Letztes Update am Mi, 22.05.2019 17:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1

Monaco-Auftakt mit Lauda-Gedenken, aber ohne Hamilton

Weltmeister nicht bei Fahrer-PK - Bewegende Worte der Piloten - Mercedes will Lauda mit starker Leistung Respekt zollen - Maranello-Fahnen auf Halbmast.

Spezielle Beleuchtung: MIt dem 312 T wurde Lauda 1975 erstmals Weltmeister.

© FERRARISpezielle Beleuchtung: MIt dem 312 T wurde Lauda 1975 erstmals Weltmeister.



Monte Carlo – Mit berührenden Worten der Piloten ist am Mittwoch der Formel-1-Grand Prix von Monaco eingeläutet worden. Bei der obligaten Fahrer-Pressekonferenz sprach man viel über den Verlust von Österreichs Formel-1-Champ Niki Lauda. Lewis Hamilton wurde dabei zunächst ohne Angaben von Gründen vom Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas ersetzt. „Es st schockierend, eine Woche so zu beginnen“, sagte der Finne.

Bottas geht am Sonntag im Fürstentum an der Cote d‘Azur mit sieben Punkten Rückstand als erster Verfolger von Hamilton ins Rennen, das erneut einen Führungswechsel zwischen den beiden dominierenden Mercedes-Piloten bringen kann. Man werde Lauda mit einer starken Leistung Respekt zollen, betonte der Vizeweltmeister, der auch nicht näher auf das Fehlen von Hamilton einging. „Ich habe ihn vorhin gesehen, es ist alles okay und normal“, sagte Bottas. „Es gab halt die Anfrage, ihn hier zu vertreten.“

Telefonkontakt mit Lauda

Hamilton und Lauda waren einander in den jüngsten uns sehr erfolgreichen Mercedes-Jahren sehr nahe gekommen. Der Engländer hatte mit dem dann schon erkrankten Lauda lange Zeit auch Telefonkontakt gehabt. Nach dem Tod seines Mentors hatte Hamilton am Dienstag lange gebraucht, um auf sozialen Kanälen zu reagieren. „Ohne ihn wäre ich nicht bei Mercedes. Ich werde unsere Gespräche vermissen, unser Lachen, die großen Umarmungen, wenn wir gemeinsam Rennen gewonnen haben“, hatte der fünffache Weltmeister geschrieben. Bottas betonte: „Er fehlt mir auch.“

Sichtbare Zeichen an den Autos

Der Tod des 70-jährigen Österreichers am vergangenen Montag hatte nicht nur die Sportwelt schockiert. In Monaco werden vor allem Mercedes, Ferrari und McLaren an den Autos sichtbare optische Veränderungen vornehmen, um dem dreifachen Weltmeister zu gedenken. Im Mercedes-Motorhome lief eine Diashow mit Bildern von Laudas Karriere. Ferrari hat in Maranello die Fahnen auf halbmast gesetzt und im Museum den 312 T, mit dem Lauda 1975 erstmals Weltmeister geworden war, in einem abgedunkelten Raum speziell beleuchtet.

Zuletzt war Lauda Mitbesitzer und Aufsichtsrat des Mercedes-F1-Teams gewesen. „Niki war immer da, wenn man ihn gebraucht hat. Und er hat stets ohne Umwege und immer direkt gesagt, was er meint“, sagte Bottas. „Er war immer eine massive Motivation für mich und Lewis.“

Erster Mercedes-Verfolger in der Fahrer-WM ist Max Verstappen. Der Red-Bull-Pilot hat zwar eine lausige Monaco-Bilanz, kommendes Wochenende aber Lust auf mehr. Allerdings wird der aktuelle RB15 trotz verlässlichem Honda-Motor diesmal in Monaco nicht so stark eingeschätzt wie das Vorjahres-Auto, mit dem Daniel Ricciardo souverän gewonnen hat. „Niki war eine Sportlegende. Er hat riesige Erfolge während aber auch nach seiner Formel-1-Karriere gehabt“, erinnerte auch Verstappen an Lauda. „Niki war aber auch ein sehr lustiger Mensch, wir hatten viele gute Momente“, sagte der Niederländer. „Er ist ein großer Verlust für die Formel 1.“

Auch Monaco-Vorjahressieger Ricciardo hat nur gute Erinnerungen an Lauda. „Jede Begegnung mit ihm war speziell“, erinnerte sich der Australier, der mittlerweile bei Renault fährt.

„Jede Begegnung war speziell“

Ebenfalls am PK-Podium saß Charles Leclerc. Der 21-jährige Monegasse ist ein echter Lokalmatador und startet bei seinem Heimrennen erstmals in einem Ferrari. Platz acht reicht, um in seinem erst 27. Grand-Prix die Marke von 100 WM-Zählern zu übertreffen. Obwohl er ein Neuling in der Motorsport-Königsklasse ist, habe er einige Male die Gelegenheit gehabt, Lauda zu treffen“, berichtete Supertalent Leclerc. „Er war immer sehr nett zu mir. Was er erreicht hat, ist ein großes Beispiel für den Sport. Wir vermissen ihn alle sehr.“

Dass Ferrari nach großen Hoffnungen nicht so gut wie gewünscht in die Saison gestartet ist, weiß auch Leclerc. „Auch wenn der Start schwierig war. Monaco ist immer speziell und wir haben auch hier die Chance auf ein gutes Ergebnis“, betonte der Jungspund, der beim zweiten Saisonrennen in Bahrain nur durch einen technischen Defekt am ersten Sieg gehindert und Dritter geworden war.

Konkreter als der Ferrari-Youngster wurde Verstappen. Red Bull war zuletzt in Barcelona stärker gewesen als Ferrari. „Mercedes ist auch hier der klare Favorit“, erinnerte Verstappen vor dem 6. Saisonlauf an die bisher fünf Saison-Doppelsiege der Silberpfeile. „Aber wir kämpfen um das Podium. Wir müssen nur noch herausfinden, um welche Stufe am Podium.“

Bottas ging vor den ersten zwei freien Trainings, die in Monaco stets schon am Donnerstag stattfinden, auf eine Mercedes-Favoritenrolle nicht sonderlich ein. „Es braucht viel, um hier ein schnelles Auto zu haben. Wir hatten in den vergangene Jahren immer Probleme in Monaco, also sind wir vorsichtig. Aber gleichzeitig genauso motiviert, gut abzuschneiden.“ (APA)