Raum. Auch Gedanken an ein Karriereende. „Ich wollte unbedingt weiterfahren! Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass nichts mehr geht. Doch meine Motivation ist riesig, sonst hätte ich das alles nicht gemacht“, meint Denifl.

Auf seiner langen Suche kam dann 2015 die ersehnte Wende. Bei Physiotherapeut Patrick Grassnig fand er in Innsbruck Hilfe – und endlich Besserung. „Seit ein paar Monaten geht es bergauf. Jetzt kann ich hoffen, dass ich bald zurück bin.“

Nach fast neun Monaten Abstinenz von den großen Radrundfahrten soll der Kampfgeist die Gedanken an einen Abschied endgültig besiegt haben. Jetzt will Denifl rasch Rennen bestreiten, Erfolge einfahren. „Die Fitness passt, das merke ich bei den Skitouren. Wenn alles klappt, geht der Aufbau jetzt Richtung Sommer. Und die Tour de France ist sicher ein Höhepunkt“, ergänzt Denifl, der dank der World-Tour-Lizenz seines Teams in Frankreich starten könnte. Als letzte Hürde bleibt der Rest an Heilung. Hinter der steht ein kleines Fragezeichen. Denifl: „Was in meinem Knie wirklich los ist, kann mir keiner sagen.“