Letztes Update am Mo, 04.03.2019 13:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Doping-Skandal

Doping-Geständnis von Preidler: „Fühle mich nicht als Verbrecher“

Radprofi Georg Preidler ist der nächste österreichische Spitzensportler, der im Zuge der Enthüllungen um das Netzwerk eines deutschen Mediziners Blutdoping gestanden hat. Er fühle sich als Betrüger, aber nicht als Verbrecher.

Georg Preidler landete beim Einzelzeitfahren bei der Heim-WM in Tirol auf Platz 36.

© gepaGeorg Preidler landete beim Einzelzeitfahren bei der Heim-WM in Tirol auf Platz 36.



Innsbruck – Nach dem Tiroler Stefan Denifl erschüttert der nächste prominente Dopingfall den heimischen Radsport. Im Zuge des jüngst ausgehobenen Netzwerkes erstattete der Steirer Georg Preidler Selbstanzeige. Der Grazer wurde im Vorjahr österreichischer Meister im Einzelzeitfahren und gewann eine Etappe bei der Polen-Rundfahrt. Bei der Heim-WM in Tirol im September belegte der 28-Jährige Platz 36 im Zeitfahren.

„In den vergangenen Tagen ist in den Medien so viel über Blutdoping berichtet worden und jeder weiß, was man da macht und was passiert. Ich kann nur sagen, mit dem Wissen des Betrugs im Hinterkopf zu leben, ist die Hölle. Ich weiß nicht, wie das andere aushalten. Ich muss nun an die Öffentlichkeit gehen. Ich habe das nicht mehr ausgehalten“, sagte Preidler im Interview mit der Kleinen Zeitung, das unter dem Titel „Das Geständnis“ erschien.

Ich kann nur sagen, mit dem Wissen des Betrugs im Hinterkopf zu leben, ist die Hölle. Ich weiß nicht, wie das andere aushalten.“
Georg Preidler, Radprofi

Er sei von dem Zirkel um den deutschen Sportmediziner angesprochen worden und habe sich vor kurzem Blut abnehmen, aber nie rückführen lassen. Der 28-Jährige fühlt sich als Betrüger, jedoch nicht als Krimineller. „Ja. Ich hatte betrügerische Absichten oder Gedanken. Ich fühle mich aber nicht als Verbrecher“, sagte Preidler. Seine bisherigen Leistungen wie ein dritter Etappenplatz beim Giro d‘Italia 2016 seien alle sauber zustande gekommen, behauptete der für das französische Spitzenteam Groupama-FDJ fahrende Profi.

„Irgendwann fällt die Hemmschwelle weg“

Wann die Hemmschwelle, Blutdoping zu betreiben, bei ihm gefallen sei, wollte Preidler nicht angeben. „Dazu kann ich noch nichts sagen, weil alles mit der Staatsanwaltschaft im Laufen ist. Aber sie ist erst vor kurzem gefallen. Nach langem Überlegen habe ich mich zu diesem Riesenfehler und dieser Dummheit entschlossen.“ Im Profizirkus höre man, dass ohnehin viele dopen. „Irgendwann fällt die Hemmschwelle weg.“ Sein Umfeld habe nichts gewusst, er habe alleine gehandelt, erklärte Preidler. Außerdem gab der mehrfache Staatsmeister an, er kenne keine weiteren Kunden des Netzwerkes. „Ich kenne keine Namen.“

Durch die Ermittlungen im Rahmen der „Operation Aderlass“ hatten die Behörden gemeinsam mit deutschen Kollegen bei Razzien während der Nordischen Ski-WM in Seefeld sowie in Deutschland fünf Athleten, einen Sportmediziner und dessen Komplizen festgenommen – darunter auch die beiden ÖSV-Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf. Denifl war am Freitag von der Staatsanwaltschaft befragt worden. Alle Sportler befinden sich mittlerweile auf freiem Fuß. Ihnen drohen strafrechtliche Verfahren wegen Sportbetrugs sowie Suspendierungen durch die Anti-Doping-Behörde NADA. (TT.com)

Radteam bedauert Fehler von Preidler

Georg Preidler informierte am Sonntag auch seinen Arbeitgeber, das französische Rad-Team Groupama-FDJ, über seine Selbstanzeige und die Verwicklung in den Dopingskandal um den deutschen Arzt Mark S. In der Stellungnahme zu dem Fall schrieb der Rennstall am Montag, dass Preidler erklärt habe, er habe sich am Jahresende 2018 zweimal Blut abnehmen lassen.

Der Anfang 2018 zu diesem WorldTour-Team gewechselte Steirer hat laut der Stellungnahme am Sonntag „über seinen sofortigen Rücktritt wegen der unentschuldbaren Verwicklung in die ‚Seefeld-Affäre‘ informiert“. Der Rennstall teilte mit, dieser schwerwiegende Fall stünde im völligen Gegensatz zu den ethischen Prinzipien des Rennstalls und seiner Sponsoren.

„Groupama-FDJ bedauert diesen individuellen Fehler zutiefst, und arbeitet mit allen Instanzen zusammen“, hieß es in dem Statement. Das Team habe u.a. den Weltverband UCI und den Zusammenschluss der Teams für einen sauberen Radsport informiert.