Letztes Update am Do, 13.12.2018 16:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Darts-WM

Die Darts-WM 2018: Wenn die Welt eine Scheibe ist

Ab heute (20 Uhr, Sport1, DAZN) dreht sich nicht nur in London wieder alles um die kleine schwarze Scheibe: Bei der heurigen Darts-WM kämpfen 94 Männer und zwei Frauen um 2,8 Millionen Euro Preisgeld.

Jedes Jahr aufs Neue erzeugt die Darts-WM im Londoner Alexandra Palace Gänsehaut-Stimmung: Stars wie Favorit Michael van Gerwen (NED) geben sich volksnah.

© imago sportfotodienstJedes Jahr aufs Neue erzeugt die Darts-WM im Londoner Alexandra Palace Gänsehaut-Stimmung: Stars wie Favorit Michael van Gerwen (NED) geben sich volksnah.



Von Daniel Suckert

Innsbruck, London – Das Spiel mit den Wurfpfeilen ist längst keine Randsportart mehr. Satte 2,8 Millionen Euro an Preisgeldern werden während der dreiwöchigen Weltmeisterschaft (Finale 1. Jänner) im Londoner Alexandra Palace ausgespielt. Der Sieger darf sich über eine halbe Million Euro freuen. Wer nach der ersten Runde die Segel streicht, dem werden immerhin noch 8500 Euro aufs Konto überwiesen. Das Spektakel im Überblick:

Michael Jackson: Vor 29 Jahren kam der Film „Moonwalker“ mit dem „King of Pop“ Michael Jackson in die Kinos und ein gewisser Michail Gorbatschow lenkte die politischen Geschicke in der damaligen Sowjetunio­n. Und im Darts stand ein gewisser Phil Taylor erstmals im Mittelpunkt. Unglaublich, aber wahr: Die heute startend­e Darts-WM in London wird erstmals seit 1989 ohne den 58-jährigen Superstar über die Bühne gehen.

Der 16-fache Weltmeister hat seine Karriere im Vorjahr beendet. Bei seinem letzten London-Auftritt kam die Legende bis ins Finale. Erst im Endspiel musste sich „The Power“ seinem britischen Landsmann Rob Cross geschlagen geben.

Taylor ist nicht nur der erfolgreichste Profi aller Zeiten, der Engländer hat den Präzisionssport dahin gebracht, wo er heute steht: auf die großen Bühnen in Europa.

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Zahlenspiele: Die magische „180“ ist das Maximum, welches die Profis rund um Michael van Gerwen und Co. werfen können. Es gibt aber noch andere interessante Zahlenspiele: Bei der letztjährigen WM kamen über 80 Dartscheiben zum Einsatz, die von insgesamt 38.555 Pfeilen durchlöchert wurden.

Die „180“-Schilder sind unter den Fans ein Muss. Beim weltweit größten Turnier wurden 2017 gleich 68.000 unter dem lautstarken Anhang verteilt. Apropos Fans – die feuchtfröhliche Gesellschaft hat natürlich nur ein Nationalgetränk: das englische Pint. Im letzten Jahr gingen über 500.000 Gläser des englischen Biers über die Theke.

Schlangenbiss: So kultig die Veranstaltung, so kultig die Spitznamen der Hauptdarsteller. Der schrillste Paradiesvogel heißt Peter Wright und trägt einen Irokesenschnitt. Sein Spitzname? „Snake­bite“. Österreichs Vertreter, Mensur Suljovic, wird „The Gentle“ („Der Sanfte“) genannt – Top-Favorit Michael van Gerwen „Mighty Mike“.

Österreichs Darts-Aushängeschild Mensur Suljovic gab sich im Vorfeld angriffslustig, will erstmals bei der WM ins Viertelfinale.
Österreichs Darts-Aushängeschild Mensur Suljovic gab sich im Vorfeld angriffslustig, will erstmals bei der WM ins Viertelfinale.
- APA

No woman, no cry: Ähnlich wie in der Formel 1 waren die „Walk-on-Girls“ seit Jahren fixer Bestandteil der Szene. Und wie im teuersten Kreisverkehr der Welt sind die attraktiven Damen nun Geschichte. Anfang des Jahres beschloss der Welt-Darts-Verband PDC (Professional Darts Corporation), die Damen, die die Stars auf die Bühne begleiteten, nicht mehr auftreten zu lassen.

Der Hintergrund ist derselb­e wie jener bei der größten und schnellsten Rennserie der Welt: die hitzig geführt­e öffentliche Debatte um Gleichberechtigung und Sexismus gegenüber Frauen.

Erfreulicherweise werden zum ersten Mal in der Darts-Geschichte mit Lisa Ashton und Anastasia Dobromyslova gleich zwei Damen am Start stehen. Die Engländerin Ashton gilt als erfolgreichste Spielerin aller Zeiten, in den Jahren 2014/15/17/18 gewann sie die Frauen-Weltmeisterschaft.

Die Russin Dobromyslov­a hat ebenfalls bereits drei WM-Pokale (2008/12/13) in ihrer Glasvitrine stehen. Zusätzlich warf Dobromyslova schon vor elf Jahren einmal mit ihren männlichen Konkurrenten um die Wette. Mit einer Wildcard war die 34-Jährige für die WM qualifiziert, scheiterte allerdings gleich in der ersten Runde.

Stream oder TV: Auch für den Privatsender Sport 1 stellt das Event den Höhepunkt des Jahres dar. Kein Wunder, sitzen doch beim Finale am Neujahrstag im Schnitt 2,15 Millionen Zuschauer vor den TV-Bildschirmen. Der Sparten­sender überträgt die Titelkämpfe aus dem Londoner Alexandra Palace, kurz Ally Pally, schon seit dem Jahre 2004. Der Streaming­dienst DAZN hingegen berichtete heuer erst zum zweiten Mal live aus der britischen Hauptstadt.