Letztes Update am So, 02.07.2017 10:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


formel 1

Lauda kritisiert Vettel-Aktion; Expertin spricht von ,,Kräftemessen“

Während einer Safety-Car-Phase hatte Vettel beim Rennen vergangenen Sonntag offenbar mit voller Absicht den Wagen seines Konkurrenten seitlich touchiert.

Vettel fuhr vor Hamilton in Baku ins Ziel.

© APA/AFPVettel fuhr vor Hamilton in Baku ins Ziel.



Wien – Niki Lauda hat vor einer möglichen nachträglichen Sanktion gegen Sebastian Vettel das Verhalten des vierfachen Formel-1-Weltmeisters nach seinem Wut-Rempler von Baku noch einmal scharf kritisiert. „Ich verstehe nicht, dass Sebastian seinen Fehler trotz der eindeutigen Faktenlage nicht erkennt“, sagte der österreichische Teamaufsichtsratschef von Mercedes in einem Interview der Welt am Sonntag.

Vettel war vor einer Woche beim Rennen in Aserbaidschan mit seinem Ferrari absichtlich in den Mercedes von WM-Verfolger Lewis Hamilton gefahren. Er wolle gar nicht von Einsicht sprechen, sondern nur von Vettels Fähigkeit – und er besitze die Intelligenz dafür –, anhand von klaren Fakten einen eindeutigen Sachverhalt zu identifizieren, meinte Lauda.

Wutreaktion des Ferrari-Piloten

Vettel hatte geglaubt, Hamilton wäre in einer Safety-Car-Phase absichtlich auf die Bremse gegangen. Aus Wut darüber war er in der 19. Runde des Rennens absichtlich ans linke Vorderrad des Silberpfeil-Stars gefahren. Vettel hatte dafür im Rennen eine Zehn-Sekunden-Strafe bekommen. „Die Strafe stand in keinem Verhältnis zu seiner unfairen, überzogenen emotionalen Reaktion“, meinte Lauda.

Am Montag findet eine Verhandlung des Automobil-Weltverbands FIA um den Rempler statt. Vettel habe bei der Aktion eindeutiges „Wettkampfverhalten gezeigt, zwei Alphatierchen prallten aufeinander, das war typisches Kräftemessen“, sagte ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

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„Es ging darum, Dominanz zu zeigen und die Rangordnung wiederherzustellen“, konstatierte die Expertin. Dabei sei Vettel die Kontrolle entglitten. Der Deutsche ist bekanntlich in dieser Hinsicht schon mehrmals auffällig geworden. Von einem Formel-1-Piloten sollte man sich mehr erwarten können. Aber er habe versucht, „die Schwächen des anderen auszunützen und ihn zu reizen“.

Keine Fan-Kritik an Vettel

In Interviews gab der Ferrari-Fahrer wiederholt zu Protokoll, Hamilton hätte ein Bremsmanöver durchgeführt. Nach Analyse der Daten teilte die FIA aber mit, dass der Mercedes-Pilot seine Geschwindigkeit nicht wesentlich verringert hatte.

„Fans werden ihm diese Aktion nicht ankreiden“, meinte Seidenberger. Sie würden das auch nicht kritisch hinterfragen. „Gegner wiederum fühlen sich bestätigt.“ Jugendliche jedoch könnten der Meinung sein, „das muss so sein, der ist super und hat damit einen Erfolg eingefahren“, warnte Seidenberger. Für Jugendliche sind „ihre Stars, beispielsweise Sportler, Musiker oder auch YouTube in ihren Handlungen oder dem Verhalten perfekt, da wird nicht viel kritisch hinterfragt“, sagte die Verkehrspsychologin.

An diesem Montag, Vettels 30. Geburtstag, will der Automobil-Weltverband FIA nachträgliche Schritte gegen ihn prüfen. (APA/dpa)