Letztes Update am Do, 11.04.2019 21:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ringen

Dieses Silber glänzt wie Gold: Martina Kuenz in Bukarest Zweite

Der Erfolgslauf von Martina Kuenz geht weiter: Nach EM- und WM-Bronze im Vorjahr kürte sich die Tiroler Ausnahmeringerin am Donnerstag zur Vize-Europameisterin. Kurz durfte sie sogar von Gold träumen.

Martina Kuenz kämpfte sich bei der Ringer-EM bis ins Finale vor.

© Andi SchaadMartina Kuenz kämpfte sich bei der Ringer-EM bis ins Finale vor.



Von Benjamin Kiechl

Bukarest – Wie eine Gladiatorin betrat sie die Matte. Fokussiert starrte sie ihre Gegnerin an. Martina Kuenz wollte am Donnerstagabend im Finalkampf bei der Ringer-Europameisterschaft in Bukarest (ROM) am liebsten alles zerreißen und die Goldmedaille holen. In einem taktischen Kampf gegen die Vizeweltmeisterin Yasemin Adar (TUR) musste sich die 24-jährige Tirolerin letztlich mit 1:6 geschlagen geben. Die routinierte Kämpferin vom Bosporus holte ihren bereits vierten Europameistertitel.

Kuenz durfte sich mit EM-Silber und dem größten Erfolg ihrer noch jungen Karrier­e trösten. „Im Moment bin ich noch enttäuscht, aber die Silbermedaille hat für mich einen hohen Stellenwert“, sagt­e die ehrgeizige Tirolerin, die im Vorjahr bereits EM- und WM-Bronze geholt hatt­e. Mitgezittert hat nicht nur Bundestrainer Benedikt Ernst in Bukarest. Auch beim Public Viewing im Vereinslokal in Inzing knisterte die Luft. „Sie hat super angefangen, so hätt­e sie weitermachen sollen“, erzählte Klaus Draxl, der Obmann des RSC Inzing.

„Wir haben gewusst, dass Martina ein Wettkampf-Typ ist. Sie hat im ersten Moment auch überrascht“, erklärte Trainer Ernst. Nach wenigen Kampfsekunden hatte die Zirlerin ihre Gegnerin aus dem Ring geschoben und führte mit 1:0. Letztlich wendete sich das Blatt zugunsten der Türkin.

„Im Moment bin ich noch enttäuscht, aber Silber hat für mich einen hohen Stellenwert.“
Martina Kuenz (Vize-Europameisterin)
Mit Coach Ernst freute sich Kuenz über die Silbermedaille.
Mit Coach Ernst freute sich Kuenz über die Silbermedaille.
- Benedikt Ernst

Gold brauche man jedoch nicht nachzutrauen, denn Silber schmecke zuckersüß: „Es war eine gelungene Generalprobe für Tokio“, erklärte Trainer Ernst mit Blick auf die anstehende Olympia-Qualifikation. Zuerst will sich die Zirlerin bei den Europaspielen in Minsk (BLR) beweisen und zählt erneut zu den Medaillenfavoritinnen. Für die EM trainierte sich Kuen­z noch mehr Muskelmasse an und stieg in der Klasse bis 76 kg auf die Matte.

„Sie hat innerhalb von einem Jahr drei Medaillen geholt und sich erneut gesteigert!“, lobte Inzing-Obmann Draxl seine erfolgreichste Athletin. Tirols Ringer-Präsident Franz Pitschmann blies ins selbe Horn: „Sensationell! Martina hat für Österreich wieder einmal die Kohlen aus dem Feuer geholt!“

Für die weiteren EM-Starte­r hat Kuenz die Latte extrem hoch gelegt. Die Vorarlbergerin Kathrin Mathis (AC Hötting) musste sich am Donnerstag im Achtelfinale gegen Ilon­a Prokopevniuk (UKR) mit 0:12 geschlagen geben. Am Freitag greift Polizeisportler Michael Wagner (bis 77 kg) ins EM-Geschehen ein. Der 26-jährige Inzinger will sein bisher bestes EM-Ergebnis (Platz 10) toppen und trifft zum Auftakt auf einen Georgier. „Ich hoff­e, dass sich das Trainingslager in Dänemark und das viele Schwitzen gelohnt haben“, sagte Wagner. Am Samstag rundet Schwergewichtler Daniel Gastl (bis 97 kg) das Tiroler Aufgebot ab. Minimalziel für die Herren ist eine Top-14-Platzierung und damit die Qualifikation für die Europaspiele im Juni.

EM-Ergebnisse – Damen/Freistil bis 76 kg:

1. Yasemin Adar (TUR)

2. Martina Kuenz (AUT)

3. Aline Rotter-Focken (GER); Zsanett Nemeth (HUN)