Letztes Update am Do, 03.01.2019 12:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Motorsport

Michael Schumacher wird 50: Geliebt, gehasst, vergöttert!

Michael Schumacher wird heute 50, nach seinem Skiunfall verschwand der Deutsche jedoch von der Bildfläche.Der siebenfache Weltmeister hob die Formel 1 in 18 Saisonen mit seiner Popularität auf ein neues PS-Level.

Bei Ferrari (mit dem damaligen Teamchef Jean Todt, l.) feierte Michael Schumacher seine größten Erfolge, die bis heute unerreicht sind.

© imagoBei Ferrari (mit dem damaligen Teamchef Jean Todt, l.) feierte Michael Schumacher seine größten Erfolge, die bis heute unerreicht sind.



Von Daniel Suckert

Innsbruck — „Wie geht es Michae­l Schumacher?" Eine Frage, die seit einem Skiunfall (Schädel-Hirn-Trauma) vor mittlerweile fünf Jahren gestellt wird und die nur ganz wenige beantworten können. Toto Wolff, seines Zeichens erfolgreicher Mercedes-Motorsportchef, sagte vor einem Jahr stellvertretend: „Ich weiß nur das, was in den Medien steht. Die Familie bewahrt sich ihre Privatsphäre und das sollten wir alle respektieren." Schumachers heutiger 50. Geburtstag bedeutet Anlass genug, Höhen und Tiefen seiner einzigartigen PS-Karriere zu beleuchten.

Das Spiel mit den Pedalen: Beschäftigt man sich mit dem Phänomen Michael Schumacher, muss man unweigerlich Ayrton Senna erwähnen. Der Brasilianer war die Vorstufe des Deutschen. Das betrifft die Fahrweise auf der Strecke, die Vermarktung abseits des Asphalts und das endet mit der unermüdlichen Arbeit an der eigenen Fitness. Senna war der Erste, Schumi perfektionierte alles. 45 Minuten locker laufen konnte er nicht, das Knie und der Rücken spielten da nicht mit. Effizientes Training — so hieß das Zauberwort des 91-fachen Formel-1-Siegers. Brustschwimmen, Gewichte stemmen und jegliche Form der Bewegung standen auf dem Trainingsplan.

Im Cockpit sprach er gerne von einer Art „Flow-Zustand", wenn es eben nur noch den einen fließenden Rhythmus gibt. Schumacher beschrieb das einmal so: „Da sehe ich nur noch die Ideallinie, ein schwarzes Band, das sich vor mir windet."

In den Kurven bremste keiner so spät wie „Schumi", keiner ging auch wieder so früh aufs Gas wie er. Der siebenfache Champion orientierte sich immer an der langsamsten Stelle einer Kurve und spielte sich in der Kurve zugleich mit dem Gas- und Bremspedal. Das brachte einen Geschwindigkeitsvorteil von bis zu 25 km/h.

Die aggressiven Setups beeindruckten auch den Tiroler Gerhard Berger, der nach dem Wechsel von Ferrari zu Benetton (1996) das Weltmeister-Auto erbte und gleich zwei heftige Abflüge erlebte: „War da eine Bodenwelle, brach das Auto sofort aus. Da wusste ich: Wer dieses Auto im Grenzbereich so im Griff hatte, der musste absolute Extraklasse sein."

Langjährige Weggefährten und Konkurrenten: Tirols Formel-1-Legende Gerhard Berger (l.) mit Michael Schumacher.
Langjährige Weggefährten und Konkurrenten: Tirols Formel-1-Legende Gerhard Berger (l.) mit Michael Schumacher.
- imago sportfotodienst

Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten: Sieben WM-Kronen und 91 Siege sprechen eine deutliche Sprache. Da waren aber auch weniger schöne Kapitel, die ihm über die Jahre den Spitznamen „Schummel-Schumi" einbrachten. Der doppelte Unterboden, die illegale Traktionskontrolle (beides bei Benetton) oder der Rammstoß im WM-Finale im Ferrari gegen den Kanadier Jacques Villeneuve (Williams) — alles Dinge, die dem Rekordweltmeister Feinde einbrachten. Sein einstiger finnischer Benetton-Teamkollege JJ Lehto erklärte einmal: „Michael hat Knöpfe am Lenkrad, die habe ich gar nicht."

Was seine Kritiker als noch schlimmer empfanden, war jedoch die fehlende Einsicht des Superstars. Etwa als er 2006 in Monaco seinen roten Boliden in der Rascasse-Kurve „parkte", während sein damaliger WM-Konkurrent Fernando Alonso (ESP) seine letzte schnelle Qualifikationsrunde abspulen wollte.

Ein Solist als Teamplayer: Die Teamkollegen hatten es schwer, sie kamen nie gegen die Nummer eins im Team auf und fristeten ein „Wasserträger"-Dasein. Der deutsche Ausnahmefahrer schaffte es wie kein anderer, die Mannschaft um sich zu formieren. Der Solist wusste: Nur mit der Unterstützung aller konnte er solche Erfolge feiern. Als Schumacher 1991 zu Benetton kam, erinnerte sich der damalige Mechaniker Jonathan Wheatley: „Er hat sich gleich mit den Jungs im Team angefreundet, hat jeden mit Handschlag begrüßt und interessierte sich von Beginn an auch für unsere Familien zuhause."

Gestatten, Mick Schumacher: Die größte Expansion erlebte die Formel 1 in den Schumacher-Jahren. Waren es in den Benetton-Zeiten (1991—95) lediglich die deutschen Fans, die ihrem „Schumi" überallhin folgten, explodierte die Begeisterung nach dem Wechsel zur Scuderia (1996) weltweit. Neben „Mister Basketball" Michael Jordan war es der deutsche Pilot, der stets aus den Top drei der Bestverdiener unter den Sportlern lächelte. Ein Global Player eben.

Ein Hype, den kein Sebastian Vettel und schon gar nicht Nico Rosberg jemals wiederholen konnten. Aber es gibt da einen, der die großen Fußstapfen ausfüllen könnte: Mick Schumacher. Der 19-jährige Sohn des Superstars hat mit seinem heurigen Formel-3-Titel die Träume der deutschen Fans auf die Überholspur übersetzen lassen. Man spricht wieder von einem Schumacher in der Königsklasse. Dass ausgerechnet sein Vater den möglichen Aufstieg nicht mehr hautnah miterleben könnte, stellt den traurigen Schlusspunkt der Geschichte dar.

Steckbrief Schumacher

Erster F1-Start: Belgien 1991.

Letzter F1-Start:

Brasilien 2012.

Teams:

Jordan (1991), Benetton (1991–95), Ferrari (1996–06), Mercedes (2010–12).

Weltmeistertitel (7):

1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004.

Starts: 307; Siege: 91; Pole-Positions: 68; WM-Punkte: 1566.

Ferrari widmet Schumacher zum 50. Geburtstag in Maranello eine Sonderausstellung.