Letztes Update am So, 21.08.2016 11:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia

Beleidigt und empört: Russland stürzte in der Medaillenbilanz ab

Das durch Doping-Sperren stark reduzierte russische Team eroberte in Rio rund 30 Prozent weniger Edelmetall als noch vor vier Jahren in London.

Trainerlegende Jefgeni Trefilow führt die russischen Handballerinnen zur ersten Goldmedaille überhaupt.

© ReutersTrainerlegende Jefgeni Trefilow führt die russischen Handballerinnen zur ersten Goldmedaille überhaupt.



Rio de Janeiro - Präsident Wladimir Putin hat jedem russischen Medaillengewinner der Sommerspiele auf altmodische Art per Telegramm gratuliert. Der Rückhalt aus der Heimat konnte nicht schaden, schließlich hatten die russischen Athleten in Rio de Janeiro einen schweren Stand. Von den Zuschauern wurden sie oft ausgepfiffen und von den Gegnern mit Missachtung gestraft.

Das Team Russia erhielt die Quittung für die schweren Anschuldigungen wegen des systematischen Staatsdopings und stürzte mit verkleinertem Kader hinter dem großen Rivalen USA ab. „Was den Medaillenspiegel anbelangt, war Russland der große Verlierer und das sicher zu Recht“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), mit ein wenig Genugtuung.

Ohne die ausgeschlossenen Leichtathleten und Gewichtheber lag Russland mit seinen 285 Sportlern zwar auf Rang vier, war mit 52 Medaillen (17-17-18) vor den letzten zwölf Entscheidungen am Sonntag jedoch weit von den 79 von London 2012 entfernt.

Verhärtete Fronten

Die Fronten sind verhärtet. Daran konnte auch IOC-Präsident Thomas Bach nichts ändern. Entspannung in der hochbrisanten Causa ist auch für die Zukunft kaum zu erwarten. Das Internationalen Paralympics Komitee (IPC) hat die „Sbornaja“ von den Spielen der Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, der russische Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof wird am Montag verhandelt.

Anti-Doping-Agenturen, unter ihnen auch jene aus Österreich, fordern indes weitere Ermittlungen und Strafen für Russland wie etwa den Ausschluss von den Winterspielen in Pyeongchang 2018. In Moskau reagiert man beleidigt und empört auf solche Forderungen. Sportminister Witali Mutko droht damit, die Zahlungen an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) einzustellen. Und Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa ließ bereits durchblicken, welche Rolle sie zukünftig in der IOC-Athletenkommission spielen wird. „Russland wurde ungerecht behandelt und ich werde alles tun, um so eine Situation in Zukunft zu verhindern. Mit mir wird es so etwas nicht geben, und es darf sich nicht wiederholen“, sagte die 34-Jährige.

Zumindest in der Leichtathletik wird es von den Medaillen-Resultaten in Rio in den nächsten Jahren keine Änderungen wegen russischer Dopingfälle geben, denn nur Darja Klischina war startberechtigt. Die Weitspringerin, die ihren Ausschluss vor dem Obersten Sportgericht abgewendet hatte, wurde aber nur Neunte. Andere Kolleginnen wie Julia Jefimowa machten es besser, auch wenn der Verdacht mitschwamm. Bei ihren Silbermedaillen über 100 und 200 Meter Brust wurde die frühere Dopingsünderin aber mit Pfiffen und Buhrufen bestraft.

In Moskau richten sich indes die Augen bereits auf die nächsten Sportprojekte. Im nächsten Jahr wird in Russland der Confederations Cup mit Weltmeister Deutschland stattfinden. Das Acht-Nationen-Turnier gilt als Testlauf für die WM 2018. (APA)