Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.09.2018


Rad-WM

Tiroler Denifl bei Heim-WM nur Ersatz, Konrad Kapitän

Im Elite-Rennen der Heim-WM startet voraussichtlich kein Tiroler Radprofi. Stefan Denifl (30) wird vom Nationaltrainer nur als zweiter Ersatzmann nominiert.

© gepaStefan Denifl (l.) warb bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen für die Straßenrad-WM in Tirol ...



Von Florian Madl

Innsbruck — In Stefan Denifl bricht dieser Tage eine kleine Radsport-Welt zusammen. Erst vor zwei Wochen hatte sein Team Aqua Blue Sport den sofortigen Rückzug aus dem Profisport bekannt gegeben — unmittelbar vor der Straßenrad-Weltmeisterschaft in Tirol und für den Lokalmatador zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Denifl prägte die WM-Münze.
- innsbruck-tirol2018

„Ich habe daraufhin das Gespräch mit dem Verband gesucht und um eine baldige Entscheidung im Hinblick auf die WM-Nominierung gebeten." Ein Hintergrund: Dem 30-Jährigen würde ein Start bei seiner Suche nach einem neuen Arbeitgeber helfen.

Die Entscheidung folgte prompt — und fiel gegen den Stubaier aus: Im sechsköpfigen WM-Aufgebot, für das am Dienstag Patrick Konrad als Kapitän nominiert wurde, fand Denifl keinen Platz. „Man teilte mir mit, dass ich nur zweiter Ersatzfahrer sein würde. Fände diese WM in Niederösterreich statt, wäre das weniger schmerzhaft." Der nächste Tiefschlag für den bislang vierfachen WM- und einmaligen Olympia-Teilnehmer. Gerade bei Tagesrennen erwies sich der Sieger einer Vuelta-Königs­etappe und der Österreich-Rundfahrt (jeweils 2017) als fixe Größe.

Der Familienvater wollte dem Österreichischen Radsportverband zehn Tage Bedenkzeit einräumen, die am Montag verstrichen. „Jetzt gehe ich an die Öffentlichkeit, denn meinen Fans will ich es selber sagen." Am Dienstag erfolgte schließlich die Aussendung . Und angenehm werde es für ihn die kommenden Wochen wohl auch nicht: „Jeder will sich mit mir über die WM unterhalten, viele Leute wollten mich anfeuern."

Das Statement von Stefan Denifl

Nationaltrainer Franz Hartl hätte seine Nichtnominierung mit fehlenden Resultaten in der laufenden Saison begründet. Und in der Tat: Knieprobleme bremsten Denifl bis zuletzt, ein einstelliges Resultat blieb aus. Und auch bei hochklassigen Rennen konnte sich der Tiroler nur selten beweisen, einzig die Tour de Suisse steht als namhafter Leistungsnachweis zu Buche. Das hatte der für die Aufstellung verantwortliche Hartl schon im Juli kritisch angemerkt: Denifls irisches Team Aqua Blue Sport sei ein zweitklassiges, Renneinladungen in die höchste Radsport-Kategorie erfolgen in diesem Fall zumeist über Wild Cards bzw. Einladungen.

Denifl kann die Entscheidung dennoch nur bedingt nachvollziehen: „Ich weiß, was ich draufhabe, und würde bei der WM ohne Weiteres für Patrick Konrad fahren. Aber so? Da hast du ein schlechtes Jahr und jeder dreht dir den Rücken zu. Man muss bedenken, was ich in den vergangenen zehn, zwölf Jahren für den Radsport in Österreich getan habe." Dass er es als Ersatzfahrer noch ins WM-Team schaffe, hoffe er nicht. „Verletzung oder Krankheit können passieren, aber das wünsche ich keinem."

Zumindest mit einem World-Tour-Team für 2019 spekuliert er noch. „Ich habe alle Rennställe angeschrieben, ein paar zeigen sich interessiert." Seine Zukunft im Radsport sei jedoch ungewiss. Und ohne WM fehlt ihm auch die Werbeplattform.

Konrad mit drei Bora-Kollegen als ÖRV-Kapitän in Heim-WM

Patrick Konrad führt das österreichische Herren-Sextett bei der Rad-WM in Tirol im Straßenrennen am 30. September als Kapitän an. Unterstützt von seinen drei Bora-Teamkollegen Felix Großschartner, Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger sowie Georg Preidler (Groupama) und Michael Gogl (Trek) will der Niederösterreicher einen Spitzenplatz erreichen.
Aus dem vorläufigen Kader nicht nominiert wurden Hermann Pernsteiner, Stefan Denifl und Riccardo Zoidl. Preidler und Matthias Brändle bestreiten wenig überraschend das Einzelzeitfahren am 26. September. Dieses Aufgebot gab der Österreichische Radsport-Verband (ÖRV) am Dienstag bekannt.
Der 26-jährige Konrad habe sich die Führungsrolle im enorm schwierigen Straßenrennen mit 258,5 km Länge und 4.670 Höhenmetern durch den siebenten Gesamtrang beim Giro d'Italia sowie weiteren Spitzenrängen bei World-Tour-Rennen in der zweiten Saisonhälfte verdient. "Er hat dies mit dem Sieg im Bergklassement der Polen-Rundfahrt, bei der Deutschland-Tour mit Rang 15 im Gesamtklassement trotz eines Sturzes und den schweren Rennen in Quebec (5.) und Montreal (9.) eindrucksvoll bewiesen", erläuterte ÖRV-Nationaltrainer Franz Hartl.