Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.10.2017


DTM

Der Glaube an das Unmögliche

Von Rechenspielen will Tirols DTM-Titelkandidat Lucas Auer (Mercedes) vor dem Hockenheim-Finale am kommenden Wochenende nichts hören.

© imago/HochZweiDer Blick geht in Richtung Hockenheim. Dort will Lucas Auer beim DTM-Finale überzeugen.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Prekär? Oder gar unmöglich? In jedem Fall stehen die Chancen für Österreichs Motorsport-Aushänge­schild Lucas Auer nicht besonders gut vor dem Finale im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) am Hockenheimring am kommenden Wochenende. Der Rückstand auf den Führenden der Gesamtwertung, den Schweden Mattias Ekström (Audi), beträgt 41 Zähler. Den Motivations-Pegel des 23-Jährigen senkt das jedoch nicht.

Um kurz die Theorie zu strapazieren: Zwischen Aue­r und Ekström liegen drei Audi-Piloten (Rast, Green, Rockenfeller) und ein BMW-Pilot (Wittmann). 56 Zähler wären mit einem Doppelsieg inklusive zwei Pole-Positions zu ergattern. Unterm Strich braucht der Unterländer nicht nur Schützenhilfe, sondern muss sogar auf einen Ausfall von Ekström bei einem der beiden Läufe (Samstag, Sonntag) hoffen.

Von alledem will Auer nichts hören. „Ich beteilige mich nicht an irgendwelchen Rechenspielen. Das habe ich die ganze Saison über nicht gemacht. Da gibt es genügend Leute, die sich damit beschäftigen“, erklärte Auer unverblümt. „Was am Ende des Tages herauskommt, wird man dann sehen. Ich will die Gewissheit haben, dass ich beim Finale 100 Prozent herausgeholt habe.“

Trotz der weniger rosigen Aussichten auf den Meister­titel will sich Auer die aktuelle Saison nicht schlechtreden lassen. Drei Saisonsiege sprechen eine deutliche Sprache. Dass mit Matthias Ekström am Sonntag einer Meister werden könnte, der gerade einmal einen Sieg (Spielberg) vorzuweisen hat, zeigt, wie eng heuer alles war. Und wie gnadenlos Audi dem Titel alles unterordnet. Das bekam Jamie Green zu spüren: Der Brite lag bei beiden Spielberg-Rennen in Front. Hätte er beide Male die Führung nach Hause gebracht, würde der 35-Jährige die Wertung anführen. Doch beim ersten rotweißroten Auftritt musste er im Finish Ekström passieren lassen, am Tag danach streikte das Getriebe.

Diese offensichtliche Team-Order des Autobauers mit den Ringen war nicht nur DTM-Boss Gerhard Berger ein Dorn im Auge. Immer wieder wurde unter der Saison reklamiert, wie schädlich so ein offensichtliches „Teamwork“ für die Serie wäre.

Für Auer spielt das keine Rolle. Der Mercedes-Star hat andere Prioritäten: „Ich habe mir meinen derzeitigen Status sehr hart erarbeitet. Mir ist aber bewusst, dass ich – wie man so schön sagt – abliefern muss, um diesen Standard zu halten. Und genau mit dieser Einstellung gehe ich auch nach Hockenheim.“

Die Chancen auf einen Sieg sind nicht aussichtslos. Die Strecke liegt dem Auto mit dem Stern mehr, als das noch bei Auers Heimspiel in der Obersteiermark der Fall war. Darauf kann man aufgrund der Ergebnisse beim Saisonauftakt im Mai schließen. Da holte Auer im ersten DTM-Rennen der Saison gleich 28 Zähler.

Eines steht für Auer außer Frage: Der mögliche Formel-1-Testpilot von Force India 2018 freut sich auf die letzten Ausfahrten der Saison. „Jetzt fallen endlich die Entscheidungen. Es wird noch einmal richtig rundgehen“, strahlt der Tiroler große Vorfreude aus.

Heuer hat sich im PS-Leben des besten Mercedes-Fahrers einiges verändert. Er hat sich in viele Notizblöcke gefahren. Was seine mittel- und langfristige Zukunft im Rennsport betrifft, gibt es (noch) keine genauen Neuigkeiten. Ein weiteres Jahr DTM steht außer Frage; ob es danach für die Königsklasse reicht oder die Alternative Formel E heißt, wird sich 2018 zeigen.