Letztes Update am Do, 09.05.2019 13:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Giro d‘Italia

Ein Ex-Skispringer als Giro-Favorit: Roglic fordert die Radstars

„Ich bin bereit für den Giro“, schickt Primoz Roglic eine Kampfansage an die Konkurrenz. Der Junioren-Teamweltmeister im Skispringen hält sogar den Sieg für möglich.

Primoz Roglich zählt zu den großen Sieganwärtern beim Giro d'Italia.

© gepaPrimoz Roglich zählt zu den großen Sieganwärtern beim Giro d'Italia.



Bologna – Es ist eine ungewöhnliche Karriere, die Primoz Roglic hingelegt hat. Im Juniorenbereich gewann der Slowene als Skispringer WM-Gold im Teambewerb, ehe er aufs Rad umstieg. Inzwischen ist er ein exzellenter Rundfahrer und beim Giro d‘Italia gar der Topfavorit. Nach einer bisher beeindruckenden Saison scheint der 29-Jährige für den Kampf gegen die Ex-Sieger Tom Dumoulin oder Vincenzo Nibali gerüstet.

„Ich bin bereit für den Giro“, sagt der überaus ehrgeizige Roglic und hält den Sieg für „möglich“. Im vergangenen Jahr hatte der Ex-Skispringer sein Potenzial mit Rang vier bei der Tour de France bereits angedeutet. Seither hat sich der Kapitän des niederländischen Rennstalls Jumbo-Visma aber noch einem weiterentwickelt. Drei Rundfahrten hat er in diesem Jahr bereits gewonnen. Die anspruchsvolle Tour de Romandie dominierte er in der Vorwoche mit drei Etappensiegen nach Belieben.

Rad-Fieber löste Skisprung-Leidenschaft ab

Dabei hatte Roglic‘ Karriere im Profibereich erst 2016 begonnen. Der Slowene ist ein Quereinsteiger. Bis 2011 war er noch als Skispringer unterwegs, doch irgendwann packte ihn die Leidenschaft für den Radsport. Roglic lieh sich ein Rennrad aus und fuhr bei einem Rennen in Slowenien aufs Podest. Von da an war der Traum von der zweiten Karriere geboren. Dass schwere Stürze, seinen ersten hatte er bereits 2007 beim Skifliegen in Planica, für den Sinneswandel sorgten, verneint Roglic: „Mann muss die Stürze im Skispringen akzeptieren wie im Radsport.“

Schwere Stürze - wie hier 2007 in Planica - sorgten für einen Sinneswandel beim Slowenen.
Schwere Stürze - wie hier 2007 in Planica - sorgten für einen Sinneswandel beim Slowenen.
- gepa

Ab 2013 fuhr der Mann aus Trbovlje in Zentralslowenien drei Jahre lang für das drittklassige Team Adria Mobil, mitunter auch in der österreichischen Top.Rad.Liga, dann erhielt er vom Jumbo-Team die Chance. „Ich bekam einen Anruf von seinem slowenischen Trainer. Ein Skispringer aus Slowenien, das war merkwürdig. Ich war skeptisch, aber dann hat er einen Test bei uns gemacht und es war verrückt. Er hatte außergewöhnliche Wattwerte“, sagte Jumbo-Sportdirektor Frans Maassen der französischen Sportzeitung „L‘Equipe“.

Von da an ging die Karriere des Leichtgewichts (65 Kilogramm) erst richtig los: 2016 der Zeitfahrsieg beim Giro in Chianti, 2017 der erste Tour-Etappenerfolg in Serre-Chevalier und WM-Silber im Zeitfahren von Bergen, 2018 Gesamtrang vier bei der Tour de France - in seiner Heimat hat Roglic längst einen kleinen Radsport-Boom ausgelöst.

Dumoulin und Nibali rechnen mit Roglic

Entsprechend ist auch die Konkurrenz gewarnt. „Ich erwarte viel von ihm. Er hat mich bei der Tour gefordert, und das war das erste Mal, dass er auf Gesamtwertung gefahren ist“, sagte Dumoulin, der niederländische Giro-Sieger von 2017. Auch Lokalmatador Nibali hat die „starke Saison“ des Slowenen registriert. Der Gesamtsieger von 2013 und 2016 sieht bei seinem Rivalen aber Schwächen in der dritten Woche, wenn die schweren Bergetappen anstehen.

Damit er dann nicht einbricht, hat Roglic extra noch ein Höhentrainingslager in der Sierra Nevada absolviert. Die mangelnde Erfahrung könnte bei „Primoche“, wie er in seiner Heimat gerufen wird, das größte Problem sein. Es ist erst die vierte dreiwöchige Rundfahrt für den Slowenen, während etwa Nibali seine 21. Grand Tour in Angriff nimmt. Er habe alles im Eilzugsverfahren lernen müssen und sei damit noch nicht fertig, erklärte Roglic. (APA)

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