Letztes Update am Sa, 25.05.2019 13:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


French Open

Schett-Eagle im Interview: „Für mich ist Gottschalk ein Phänomen“

Barbara Schett-Eagle hat sich auch abseits des Tennisplatzes einen Namen gemacht: Die TT-Kolumnistin ist bei den French Open das 14. Jahr für Eurosport im Einsatz. Ihre Sendung wird in 40 Länder übertragen.

© gepa/Hauer



Innsbruck – Von der australischen Sunshine Coast, wo sie mit Ehemann Josh und Sohn Noah (10) lebt, in den Innsbrucker Schnürlregen. Kaum in ihrer Geburtsstadt gelandet, machte sich Barbara Schett-Eagle vergangene Woche schon wieder auf nach Graz. Dort, wo sie seit nunmehr drei Jahren Schirmherrin des steirischen Nachwuchsprojekts „Ready-Schett-Go“ ist. Auf die Frag­e, warum sie denn nicht im Tiroler Landesverband tätig wurde, meinte sie vielsagend: „Mir wurde nie ein ernsthaftes Angebot unterbreitet.“

Bevor die ehemalige Nummer sieben der Tenniswelt gestern zu den French Open nach Paris abhob, plaudert­e die TT-Kolumnistin und Eurosport-­Moderatorin aus dem Nähkästchen.

Was macht die French Open bzw. Paris einzigartig?

Barbara Schett-Eagle: Paris, die Stadt der Liebe, die Stadt des Baguettes, des Croissants. Ich liebe das alles sehr. Ganz generell ist es immer ein Traum, nach einer längeren Zeit in Australien nach Europa zurückzukommen. Da wird einem erst klar, welche kulturellen Schätze, welch historische Bauten wir haben. Und ja, ich mag auch die Franzosen sehr, auch wenn sie, wie soll ich sagen, manchmal arrogant und grantig sind. Vielleicht a bissl wie wir Tiroler (lacht). Und dadurch, dass Eurosport in Paris seinen Hauptsitz hat, habe ich viele Freunde hier und verbinde die French Open auch mit schönen Erinnerungen. Ich habe hier mein erstes Junioren-Grand-Slam gespielt und konnte auf Suzanne Lenglen (zweitgrößter Platz, Anm.) einmal Venus Williams schlagen, als sie die Nummer zwei der Welt war.

Zum wievielten Mal sind Sie inzwischen bei den French Open im TV-Einsatz?

Schett-Eagle: Zum 14. Mal, meine Fernsehkarriere dauer­t also schon länger als meine aktive Tenniskarriere. Begonnen hat alles im kleinen Stil. 2005 sind wir zu fünft zu den Grand Slams, haben in erster Linie Interviews gemacht und ein paar Matches anmoderiert. Inzwischen hat sich die Produktion auf rund 200 Leute ausgewachsen. Unser­e Show „Game, Schett and Mats“ wird inzwischen in 40 Länder übertragen, leider nicht mehr im deutschsprachigen Raum, wo man auf Boris Becker setzt. Wenn man uns aber sehen will, geht das inzwischen auch auf dem Eurosport-Player bzw. um Mitternacht und zeitig in der Früh auch im TV.

Ihre Popularität dürfte also größer sein als noch zu aktiven Zeiten?

Schett-Eagle: Ich denke schon. Nur ein Beispiel: Ich war im Jänner in St. Petersburg und da sind so viele Leute auf mich zugekommen und haben mich auf die Show angesprochen. Da wird einem erst klar, dass man ja auch in Russland übertragen wird.

Wenn Sie an Ihre medialen Anfänge zurückblicken?

Schett-Eagle: Ui, die waren grottenschlecht. Begonnen hat es erst einmal mit Interviews. Ich war so nervös und habe mich strikt an die vorbereitete­n Fragen gehalten. Das war alles sehr hölzern, auch weil ich meine Persönlichkei­t nicht einbringen konnte. Mein langjähriger Chef Pedro García, der seit letztem Jahr leider nicht mehr in unserem Team ist, hat mich aber sukzessive gefördert und meine Rolle wurde Jahr für Jahr größe­r und bedeutender.

