Letztes Update am Do, 02.08.2018 08:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sport Report

Premiere für die Multisport-EM: Europa ermittelt seine Meister

In sieben Sportarten werden nun die Europameisterschaften nahezu zeitgleich ausgetragen. Die „European Championships“ feiern rund um Glasgow ihre Premiere – drei Jahre nach Konkurrent „European Games“.

© European ChampionshipsDas Maskottchen für die Meisterschaften: Seehund Bonnie.



Innsbruck – Es ist eine Premiere. Erstmals veranstalten sieben europäische Sportverbände nahezu zeitgleich und ziemlich ortsnah ihre kontinentalen Titelkämpfe. Die Aufmerksamkeit dafür hielt sich aber bislang in Grenzen.

Vermutlich auch wegen der verwirrenden Begrifflichkeiten. Die Multisport-Europameisterschaften tragen den Titel „European Championships“. Im Unterschied zu den European Games, die 2015 erstmals in Baku ausgetragen wurden – organisiert vom Europäischen Olympischen Komitees (EOC) nach Vorbild der Asienspiele.

Hochklassige Gegenbewegung

Man darf die gemeinschaftlichen Europameisterschaften also durchaus als eine Gegenbewegung sehen. Eine hochklassige, denn in den sieben Sportarten Schwimmen, Radfahren, Rudern, Triathlon, Turnen und Golf sowie der Leichtathletik treten jeweils die kontinentalen Topstars um EM-Gold an.

Begründet war dieses Bündnis ausgerechnet 2015 worden, im Jahr der ersten Olympischen European Games. Zunächst entschlossen sich fünf Sportarten zur Bündelung ihrer EMs. Noch im selben Jahr kamen Turnen und später auch Golf als sechste und siebte Sportart dazu.

Das „Konkurrenzprodukt“ Europaspiele wartete bei seiner Premiere hingegen mit 20 Sportarten auf, darunter 16 olympische, und mit rund 6000 Athleten aus 50 Nationen. In der Olympia-Kernsportart Leichtathletik wurde allerdings nur der Team-Europacup der vierten Kategorie ausgetragen, in den Wasser- und Schwimmbewerben in Baku die U19-Titelträger gekürt. Die einzigen vollwertigen Europameister der Allgemeinen Klasse kürten die Judoka – auch nur, weil die eigentlich für April in Glasgow angesetzt gewesenen Europa-Titelkämpfe wegen Schwierigkeiten mit einem Sponsor abgesagt worden waren.

Zumindest in 12 der 20 Sportarten zählten diese Spiele direkt oder indirekt zur Olympia-Qualifikation. Die Skepsis, vor allem der tonangebenden Verbände wie der Leichtathletik, war von Anfang an da. Man sah ein Gegengewicht zu den längst etablierten und durchaus mit Erfolg durchführbaren Europameisterschaften.

2750 Stunden im TV

Vom nun neuen „Format“ versprechen sich die Veranstalter vor allem höhere Vermarktungserlöse durch stärkere Fernseh-Präsenz. Über die European Broadcasting Union (EBU) sollen insgesamt 2750 Stunden ausgestrahlt werden. An elf Tagen finden in Glasgow und Umgebung 152 Medaillenentscheidungen sowie ein großes Kultur-Festival statt. Die Leichtathletik-EM mit 50 Events um Gold, Silber und Bronze in Berlin geht über eine Woche. Die nächste Auflage der Multisport-EM ist bereits vor ihrer Premiere für Sommer 2022 geplant. Über mögliche Bewerber hielt man sich bislang allerdings noch bedeckt.

Die nächsten Europaspiele sind hingegen schon fixiert. Für 2019 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk erhofft sich das Europäische Olympische Komitee jedenfalls mehr Topstars am Start. Das Konzept hinkt: Von den 21 gelisteten Sportarten, darunter auch nichtolympische wie 3x3 Basketball, Sambo oder Beach-Soccer, haben auch bei den übrigen nicht alle den Status einer Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. (sab)

Europameisterschaften – Sportarten, Bewerbe und Athleten

Turnen (2. - 12. August): 26 Medaillenbewerbe (inkl. Junioren), 600 Athleten, 22 Österreicher (11 Junioren), fünf Tiroler: Jasmin Mader, Kopeinik, Johannes Mairoser, Daniel Zander, Askhab Matiev.

Schwimmen, Open Water, Synchron, Wasserspringen (3. - 12.August):

72 Medaillenbewerbe, 1000 Athleten, 35 Österreicher darunter sechs Tiroler: Bernhard Reitshammer, Xaver Gschwentner, Simon Bucher, Robin Grünberger, Lena Opatril, Lena Kreundl.

Rad – Bahn, Straße, MTB (2. bis 12. August):

30 Medaillenbewerbe, 800 Athleten, 10 Österreicher darunter Kathrin Schweinberger (T).

Rudern (2. bis 5. August):

18 Bewerbe, 600 Athleten, 12 Österreicher.

Leichtathletik (6. - 12. August):

50 Medaillenbewerbe, 1500 Athleten, 16 Österreicher, keine Tiroler.

Golf European Team Championships (7. - 12. August):

3 Medaillenbewerbe, 64 Athleten, zwei Österreicherinnen, darunter Christine Wolf (T).

Triathlon Olympische Distanz (9. - 11. August):

3 Medaillenbewerbe, 160 Athleten, fünf Österreicher, darunter Therese Feuersinger (T); Masters 37 Österreicher, darunter Tamara Schmidt (T).