Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Motorsport

Berger: „In der DTM kann Luggi später auch noch fahren“

Formel-1-Legende Gerhard Berger sieht den Wechsel von Lucas Auer in das Red-Bull-Lager durchwegs positiv. Der Gradmesser heißt Dan Ticktum.

© Red Bull Content PoolÖsterreichs aktuell stärkster Motorsportler, der 24-jährige Lucas Auer, hat heuer den silbernen gegen den dunkelblauen Rennoverall mit dem roten Stier darauf getauscht.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Dass seine Rennserie, das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM), einen der schnellsten Piloten im Feld verloren hat, sieht Boss Gerhard Berger recht nüchtern: „In dem Punkt sehe ich es mit den Augen des Onkels. Er muss diese Chance im Formel-Sport nützen. In der DTM kann Luggi später auch noch fahren.“ Die ersten Testzeiten bestätigen das Können des 24-Jährigen.

Vier Jahre hatte Auer nicht mehr in einem Formel-Auto Platz genommen. Und trotzdem waren die Zeiten auf Anhieb im Bereich von Dan Ticktum. Ein wichtiges Detail, denn der Brite gilt als direkter Konkurrent. Ticktum hat sich heuer in der Formel 3 nur Mick Schumacher (GER) geschlagen geben müssen – zusammen mit Auer wurde er in das Red-Bull-Nachwuchsprogramm aufgenommen. Und der 19-Jährige wird von niemand Geringerem als Helmut Mark­o (Red-Bull-Motorsportkonsulent) sehr geschätzt.

Der Doktor begründete die Verpflichtung des Tirolers mit den Worten: „Wir wollen Auers Karriere in Schwung halten.“ Auf Almosen braucht im Motorsport aber keiner zu hoffen. Hätte Auer nicht die nötige Qualität, wäre der Sprung zum Team mit dem roten Stier nicht möglich gewesen. Marko hatte schon vor Jahren klargestellt, dass es beim Förderprogramm um Talent und Geschwindigkeit und nicht um rotweißrote Wurzeln gehe.

Aufhorchen ließ Onkel Berger gestern mit einer anderen Aussage: „Es hätte eine gute Chance auf die Formel 1 gegeben. Leider haben Lucas die nötigen Punkte für die Super-Lizenz gefehlt.“ Toro Rosso, das Team des Tiroler Teamchefs Franz Tost, hatte nach der Beförderung von Pierre Gasly (FRA) zum Bruderteam Red Bull lange nach Nachfolgern gesucht. Mit dem Russen Daniil Kwjat und dem britisch-thailändischen Piloten Alexander Albon hat man zwei ehemalige Red-Bull-Youngster reaktiviert.

Auer selbst zeigte sich gestern nach den ersten Testrunden in Suzuka zufrieden: „Es ist eine sehr spannende Zeit und ich fühle mich auf einem guten Weg. Man darf ja nicht vergessen, dass ich vier Jahre nicht mehr in einem Formel-Boliden gesessen bin. Das wird etwas Zeit benötigen.“

Apropos Zeit – die wird Auer auch noch in einer zusätzlichen anderen PS-Serie im Raum Asien verbringen. Damit es mit den Punkten für die Super-Lizenz in jedem Fall klappt und sich die Türe zum Kindheitstraum Formel 1 endgültig öffnet. Für diesen Traum hat Österreichs augenblicklich größtes Talent sogar auf jede Menge Geld verzichtet. Denn die drei DTM-Teams (Aston Martin, Audi, BMW) hätten den Jungstar gerne in ihren Teamfarben gesehen.