Letztes Update am Fr, 12.08.2016 15:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia

Olympia-Gold! Fidschis Rugby-Team verwirklicht Sommermärchen

Die Fidschianer präsentieren sich im Rugby-Finale auf dem Weg zur ersten olympischen Medaille ihrer Geschichte derart überlegen, als hätten sie das Spiel mit dem Ei ganz neu erfunden. Mit ihrem Erfolg bescheren sie ihren Landsleuten einen zusätzlichen Feiertag.

Bei den Fans der Fidschi-Inseln gab es nach dem Gold-Coup kein Halten mehr.

© AFPBei den Fans der Fidschi-Inseln gab es nach dem Gold-Coup kein Halten mehr.



Rio de Janeiro - Wer um 10.00 Uhr Lokalzeit am Freitagmorgen in Fidschi Geld brauchte, hatte Pech. Die Banken schlossen für eine halbe Stunde ihre Pforten. Ans Geld dachte in diesen Minuten aber kaum einer. Etwa 900.000 Leute dürften auf den 106 bewohnten Eilanden der kleinen Inselnation im Südpazifik gebannt vor irgendeinem TV-Gerät gesessen sein.

Briten im Finale deklassiert

Rugby ist in Fidschi Nationalsport - und die Besten des Landes spielten im fernen Brasilien um Olympia-Gold. 30 Minuten später knieten 13 gestandene Männer mit Tränen in den Augen auf einem Podium im Deodoro-Stadium und ließen sich von der britischen Prinzessin Anne Goldmedaillen umhängen. Ohne Niederlage hatten die „fliegenden Fidschianer“ das Finale im Siebener-Rugby erreicht - und da überrollten sie die hoffnungslos überforderten Briten auf eindrucksvolle Art und Weise. Vom ersten Try durch Captain Osea Kolinisau an ging es zweimal zehn Minuten nur in eine Richtung - bis zum Schlussresultat von 43:7.

Den Schritt zum Ausnahmezustand hatte das IOC 2009 eingeleitet, als es Rugby - in der abgespeckten Form mit sieben Spielern statt den klassischen 15 - erstmals nach 92 Jahren wieder ins olympische Programm aufnahm. Eine unschätzbare Chance für kleinere, aber Rugby-begeisterte Länder. Der Weg für Fidschi war aber noch weit.

Die Fidschi-Helden präsentieren stolz ihre Medaillen.
Die Fidschi-Helden präsentieren stolz ihre Medaillen.
- APA/AFP/PHILIPPE LOPEZ

Als der Nationalcoach Ben Ryan, ein rothaariger Engländer, der auf den ersten Blick so gar nicht zu den sonnenverwöhnten Inseln passte, 2013 nach Fidschi kam, fehlte es an Geld, Infrastruktur und Organisation. Die ersten fünf Monate wartete er vergeblich auf seinen Lohn, der Teambus hatte zuweilen kein Benzin und die besten Spieler waren im Ausland engagiert und unabkömmlich.

Geldsammel-Aktion

Ryan aber verzweifelte nicht. Eine Geldsammel-Aktion in der Bevölkerung brachte etwas Linderung der finanziellen Not. Am Können der Spieler fehlte es sowieso nicht, der Coach brachte ihnen nach und nach Disziplin und Organisation bei. Ohne dabei die Stärken zu vernachlässigen. „Er schaffte es, das Flair Fidschis wieder in uns hervorzubringen“, schwärmt Kolinisau.

Fidschi spielt ein ungemein schnelles und attraktives Rugby, stets im Vorwärts-Gang. Trotzdem will Ryan nicht von einem riskanten Spiel sprechen. „Es ist kein Risiko, wenn man keine Fehler macht.“ Und solche machten seine Spieler immer weniger. In den vergangenen zwei Jahren gewann Fidschi die „World Rugby Sevens Series“, die wichtigste Turnierserie dieser Variante des Sports.

Es ist für die Stars auch ein Weg, den Leuten etwas für ihre Unterstützung zurückzuzahlen. Anfang März, nur zwei Wochen, nachdem der Zyklon Winston in Fidschi 44 Todesopfer gefordert hatte, gewannen sie das Turnier in Las Vegas - und widmeten den Sieg den Leuten in der Heimat. Nach Captain Kolinisau werden in Fidschi Babys und Popsongs benannt.

Feiertag als Belohnung

Die Erfolgsserie weckte riesige Erwartungen an die Weltranglistenersten. Darin unterscheidet sich das Sommermärchen Fidschis von dem der Fußballer Islands bei der EM. „Es musste Gold sein“, sagten sie unisono. Obwohl jede Medaille bei der 14. Olympia-Teilnahme des Landes die erste gewesen wäre, zählte nur der Triumph.

In Fidschi dürften sie auch in ein paar Tagen noch feiern, wenn das Team aus Rio zurückkehrt. „Als wir die World Series gewannen, war das gewaltig“, erinnerte sich Kolinisau. „Als wir zuhause ankamen, dauerte die Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt, die normalerweise drei Stunden dauert, zehn Stunden. Überall wollten sich Dorfbewohner bei uns bedanken.“ Diesmal könnte der Weg unendlich dauern.

Premierminister Bainimarama, der alle drei Wettkampftage in Rio unter den Fans und nicht in der VIP-Zone verfolgte, ist derart euphorisiert, dass er gleich einen neuen gesetzlichen Feiertag einführt. „Das ist ein wundervoller Moment in der Geschichte unserer Nation“, erklärte er. Das Datum des neuen Feiertages ist allerdings nicht der 11. August. Der neue Festtag wurde auf den 22. August datiert.