Letztes Update am Mo, 03.06.2019 09:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Knowle hängt Tennisschläger an den Nagel und coacht künftig Novak

Das Karriereende ist für Julian Knowle beschlossene Sache. Dennoch wird man den österreichischen Doppel-Spezialisten noch bei dem ein oder anderen Turnier am Court spielen sehen können.

Julian Knowle ist künftig als Trainer unterwegs, wird aber ab und an auch selbst zum Schläger greifen.

© gepaJulian Knowle ist künftig als Trainer unterwegs, wird aber ab und an auch selbst zum Schläger greifen.



Von Gerald Widhalm/APA aus Paris

Paris – Er ist Österreichs Doppel-Pionier in der Tennis-Profi-Ära und leitete eine Serie von rot-weiß-roten Erfolgen im Doppel ein. Nun hat sich Julian Knowle mit 45 entschieden, seine Karriere, die er 1992 als Einzelspieler begonnen hatte, an den Nagel zu hängen. Zudem verriet er, dass er nun u.a. als Touring-Coach des zweitbesten Österreichers, Dennis Novak, tätig ist.

„Ich habe bis März ernsthaft versucht, noch einmal zurückzukommen. Aber in diesem Jahr habe ich gemerkt, es vergeht keine Woche im Training, in dem nicht irgendein anderes Wehwehchen kommt“, erklärte Knowle, der seinen Comeback-Versuch im März in Marseille wegen plötzlicher Rückenschmerzen absagen musste.

„Wenn ich etwas mache, dann anständig“

Anfang des Jahres habe er eine Coaching-Anfrage des aktuell viertbesten Schweizers, Marc-Andrea Hüsler (ATP-274.), bekommen. „Ich soll bis maximal zehn Wochen mit ihm touren“, erzählte der ehemalige US-Open-Doppel-Champion (2007). Damals dachte Knowle noch, er könne dies gut mit seiner Karriere verbinden. Nach einer langen Pause wegen einer Ellbogenverletzung hat er noch bis September 2020 ein geschütztes Ranking für zwölf Turniere.

„Dann kam Mitte April aber auch eine zusätzliche Anfrage von Dennis Novak, ob ich ihm helfen könnte auf der Tour“, erzählte der Vorarlberger. Novak ist Österreichs zweitbester Einzelspieler und als aktuell 113. auf dem erstmaligen Sprung in die Top 100. Sein Hauptcoach ist Wolfgang Thiem. Da beide Neo-Schützlinge aufgrund des verschiedenen Rankings auch verschiedene Turniere spielen, ließ sich dies für Knowle nur schlecht vereinbaren.

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„Ich habe immer gesagt, wenn ich etwas mache, dann mache ich es anständig und zu hundert Prozent“, sagte Knowle. Als er nach einem Gespräch die Zusage von Novak erhalten hat, war er kurz ratlos. „Der erste Impuls von mir war ‚Shit, was mache ich jetzt?‘“, gestand der 19-fache Doppel-Turniersieger. Doch innerhalb von zwei Tagen des Nachdenkens war für den zweifachen Vater Knowle klar, dass dies für ihn der neue Weg ist. Er hätte zwar immer noch sehr viel Spaß am Wettkampf, aber der Körper lässt es nicht mehr zu.“Ich kann nicht die Umfänge trainieren, die ich bräuchte. Und ich stelle mich nicht hin, um mich abschlachten zu lassen.“

Noch zwölf „protected rankings“ für Knowle

Dennoch wird man Knowle noch auf dem einen oder anderen Event sehen. Von den zwölf „protected rankings“ will er noch auf dem einen oder anderen Turnier spielen, vor allem auch bei den lukrativen Grand Slams. „Ich habe gelesen, dass Leander Paes der Älteste ist, der je in der ‚open era‘ ein Match bei den French Open gewonnen hat mit 45. Da hat es mich schon wieder gejuckt für nächstes Jahr“, meinte Knowle lachend. Aber: „Jetzt ist es mehr oder weniger ein Spaß und ich habe keine Ambitionen mehr, was meine aktive Karriere betrifft, sondern ich möchte mit den Spielern auch was bewegen.“

Als Touring-Coach war er mit Hüsler schon drei Wochen in Mexiko unterwegs, wo sein Schützling in San Luis Potosi gleich seinen ersten Challenger gewann. Mit Novak gilt die Vereinbarung als Touring-Coach für „10 bis 15 Wochen“. Auch mit Novak war er in Heilbronn (Semifinale) und in der Paris-Qualifikation (Aus in Runde eins) schon mit. Nun begleitet er Novak in der Rasen-Saison. „Nach Wimbledon setzen wir uns zusammen und schauen, wie das für beide passt.“