Letztes Update am Fr, 12.07.2019 21:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wimbledon

Federer schlägt Nadal und trifft im Finale auf Titelverteidiger Djokovic

Erstmals seit elf Jahren standen sich Roger Federer und Rafael Nadal in Wimbledon gegenüber. In einem mitreißenden Halbfinale setzte sich der Schweizer durch und bekommt es am Sonntag mit dem Titelverteidiger zu tun.

 Roger Federer greift in Wimbledon nach seinem neunten Titel.

© GEPA Roger Federer greift in Wimbledon nach seinem neunten Titel.



London – Roger Federer hat diesmal den Tennis-Klassiker gegen Rafael Nadal für sich entschieden und greift in Wimbledon nach seinem neunten Titel. Der 37-Jährige gewann am Freitag in London im Halbfinale gegen seinen vier Jahre jüngeren spanischen Dauerrivalen mit 7:6 (7:3), 1:6, 6:3, 6:4. Er verwandelte den fünften Matchball.

In einer mitreißenden Atmosphäre glückte dem Schweizer sein 16. Sieg im 40. Duell mit dem Spanier. Zum zwölften Mal zog er ins Endspiel von Wimbledon ein. Mit dem Sieg im ersten Wiedersehen der beiden Tennis-Stars beim Rasenturnier in London seit elf Jahren revanchierte sich Federer auch für das Halbfinal-Aus bei den French Open in Paris.

Letztes Duell 2008

Das zuvor letzte Duell mit Nadal auf dem heiligen Rasen hatte Federer im Finale 2008 im fünften Satz nach 4:48 Stunden 7:9 verloren, diesmal jubelte wieder der Schweizer. Auf seinem Lieblingsbelag trat der 20-fache Grand-Slam-Sieger aggressiver auf, rückte immer wieder erfolgreich ans Netz vor und machte deutlich mehr direkte Punkte als sein Kontrahent.

Die Spannung spitzte sich erstmals im Tiebreak des ersten Satzes zu, den sich Federer nach einem anfänglichen Hin und Her deutlich sicherte. Auf der Tribüne fieberte seine Ehefrau Mirka mit, auch Federers früherer Trainer Stefan Edberg war unter den rund 15.000 Zuschauern auf dem bis auf dem letzten Platz gefüllten Centre Court.

Im zweiten Satz setzte dann trotz „Come-on-Roger-Anfeuerungsrufe“ Nadal ein klares Zeichen. Als Federer eine Vorhand mit dem Rahmen traf, stöhnte ein Teil des Publikums auf. Der spanische Weltranglisten-Zweite holte sich das zweite Break und den zweiten Satz klar. Immer wieder standen die Zuschauer begeistert von ihren Sitzen auf, auch als Federer nach packenden Ballwechseln im dritten Durchgang mit dem 3:1 entscheidend in Führung ging. In seinem letzten Aufschlagspiel aber zitterte Federer noch einmal.

2011, 2014, 2015 und 2018 triumphierte Djokovic bislang beim traditionsreichsten aller Tennis-Turniere.
2011, 2014, 2015 und 2018 triumphierte Djokovic bislang beim traditionsreichsten aller Tennis-Turniere.

Gegner Djokovic

Zuvor hatten auch Djokovic den Weltranglisten-22. Bautista Agut in einer hochklassigen Partie mit 6:2, 4:6, 6:3, 6:2 geschlagen. Der serbische Titelverteidiger tätschelte nach seinem Erfolg den grünen Rasen, blickte erlöst in den Himmel und bedankte sich in allen vier Richtungen beim Publikum. „Im Finale zu sein, ist ein Traum, der wahr wird. Das Finale in Wimbledon zu spielen, ist etwas Besonderes“, sagte Djokovic. Zum sechsten Mal steht der Weltranglisten-Erste im Endspiel an der Church Road.

2011, 2014, 2015 und 2018 triumphierte Djokovic bislang beim traditionsreichsten aller Tennis-Turniere. Gegen den Grand-Slam-Halbfinaldebütanten Bautista Agut ließ Djokovic an diesem bewölkten Sommer-Tag im Londoner Südwesten zunächst vieles spielerisch leicht aussehen.

Meist die bessere Antwort

Vor rund 15.000 Zuschauern, darunter auch der frühere Wimbledonsieger Michael Stich in der Royal Box, hatte der Titel-Mitfavorit in der Regel die bessere Antwort – egal wie sehr der Weltranglisten-22. Bautista Agut auch ackerte.

Danach präsentierte sich der Spanier als Gegner auf Augenhöhe und nervte den Serben zunehmend mit seiner Konstanz und Hartnäckigkeit. Der Titelfavorit haderte mit sich, schüttelte gar zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag den Kopf und wich teilweise von seiner druckvollen Spielweise ab. Der Außenseiter nutzte die Schwächephase, ein Netzroller half ihm zum Satzausgleich.

Bereits Urlaubspläne geschmiedet

Zweimal hatte der 31-jährige Spanier in diesem Jahr schon gegen die Nummer eins der Welt gewonnen. Dass er in Wimbledon aber am vorletzten Spieltag der Herren noch mitmischt, damit hatte er nicht gerechnet. Bautista Agut hatte Urlaubspläne geschmiedet, bevor er im November heiraten will. Sechs seiner Freunde reisten ohne ihn nach Ibiza, der Tennisprofi machte dem 15-fache Grand-Slam-Champion den Finaleinzug schwer.

Im dritten Satz gelang Djokovic das Break zum 4:2. Auch ihm sicherte dann auch die Netzkante beim entscheidenden Volley die erneute Satzführung. Ein Halbfinale über fünf Sätze wie vor einem Jahr gegen Nadal blieb ihm erspart, weil er sich den frühen Vorteil im vierten Durchgang nicht mehr nehmen ließ. (TT.com, dpa)