Letztes Update am Mo, 10.06.2019 07:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


French Open

Thiem: „Sicher habe ich verloren, aber es war ein geiles Turnier“

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem stand den Medien enttäuscht, aber gefasst nach seinem zweiten verlorenen French-Open-Finale en suite gegen Rafael Nadal Rede und Antwort.

Für Dominic Thiem gab es nach starken ersten zwei Sätzen mit einem Satzgewinn doch nichts mehr zu holen in Paris.

© AFP/LopezFür Dominic Thiem gab es nach starken ersten zwei Sätzen mit einem Satzgewinn doch nichts mehr zu holen in Paris.



Sie haben gestern gesagt, dass Sie sich gefühlt haben, als würden Sie nach dem Sieg über Djokovic vom Himmel geradewegs in die Hölle gekommen sein, so wie Nadal heute gespielt hat. Können Sie uns das genauer erzählen?

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Dominic Thiem: „Gestern hatte ich einen der größten Siege meiner Karriere. Das ist ein einzigartiges, aber auch brutales Ding in unserem Sport, dass ich sechs Matches gewonnen habe, gestern eine der größten Legenden unseres Spiels geschlagen habe und nicht einmal 24 Stunden später muss ich gegen eine andere unglaubliche Legende unseres Sports auf den Platz. Den besten Sandplatz-Spieler aller Zeiten. Das zeigt auch, wie schwierig es ist, einen Grand Slam zu gewinnen. Ich bin daran gescheitert, meinen größten Traum in meinem Tennisleben wahr zu machen. Also fühle ich mich nicht so gut wie gestern.“ (lächelt)

Sie sind der Letzte, der nach Ausreden sucht, aber nach dem Halbfinale am Samstag hat es heute in den Sätzen drei und vier schon auch nach Müdigkeit ausgesehen. Braucht man nicht 110 Prozent, um Nadal hier schlagen zu können?

Thiem: „Ich weiß nicht, wie es mit einem Tag Pause gewesen wäre. Aber ich habe jetzt keine Müdigkeit gespürt im Finale. Ich war voll mit Adrenalin, es ist ein Grand-Slam-Finale, das man nicht so oft spielt in seinem Leben wahrscheinlich. Aber auf der anderen Seite kann auch so ein Match wie gegen Djokovic über zwei Tage über vier Stunden nicht spurlos an mir vorübergehen. Weder mental, noch körperlich. Also es ist ein bisserl ein zweischneidiges Schwert.“

 Dominic Thiem.
Dominic Thiem.
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Rafa hat es wie schon im Vorjahr wieder gesagt, dass er Sie als künftigen Champion in Paris sieht. Haben Sie selbst auch das Gefühl, dass die Zeit für Sie spricht oder ist das ein Trugschluss?

Thiem: „Naja. Ich denke, es wird nie mehr einer kommen wie der Nadal. Ich glaube, dass wird es nie mehr geben, dass einer zwölf Mal ein Grand-Slam-Turnier gewinnt. Aber ich will mich auf keinen Fall auf die Zeit verlassen, weil es kommen unfassbar gute, junge Spieler nach, die wir vielleicht noch gar nicht kennen. Deshalb bin ich jetzt einmal richtig enttäuscht, dass ich diese zweite Möglichkeit auch liegen habe lassen. Das Einzige, woran ich denke ist, dass ich richtig weiter arbeite.“

Dominic Thiem konzentriert sich auf die nächsten Spiele, die anstehen.
Dominic Thiem konzentriert sich auf die nächsten Spiele, die anstehen.
- GEPA pictures/ Matthias Hauer

Sie müssen sich ja nicht auf den Sandbelag festlegen, haben schon große Erfolge auch auf Hartplatz. Was werden Sie noch tun, um sich noch ein bisschen mehr an die anderen Beläge anzupassen und vielleicht auch dort ganz weit zu kommen?

