Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.01.2016


Kitzbühel

Strafverfahren nach dem Formel-1-Rennen auf der Streif

Showrun von Red Bull am Hahnenkamm war offenbar nicht genehmigt, die Bezirkshauptmannschaft leitete ein Verwaltungsstrafverfahren ein.

Formel-1-Fahrer Max Verstappen und Red Bull wurden nach dem Streif-Spektakel von der Bezirkshauptmannschaft disqualifiziert.

© APA/GroderFormel-1-Fahrer Max Verstappen und Red Bull wurden nach dem Streif-Spektakel von der Bezirkshauptmannschaft disqualifiziert.



Von Peter Nindler

Kitzbühel – Während diese Woche die Abfahrtsstars auf der Streif in die Hocke gehen, heulte in der Vorwoche ein Formel-1-Bolide auf der Rennstrecke. Toro-Rosso-Fahrer Max Verstappen drehte auf 1600 Metern Höhe seine Runden im Schnee. Mit dem Formel-1-Showrun wollte Red Bull nicht nur Lust auf den heurigen Formel-1-Grand-Prix im steirischen Spielberg machen, sondern den Geschwindigkeitsrausch in Kitzbühel eröffnen. Doch nach der Zielflagge am Hahnenkamm droht Red Bull jetzt die Disqualifikation.

Nicht, weil Verstappen etwa einen Frühstart hingelegt hatte, sondern weil er offenbar gar nicht aufs Gas steigen hätte dürfen. Denn für den PS-Showrun vor 3500 Besuchern auf der Streif lag keine Genehmigung vor. Jetzt muss Red Bull mit einer Geldstrafe rechnen.

Wie der Kitzbüheler Bezirkshauptmann Michael Berger gegenüber der Tiroler Tageszeitung bestätigt, hätten die Veranstalter nämlich um eine behördliche Genehmigung ansuchen müssen. Und das wäre auch kein Problem gewesen. Warum das aber verabsäumt wurde, darüber scheiden sich jetzt die Geister. Schließlich heißt es in einer vorliegenden Stellungnahme von Red Bull, dass sehr wohl eine Genehmigung vorliege. Letztlich dürften in dieser Frage noch einige Zusatzrunden gedreht werden, denn Red Bull kann im Verwaltungsstrafverfahren seine Sicht der Dinge kundtun.

Für die Behörde stellt sich der Fall allerdings eindeutig dar: Das „Mini-Formel-1-Rennen“ am Berg hätte eine naturschutzrechtliche Bewilligung im Form eines Bescheids benötigt. Für das Fahren mit Fahrzeugen – egal ob mit einem Pkw oder einem Formel-1-Auto – außerhalb von Verkehrsflächen oder eingefriedeter Grundstücke muss zuerst eine mögliche Beeinträchtigung der Natur abgeklärt werden. „Darauf haben wir den Veranstalter hingewiesen. Und auch auf die Folgen, sollte diese Vorgangsweise nicht eingehalten werden“, betont Bezirkshauptmann Berger. Weil alles relativ kurzfristig war, wurde von der Behörde sofort eine naturkundfachliche Stellungnahme eingeholt. Es gab keine Bedenken gegen die Veranstaltung, Red Bull hätte also keine Flügel gebraucht, sondern Verstappen hätte grünes Licht von der BH für den Start bekommen.

Nur: Ein Genehmigungsantrag wurde nie gestellt und die Bezirkshauptmannschaft konnte deshalb auch keinen positiven Bescheid ausstellen. Die Höchststrafe für ein solches Vergehen wäre mit 30.000 Euro saftig, aber Red Bull würde sie wohl aus der Portokasse bezahlen. Sie wird jedoch milde ausfallen, weil die Natur auch ohne Erlaubnis nicht belastet wurde.