Letztes Update am So, 24.12.2017 09:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportliche Weihnachten

Weihnachten bei Tiroler Sportlern: Von Soßen-Chefs und Jungpapas

Behindertensportler Roman Rabl, Rad-Ass Stefan Denifl, die Judo-Stars Bernadette Graf und Kathrin Unterwurzacher sowie Haie-Coach Rob Pallin erzählten der TT, wie sie Weihnachten feiern.

© RablZwei, die Traditionen hochhalten: Roman Rabl und ÖSV-Teamkollegin Christina Ager mögen es zu Weihnachten besinnlich und treffen sich am 24. Dezember stets auf einen Tee.



Soßen-Chef Rabl genießt die Ruhe

„Wenn ich die Kugeln auf den Baum hänge, fallen die meisten wieder runter!“ Das Aufputzen des Weihnachtsbaums ist nicht gerade die Lieblingsbeschäftigungen von Roman Rabl. Der ÖSV-Behindertenskifahrer genießt dafür die Stunden mit der Familie zuhause in Söll. Mit den Weihnachtsgeschenken am letzten Tag stressen brauche er sich heuer auch nicht. „Die Geschäfte bleiben ja am Sonntag zu.“

Also nutzt der Speed-Spezialist die Zeit, um seiner Lieblings-Nachbarin einen Besuch abzustatten. „Am Nachmittag treffe ich mich immer mit ÖSV-Skifahrerin Christina Ager auf einen Tee.“ Das habe schon Tradition. Abends legt sich der 26-Jährige dann beim Kochen ins Zeug. Auf Wunsch von Mama Anni und Schwester Sandra bereitet Rabl herzhafte Soßen fürs Raclette. „Das kann ich echt gut!“ Nach dem Essen geht es gemütlich in die Kirche. Aber ohne Hast, betont Rabl. Der Kampf um jede Hundertstel kommt bei den Paralympics noch früh genug. (ben)

Ein Zuhause als seltenes Vergnügen

Für Tirols Rad-Star Stefan Denifl war 2017 das erfolgreichste Jahr seiner Karriere – und das hat nicht nur seine gute Seiten. Im November und Dezember wurde der 30-jährige Fulpmer ob seiner Erfolge wie ein Wanderpokal herumgereicht, klapperte Termin um Termin ab – sei es das Trainingslager in Spanien, das Team-Treffen in Irland oder das gesteigerte mediale Interesse. „Wenn du nicht viel erreichst, dann hast du im Oktober und November deine Ruhe. Jetzt ist das um einiges mehr. Aber das nehme ich gerne in Kauf“, meinte Denifl, der sich heuer den Gesamtsieg bei der Österreich-Radrundfahrt sicherte und zudem eine Vuelta-Etappe gewann.

Zeit für die Familie: Im dichten Terminklander findet Rad-Ass Stefan Denifl zu Weihnachten Zeit für seinen Xaver.
- Denifl

Weihnachten sollte da die Zeit zum Abschalten sein – umso mehr, weil der Olympia-Teilnehmer das Fest erstmals als Familienvater feiert. Sohn Xaver ist knapp fünf Monate alt. „Es ist schon etwas ganz besonders, Weihnachten als Vater zu verbringen. Aber richtig schön wird es in ein, zwei Jahren, wenn Xaver dann auch mehr mitbekommt von allem“, erzählt Denifl.

Dabei ist die Zeit mit dem Sohn im derzeit harten Trainingsplan etwas ganz besonderes. Freundin Melanie lebt mit Xaver immer noch im Zillertal – Denifl, in Fulpmes zuhause, versucht seine Zeit so gut es geht mit der Familie zu verbringen. „Es ist wegen den Trainingsbedingungen schwierig zu koordinieren. Aber die Zeit mit Xaver ist mir sehr wichtig.“ Das gilt vor allem an Weihnachten. Dem Fest der Familie. (rost)

Wenig Weihnachtsstimmung bei 35 Grad

„Wir waren in Cairns“, sagen Kathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf unisono. Eine 140.000 Einwohner zählende Stadt in Australien und das Tor zum Great Barrier Reef.

Bernadette Graf und Kathrin Unterwurzacher wurden Down Under auf der Suche nach einem Christbaum fündig.
- Graf

Die beiden Tiroler Judo-Aushängeschilder genossen die Adventzeit nach einer stressigen Saison in Down Under, auch dort gibt es Weihnachtsbäume wie das Foto beweisen soll. „Aber bei 35 Grad kommt nur wenig Weihnachtsstimmung auf“, sagt die Innsbruckerin Unterwurzacher.

Also ging es pünktlich vor Weihnachten wieder zurück ins winterliche Tirol. „Weihnachten in Australien? Nein, das geht gar nicht. Da will ich zuhause bei meiner Familie sein und das lass’ ich mir nicht nehmen“, sagte die Tulferin Graf. Die beiden Kampfsportlerinnen, die das halbe Jahr über auf gepackten Koffern sitzen und gemeinsam quer durch die Welt reisen, schätzen die Zeit daheim.

Zu Weihnachten ist jede für sich: Graf feiert mit ihren Schwestern und den Großeltern in Tulfes, Unterwurzacher mit der Familie in Innsbruck. „Ich habe Kathrin schon mein Geschenk überreicht“, erzählte Graf und wünscht sich, dass Trainingspartnerin Kathrin Unterwurzacher nach ihrem Kreuzbandriss bald wieder „pumperlgund“ ist. (ben)

Die Familie ist das größte Geschenk

Seit dem vergangenen Jahr steht Weihnachten für Rob Pallin, in der Erste Bank Eishockeyliga Headcoach der Innsbrucker Haie, unter einem ganz besonderen Stern. Denn erstmals wurde gemeinsam mit Gattin Dora und Tochter Emily (jetzt 15 Monate alt) gefeiert.

In diesem Jahr sitzt die Familie Pallin in Völs gewissermaßen schon zu viert unterm Baum, weiterer Nachwuchs ist im Anmarsch. Und Anfang Feber soll mit „Lina“ ein weiteres „Dirndl“ das Licht der Welt erblicken.

Haie-Headcoach Rob Pallin genießt vor dem Kamin die kurze Ruhe mit Gattin Dora und Töchterchen Emily.
- Gruber

Der Blick über den Tellerrand ist dem 51-jährigen US-Amerikaner und seiner ungarischen Gattin nicht fremd. Der Sport bringt ja liberale Weltbürger hervor: „Und die Leute rundherum sind für uns in Völs schon zu einer zweiten Familie geworden.“ Mit der Annemarie, die einen Stock drunter wohnt, habe Emily eine Tiroler Oma gefunden. Das Gefühl nach Familie steht an erster Stelle. Weswegen Pallin auch gleich an seine krebskranke Mutter denkt: „Ihre Heilung wäre das größte Weihnachtsgeschenk für mich.“ Da muss man sich über Gaumenfreuden nicht den Kopf zerbrechen.

„Ich hasse den Einkaufsstress“, deckt Dora gemütlich den Tisch. Ins kühle Nass, vielleicht bei Ex-Haie-Präsident Kaltschmid in Seefeld, will man in diesen Tagen auch noch springen: „Emily liebt den Ozean und den Pool“, guckt Pallin mit einem „pretty“-Ruf auf seine Kleine. Mit sanftem Blick aufs eigene Christkind ruht der Kampf um Punkte für ein paar Augenblicke. (lex)