Letztes Update am Do, 20.06.2019 11:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Extremsport

Steirer Strasser gewann zum sechsten Mal das Race Across America

Nach einer Fahrzeit von 8 Tagen, 6 Stunden und 51 Minuten erreichte der 36-Jährige nach 4.940 Kilometern das Ziel an der US-Ostküste.

Christoph Strasser jubelt über den historischen sechsten Sieg.

© Lex KarellyChristoph Strasser jubelt über den historischen sechsten Sieg.



Annapolis (Maryland) – Der Steirer Christoph Strasser hat sein großes Ziel eines sechsten Erfolgs beim Rad-Nonstoprennen Race Across America (RAAM) erreicht. Der 36-Jährige überfuhr die Ziellinie in Annapolis an der US-Ostküste am Donnerstag (MESZ) nach 8 Tagen, 6 Stunden und 51 Minuten, die Distanz von 4.940 km bewältigte er mit in Summe nur neuneineinhalb Stunden Schlaf.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Strasser ist nun Rekordgewinner des weltweit längsten Rad-Events, auch wie er dreimal in Folge hat den Extremsport-Klassiker noch kein anderer für sich entschieden. Dementsprechend groß war nach der Zieleinfahrt der Jubel bei Strasser und seinem zwölfköpfigen Team. „Ich bin der absolut glücklichste Mensch, dass ich diesen sechsten Sieg geschafft habe“, sagte der Sieger. Seine Gesamtzeit wird voraussichtlich noch korrigiert, wegen vieler Umleitungen soll es Zeitgutschriften geben.

Strasser von Bedingungen gezeichnet

Mit der aktuell noch gültigen Marke war Strasser rund fünfeinhalb Stunden langsamer als bei seinem Vorjahressieg, das war aber auch den Bedingungen geschuldet. Es war nicht zu übersehen, dass der 24-Stunden-Weltmeister gezeichnet war: „Richtig gut geht es mir nicht. Es hat so viel geregnet in den letzten drei Tagen. Meine Füße sind total aufgeweicht. Es wird noch etwas dauern, bis ich wieder selbstständig ordentlich stehen kann. Einen kleinen Husten hab ich auch aufgerissen, aber ansonsten ist alles gut.“

Strasser erreichte in der guten Woche fast all seine Vorhaben: „Mein erstes Ziel vor diesem RAAM war, das Ziel gesund zu erreichen. Das gelang mir so halbwegs“, meinte er schmunzelnd. „Die weiteren Ziele waren der Sieg und das Triple, was ich geschafft habe, und wenn möglich unter acht Tagen zu bleiben. Das war durch die große Hitze in den ersten beiden Tagen, die vielen Unwetter im Flachen, die Umleitungen und den Regenfällen in den letzten Tagen aber absolut unrealistisch.“

Aussetzern und Halluzinationen

Der Top-Sportler aus Kraubath dankte seinem Team für einen fantastischen Job und freute sich erst einmal auf ein Bett. 35.000 Höhenmeter hatte er bei seinem neunten RAAM zu bewältigen. Teamchef Michael Kogler und Crew mussten vor allem am letzten Tag kräftig unterstützen: „Da war es dann schon richtig hart nach den Appalachen, wo wir alle ziemlich gefordert waren, um Christoph in Krisenzeiten mit Aussetzern und Halluzinationen wieder rauszuholen.“

Der begleitende Arzt Robert Url war zufrieden. „Grob gesundheitlich ist alles im Normbereich. Die von uns gemessenen Parameter sind in Ordnung“, erklärte der Mediziner. „Die Müdigkeit war natürlich in den letzten Tagen sehr stark, die Koordination eingeschränkt. Christoph hat ein großes Rennen abgeliefert, da die Witterung in diesem Jahr mit großer Hitze, Waldbränden, Überflutungen und massiven Regenfällen in den letzten Tagen extrem war. Er hat eine heldenhafte, übermenschliche Leistung geboten.“

Der Zustand von Strassers geschundenen Handflächen habe sich letztlich gebessert. Url: „Wir haben in kurzen, trockenen Phasen die Handschuhe ausgezogen, um die Haut an der Luft zu trocknen. Sie wurden bis zum Schluss mit Vaseline eingeschmiert.“ Zum Zeitpunkt des Zieleinlaufs hatte der Slowene Marko Baloh als Zweitplatzierter noch rund 500 km zu bewältigen. Neuer Dritter war nach der Aufgabe des US-Amerikaners David Haase der Däne Jakob Olsen. Der Steirer Markus Brandl lag auf Platz zehn.(APA)