Thiem: „Natürlich sind die vier Grand-Slam-Turniere die Highlights von jedem Tennis-Spieler. Der Sieg in Indian Wells war auch einer meiner schönsten Momente in meiner Karriere bis jetzt. Das ist das Gute im Tennis. Ich habe jetzt das Finale verloren, aber es geht mit Wimbledon weiter. Es gibt danach zwei Masters-1000-Turniere, und Kitzbühel und Hamburg, was für mich eine große Bedeutung hat. Es gibt immer etwas Cooles, das passiert, und deswegen will ich mich überhaupt nicht auf die French Open versteifen, sondern schauen, dass ich das ganze Jahr gut spiele.“

Wenn Sie noch einmal auf den heutigen Morgen zurückblicken: Hatten Sie ein positiveres Gefühl vor dem Finale als vergangenes Jahr?

Thiem: „Ja, ich habe ein komplett anderes Gefühl gehabt. Letztes Jahr war ich völlig leer, habe mich verkühlt nach dem Viertelfinale. Der Körper war schon ziemlich am Ende letztes Jahr, das war dieses Jahr definitiv nicht der Fall. Ich bin heute in den Tag reingegangen, um die Partie zu gewinnen und habe auch alles gegeben, was ich gehabt habe. Das war letztes Jahr nicht möglich.“

Wie werden Sie jetzt die nächsten Stunden und Tage verbringen?

Thiem: „Ich will heute ein gutes Essen mit meinen Leuten haben, weil die die ganze letzte Zeit einen guten Job gemacht haben. Ich glaube, dass es nicht nötig ist, in ein Loch zu fallen. Sicher habe ich verloren, sicher ist jeder enttäuscht, aber es war trotzdem ein geiles Turnier und auch ein gutes Finale bis auf die letzten zwei Sätze.“ (APA)

Nadal zog sich aus mentalem Tief zum “dreckigen Dutzend“

Rafael Nadal baut seine ohnehin schon unglaublichen Tennis-Rekorde unermüdlich weiter aus. Sein zwölfter, am Sonntag im Finale gegen Dominic Thiem erreichter French-Open-Titel ist nicht nur Bestleistung auf Grand-Slam-Ebene, auch ein einzelnes ATP-Turnier hat noch kein anderer so oft gewonnen. Nadals Regentschaft in Roland Garros hält also weiter an, Thiem und Co. stellen sich weiter hinten an.

Seiner Bestmarke von zwölf Paris-Titeln kommt nur Nadal selbst am nächsten. In Monte Carlo wie in Barcelona hat er elfmal den Siegespokal geholt, kein anderer Spieler ist in dieser Statistik zweistellig. Roger Federer brachte es bisher sowohl in Halle als auch in Basel auf neun Finalsiege, die hat auch Nadal in Rom. Aber den Mythos des seit einer Woche 33-Jährigen macht Roland Garros aus. Exakt zwei Drittel seiner 18 Grand-Slam-Titel hat er nun in der französischen Hauptstadt geholt.

Und auf dieser Ebene macht Nadal weiter Jagd nach Rekord-Grand-Slam-Sieger Federer. Vor einem Jahr verkürzte der Iberer den Abstand auf den Schweizer auf drei Major-Triumphe, nun fehlen ihm nur noch zwei Titel auf die Allzeit-Bestmarke des 37-jährigen "Maestro". Die Zeit bzw. das Alter wird auch irgendwann gegen Nadal sprechen, doch der Zeitpunkt dafür ist noch nicht abzuschätzen. Es war auch der bereits elfte Grand-Slam-Titel eines über 30-Jährigen en suite.

Während Federer Rekorde liebt, versicherte Nadal in den Pariser Siegesinterview, dass ihm das Erreichen dessen Bestmarke nicht antreibt. "Man kann nicht nur frustriert sein, weil der Nachbar ein größeres Haus, einen größeren Fernseher oder einen größeren Garten hat", zog Nadal einen Vergleich. "Das ist nicht die Art, wie ich das Leben sehe." Wäre er nicht oft verletzt gewesen, hätte er Federer vielleicht schon geschnappt: "Ich habe durch Verletzungen vielleicht 15 Grand Slams verloren." (APA/sda/Reuters)