Gab es spezielle Schulunge­n?

Schett-Eagle: Nicht unbedingt, es war mehr eine ständig­e Weiterentwicklung. Zum Glück habe ich viel Feedback bekommen. Manches war nicht schön zu hören, aber ich halte das schon aus, wenn eine Kritik einmal schärfer ausfällt. Schließlich bin ich am Tennisplatz mein ganzes Leben ausgebessert worden.

Inwieweit haben Sie sich nun auf die French Open vorbereitet?

Schett-Eagle: Ich hab’ mir in den vergangenen Wochen noch einmal einige unserer Sendungen von den Australia­n Open angesehen. Und wieder einmal musste ich feststellen, dass ich zu schnell gesprochen habe. Also nehme ich mir fest vor, es langsamer angehen zu lassen.

Sie moderieren live, jedes Wort könnte in 40 Ländern auf die Goldwaage gelegt werden. Die Fallhöhe ist als­o eine beträchtliche.

Schett-Eagle: Der Druck ist immer da, eine Grundanspannung, eine Grundnervosität. Aber ich versuche einfach, bei mir zu bleiben. Diesbezüglich ist für mich Thomas Gottschalk ein Phänomen. Mit welcher Souveränität, Schlagfertigkeit und Improvisationskunst er all die Jahre „Wetten, dass ..?“ moderiert hat, ist unglaublich. Und wenn einmal etwas in die Hose gegangen ist, hat er das auch noch zu seinen Gunsten genützt. Wirklich beeindruckend. Da wir ja auf Englisch moderieren, versuche ich auch ständig, meinen Wortschatz zu erweitern. Es steckt jedenfalls mehr Arbeit dahinter, als man vielleicht glauben mag.

Mit Mats Wilander steht Ihnen ein siebenfacher Grand-Slam-Sieger zur Seit­e, Sie selbst sind einmal in einem Viertelfinale gestanden – wie schwer fällt es, Spieler und Spielerinnen zu kritisieren, die weit mehr erreicht haben als Sie?

Schett-Eagle: Die Rolle des Brachialkritikers nimmt bei uns John McEnroe ein. Und das ist gut so. Entscheidend ist, wie man die Kritik formuliert. Sagen wir so: Mats kann sich diesbezüglich schon weiter aus dem Fenster lehnen, was er aber selten tut, weil es einfach nicht seine Art ist. Aber auch wenn ich nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen habe, erfahre ich seitens der Spieler, auch von der jungen Garde, durchaus Respekt. Da hilft es schon sehr, dass man selbst Tennisprofi war und das Geschäft eben aus nächster Nähe kennt.

Die Trennung von Dominic Thiem von seinem Trainer, Mentor und Manager Günter Bresnik war in den vergangenen Wochen ein zentrales Thema. Wie sehen Sie diese Abkapselung?

Schett-Eagle: Es hat sich abgezeichnet. Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren gemunkelt, dass es nicht mehr hundertprozentig läuft zwischen den beiden. Was aber mehr als nur verständlich ist, denn auf Dauer kann eine derart enge Verflechtung nicht gut gehen. Es spricht für Dominic, dass er diesen Schritt gesetzt hat, und bei allen Verdiensten, die Günter hat, war es für mich die absolut richtige Entscheidung. Es war höchste Zeit für Dominic, neue Wege zu gehen, neue Reize zu setzen.

Welche Rolle wird Thiem bei den French Open spielen?

Schett-Eagle: Er kann das Turnier gewinnen. Aber solange Rafa Nadal fit ist, kommt der Top-Favorit aus Mallorca. Ohn­e Wenn und Aber.

Das Gespräch führte Max Ischia