Letztes Update am Fr, 03.05.2019 08:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

Querschnittgelähmter ÖSV-Adler Müller bekam Recht: War ein Arbeitsunfall

Der Unfall beim Vorspringen 2016, der den Ex-Skispringer Lukas Müller an den Rollstuhl fesselte, war kein „Freizeitunfall“. Der ÖSV will nun sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen prüfen. Dieses Urteil dürfte Auswirkungen auf alle Sportarten haben.

Der seit 2016 querschnittgelähmte Lukas Müller dürfte für einen Präzedenzfall im Sportrecht gesorgt haben.

© APADer seit 2016 querschnittgelähmte Lukas Müller dürfte für einen Präzedenzfall im Sportrecht gesorgt haben.



Wien – Jener Unfall, der am 13. Jänner 2016 das Leben des damals 23-jährigen Skispringers Lukas Müller drastisch verändert hat, ist nach einer Klage des Kärntners vom Verwaltungsgerichtshof als Arbeitsunfall eingestuft worden. Müller, der sich damals als Vorspringer für die Skiflug-WM 2016 auf dem Kulm einen inkompletten Querschnitt zugezogen hat, hat damit möglicherweise für einen Präzedenzfall gesorgt.

Müller sitzt seit dem Unfall im Rollstuhl, musste u.a. sein Auto umbauen lassen und hat auch große Folgekosten. Darum kämpfte er auch aus versicherungstechnischen Gründen um die Anerkennung als Arbeitsunfall und aus seiner Sicht um soziale Gerechtigkeit. Der ÖSV bzw. die Austria Ski WM und GroßveranstaltungsgesmbH war der Meinung, dass der Unfall auf dem Kulm als Freizeit-Unfall einzustufen sei, hat diesbezüglich aber eine Niederlage erlitten.

„Lukas Müller war ein großes und hoffnungsvolles Nachwuchstalent, sein Unfall war eine Tragödie. Nicht nur für ihn, auch für uns und seine Kollegen im ÖSV“, wurde Verbands-Präsident Peter Schröcksnadel in einer Aussendung zitiert. Der ÖSV wolle nun prüfen, welche sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen dieses Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs auf künftige Sportveranstaltungen haben wird.

Nur Arbeitsunfall deckt lebenslange Folgekosten ab

„Das betrifft aber nicht nur den ÖSV, sondern könnte Auswirkungen auch für andere Sportverbände und -veranstalter in Österreich haben“, erklärte Schröcksnadel. „Die Frage ist, welchen sozialversicherungsrechtlichen Status haben Personen und Freiwillige, die – außerhalb des Kaders – an Sportveranstaltungen teilnehmen und wie müssen sie allenfalls arbeitsrechtlich abgesichert werden. Welche Konsequenzen entstehen daraus auch für kleine Veranstaltungen. Es wird dafür eine praktikable Regelung brauchen, um kleinere Veranstaltungen auch künftig durchführen zu können.“

Der ÖSV habe sich für Lukas Müller nach dem Unfall sehr dafür eingesetzt, dass ihm eine entsprechende Entschädigung von den Versicherungen zuerkannt wurde, die ihm helfen sollten, seine schwierige Situation zu erleichtern. Müller habe bisher 480.000 Euro aus ÖSV-Versicherungen sowie weitere 350.000 Schweizer Franken (306.024,31 Euro) aus einer Rahmenversicherung des Skiweltverbands FIS erhalten.

Allerdings deckt nur ein anerkannter Arbeitsunfall die lebenslangen Folgekosten ab. Die Entscheidung zugunsten Müllers könnte nicht nur für Sportler, sondern auch die Absicherung des Betreuerstabes auch in anderen Sportarten auf neue Beine stellen. (APA)