Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Formel 1

Kein rot-weiß-roter Pilot in Sicht: Nächster Niki Lauda lässt auf sich warten

Dass der Formel-1-Auftritt in Österreich erneut ohne rotweißrote Beteiligung über die Bühne geht, schmerzt besonders. Im Mittelpunkt wird Niki Lauda stehen, der als Einziger daheim triumphierte.

Das Spielberg-Podest 1984: Sieger Niki Lauda (M.) scherzte mit Michele Alboreto (r.) - Nelson Piquet (2.?v.?l.) und FISA-Präsident Balestre.

© imago sportfotodienstDas Spielberg-Podest 1984: Sieger Niki Lauda (M.) scherzte mit Michele Alboreto (r.) - Nelson Piquet (2.?v.?l.) und FISA-Präsident Balestre.



Von Daniel Suckert

Innsbruck, Spielberg — Es klingt ein wenig bizarr: Österreich hat einen eigenen Rennstall (Red Bull), eine eigene Formel-1-Strecke (Spielberg) und mit Toto Wolff (Mercedes), Helmut Marko (Red Bull) oder Franz Tost (Toro Rosso) auch wichtige Entscheidungsträger im milliardenschweren Renn-Zirkus. Ein heimischer Fahrer ist jedoch nicht in Sicht.

Es war einmal: 1969 war für die Formel 1 in Österreich ein entscheidendes Jahr: Damals wurden der heutige Red-Bull- und auch der Salzburg-Ring als permanente Rennstrecken aus dem Boden gestampft und eröffnet. Jochen Rindt hatte in den 60er-Jahren für einen österreichweiten Motorsport-Hype gesorgt. Der rotweißrote Popstar wurde landauf, landab verehrt — sein Tod 1970 in Monza löste Bestürzung aus.

Sportlich konnte Niki Lauda in den 70er- und 80er-Jahren die Lücke schließen. Auf den dreifachen Weltmeister folgte der Tiroler Gerhard Berger. Der Kufsteiner war der letzte heimische Sieger (Hockenheimring, 1997) in der Königsklasse auf vier Rädern.

35 Jahre für die Ewigkeit: Ein Heimerfolg war dem zehnfachen Sieger, der mittlerweile im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) das Chef-Zepter schwingt, aber nicht vergönnt. Für den einzigen Heimtriumph sorgte Niki Lauda im Jahre 1984. Damals saß der am 20. Mai 2019 Verstorbene in einem McLaren-Boliden. An der Spitze liegend streikte sein Getriebe, doch der Zweitplatzierte Nelson Piquet wollte den McLaren nicht überholen. Der Brasilianer hatte geglaubt, Niki „Nationale" würde sich nur einen Scherz mit ihm erlauben. „Das war für mich das wichtigste Rennen in meinem ganzen Leben. Aber nicht, weil ich als Österreicher in Österreich gewonnen habe, sondern weil ich mit diesem Sieg den Grundstein zum Titel gegen Alain Prost (FRA, Anm.), den ich damals nicht so mochte, gelegt habe", erklärte Lauda einmal in seiner bekannt unverblümten Art. Mit einem halben Punkt Vorsprung setzte sich der Wiener am Ende der Saison gegen den Franzosen durch. Und sorgte damit für die knappste WM-Entscheidung aller Zeiten.

Am kommenden Spielberg-Wochenende wird Lauda noch einmal im Mittelpunkt stehen. Im Fan-Dorf wird dem 25-fachen Grand-Prix-Sieger ein eigener Bereich gewidmet und sein Siegerauto von 1984 ausgestellt. Die Legenden-Parade, bei der der ehemalige Aufsichtsratvorsitzende (Mercedes) seit 2014 stets am Start stand, wird ebenso im Zeichen Laudas stehen.

Und es dürfte wohl noch etwas passieren. Gerüchten zufolge könnte eine Kurve am Red-Bull-Ring wieder nach ihm benannt werden. Die hatte es vor der Übernahme durch Red-Bull-Boss Didi Mateschitz schon einmal gegeben.

Im Windschatten: Sucht man den nächsten Niki Lauda, muss man feststellen, dass nur einer derzeit im Windschatten der Königsklasse fährt. Und das ist der Tiroler Lucas Auer. Der Neffe Bergers dreht heuer in der japanischen Super-Formula-Serie, der zweitstärksten Formel-Klasse, seine Runden, um die nötigen Superlizenz-Punkte einzufahren. Am vergangenen Wochenende gelang dem Red-Bull-Piloten das erste Podium im dritten Rennen.

Und während sich der Zillertaler René Binder längst auf die Langstrecke (LMP2) spezialisiert hat, stehen mit den Salzburgern Philipp Eng und Ferdinand Habsburg zwei heimische Fahrer in der DTM-Auslage. Ein Sprung in die Formel 1 scheint aber unwahrscheinlich. Die Dichte im Nachwuchs-Sport ist mittlerweile sehr hoch. Und (zu) viele ausländische Nachwuchs-Piloten bringen das nötige Kleingeld mit.

Österreicher in der Formel 1

Jochen Rindt 60 Rennen, 10 Poles, 6 Siege; Weltmeister 1970.

Helmut Marko 9 Rennen.

Niki Lauda 171 Rennen, 25 Siege, Weltmeister 1975/77/84.

Dieter Quester 1 Rennen.

Helmut Koinigg 2 Rennen.

Otto Stuppacher 3 Trainings.

Harald Ertl 19 Rennen.

Hans Binder 13 Rennen.

Jo Gartner 8 Rennen.

Karl Wendlinger 41 Rennen.

Roland Ratzenberger für ein Rennen qualifiziert, 11. Platz Japan.

Gerhard Berger 210 Rennen, 10 Siege, 48 Podestplätze.

Patrick Friesacher 11 Rennen.

Alexander Wurz 69 Rennen.

Christian Klien 49 Rennen. Der Vorarlberger war am 14. November 2010 beim Finale in Abu Dhabi der bisher letzte Österreicher in der F1.