Letztes Update am Do, 06.12.2018 09:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportpolitik

Sportförderung: Weg von der Gießkanne, hin zum Gartenschlauch

Die kürzlich präsentierte Strategie Austria soll den heimischen Sport künftig gezielt fördern. Alle bekommen ein Stück vom Kuchen, manche ein größeres.

© gepa, Montage: TT.comDie Sportförderung geht weg vom Gießkannenprinzip.



Von Florian Madl

Innsbruck – Sport Strategie Austria. Die jüngste Präsentation derselben klang, als würde Heinz-Christian Strache demnächst die heimische Sportwelt aus den Angeln heben. Hat er binnen eines Jahres als Sportminister auf alle Fragen eine Antwort gefunden? Etwa die, wie Österreich nach den Olympischen Sommerspielen 2012 in London (keine Medaille) und 2016 in Rio de Janeiro zu Erfolgen kommen kann?

Ein ehemals talentierter Fußballer wie Strache will „ein Comeback der Goldschmiede Österreich einleiten“ und wird von Ex-Sportlern wie Armin Assinger begleitet. Es geht ihm um ein Abschlanken der Struktur, um bessere Abrechnungsmodalitäten für Sportler, steuerliche Erleichterungen und personelle Neubesetzungen weg von alten Funktionärsriegen.

Die Dachverbände griff der Sportminister nicht an, in der Bundessportorganisation, in Person des ehemaligen SPÖ-Sozialministers Rudolf Hunds­torfer (BSO-Präsident), weiß Strache sogar an einen Verbündeten an seiner Seite. Der meint: „Wir freuen uns darüber, dass wir vom Vizekanzler bei der Frage der besseren sozialen Absicherung für Spitzensportlerinnen und -sportler, aber auch Trainerinnen und Trainer Unterstützung bekommen.“

Doch die Sport Strategie Austria reicht über diesen Bereich hinaus, selbst In­frastruktur oder tägliche Turnstunde werden ins Auge gefasst. Und so nebenbei erweisen sich Strache und sein Kabinett als Aufräumer, indem Fördernehmer auf ihre Pflichten hingewiesen werden und Fehlverhalten zu Sanktionen führt. Selbst ein eingesessenes Trainingsinstitut wird auf den Kopf gestellt – und siehe da: Auch hier findet sich etwas, das nicht dem Erfolg, sondern dem Vorteil eines Verantwortlichen dient.

„Jetzt können wir, die politischen Verantwortungsträger, an die Arbeit gehen“, erklärte Strache selbstbewusst. Und dabei erhebt sich die Frage, was seinen zu Amtsbeginn ebenso ambitionierten Vorgängern entgangen sein könnte. Der Sportminister sieht sich mit seiner Strategie Austria als eine Art Teamchef: Besonders die Besten will er im Auge haben, diese gezielt fördern und nicht wie früher im Gießkannenprinzip. Motto: Wenn jeder was bekommt, kann keiner laut klagen. Strache packt den Gartenschlauch aus, um vor allem im Sommersport keimende Pflanzen zu gießen.

Wichtige Fragen zur neuen Förder-Strategie

Wer arbeitete am Konzept?

In sieben Arbeitsgruppen mit 200 (!) Experten wurde eine „Sport Strategie Austria“ erarbeitet. Damit will man „ein Comeback der Goldschmiede Österreich einleiten“, wie Sportminister Heinz-Christian Strache erklärte. Darin Involvierte wie Langlauf-Weltmeister Alois Stadl­ober, Wolfgang Konrad (Veranstalter des Wien-Marathons), Ex-Speer­werfer Gregor Hög­ler oder Ex-Skistar Petra Kronberger (Bild) befassten sich dabei vom Leistungssport angefangen über Breitensport, Rahmenbedingungen für den heimischen Sport, Infrastruktur, Veranstaltungen, Wissenschaft im Sport, Bildungssystem Sport bis hin zu Sport und Gesellschaft mit allerhand.

Wo will man hin?

„In Zukunft gibt es keine Ausreden mehr für mich“, erklärte Sportminister Strache (Bild) bei der Präsentation. Am Ende des Prozesses soll ein Sportsystem stehen, „das Sport-Talente erkennt, fördert und betreut, dem Breiten- oder Leistungssportler jene professionelle Infrastruktur und modernen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt, die sie brauchen, um zu siegen. Ein Sportsystem, das Erfolg nicht länger dem Zufall überlassen will.“ Ergebnisse will man bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris sehen, für Tokio 2020 werde man unterstützend tätig sein. Straches selbstbewusstes Credo: „Wir haben die Mängel im Sport erkannt.“

Woher kommt das Geld?

Eine Bundes-Sport GmbH soll künftig die gesamte Förderung an Sportorganisationen abwickeln, rund 90 Millionen Euro fließen dann jährlich nur noch durch einen Kanal. Die Verteilung von 80 Mio. Euro an Fach- und Dachverbände, generiert aus dem Glücksspielgesetz, ist vorgegeben. 33,5 Mio. für Spitzensport, 25,56 für Breitensport, 14,96 Mio. für den ÖFB (im Bild Präsident Leo Windtner), das ÖOC erhält 2,21 Mio. Weiteres Potenzial: Im Bereich der Sport-Onlinewetten, die Steuerreform 2020 soll zudem Erleichterung für Vereine schaffen oder die Absetzbarkeit von Spenden ermöglichen. Ein Thema: das Berufssportgesetz für Sportler/Trainer.

Was ist mit Sportstätten?

Ein Sportstätten-Masterplan, der seit zwei Jahrzehnten immer wieder angekündigt worden ist, steht wieder ganz oben auf der Agenda. Ein Thema bleibt die überdachte 50-m-Bahn im Westen Österreichs, die am Innsbrucker Tivoli-Areal entstehen soll. Das Projekt wurde vor zwei Jahren mit 30 Millionen Euro kalkuliert, fünf bis sechs Millionen würden einer ersten Begutachtung zufolge vom Bund beigesteuert. Bürgermeister Georg Willi (Bild) soll u. a. zu diesem Zweck im Jänner mit Vertretern des Sportministeriums zusammentreffen. Von der Infrastruktur hängt auch ein weiterer Wunsch ab: So soll die tägliche Turnstunde in allen Pflichtschulen kommen, was laut Strache 55 Millionen Euro kostet.

Wo liegen die Probleme?

Sport ist in Österreich Ländersache, was die Umsetzbarkeit so mancher Vorstellungen in Frage stellt. Bis zur Landessportkonferenz im Herbst 2019 will das Ministerium aber „die Strategievorschläge in praktische, operative Vorgehensweisen“ gießen, um dann eine Vereinbarung zur Umsetzung samt Zeitplan zu treffen. Keine Garantie gibt es für die politische Verantwortung der Sport Strategie Austria. In den vergangenen Jahren wechselten die Protagonisten (seit 2007 Lopatka/ÖVP, Darabos/Bild, Klug, Doskozil/alle SPÖ, Kunasek, Strache/beide FPÖ), das verhinderte einen kontinuierlichen Aufbau. Der Plan orientiert sich an den Olympiaden, dem vierjährigen Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen.