Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Beachvolleyball

Österreichs Beach-Asse bauen in Wien auf den Faktor Heimfans

Zum dritten Mal servieren die besten Beachvolleyballer auf der Wiener Donauinsel. Österreichs Teams wollen beim Major der World Tour erneut den Heimvorteil ausspielen und haben bereits damit begonnen.

Wenn der DJ ?Put your hands up in the air? anstimmt, dann strecken die 8000 Zuschauer rund um den Center Court auf der Wiener Donauinsel ihre Arme hoch.

© gepaWenn der DJ ?Put your hands up in the air? anstimmt, dann strecken die 8000 Zuschauer rund um den Center Court auf der Wiener Donauinsel ihre Arme hoch.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Das Kribbeln im Bauch ist schon da. „Es ist kaum vorstellbar, wie sich das hier anfühlt, wenn 8000 Menschen jubeln“, sagt Martin Ermacora. Noch ist das Stadion auf der Wiener Donauinsel leer. Seit einer Woche trainiert der Tiroler mit Partner Moritz Pristauz sowie Clemens Doppler/Alexander Horst und Robin Seidl/Philipp Waller auf dem Center Court. „Einer unserer Heimvorteile“, weiß Ermacora.

Für Österreichs Beachvolleyball-Duos, darunter etwa auch Katharina Schützenhöfer/Lena Plesiutschnig, ist es der Höhepunkt, „die wichtigste, schönste und emotionalste Woche im ganzen Jahr“, sagt Doppler. Daran hat auch der Umzug des Turniers von Klagenfurt nach Wien 2017 nichts geändert. Gemessen am Sponsorenaufkommen, dem Zuschauerzuspruch und der Medienresonanz auch nichts. „Wien ist die Welthauptstadt des Beachvolleyballs, da gibt es nicht annähernd eine Konkurrenz”, erklärte Organisator Hannes Jagerhofer im Vorjahr, und der Vertrag läuft noch bis 2020. Knapp 100.000 Besucher zog es 2018 auf die Donauinsel, bei der WM 2017 waren es in zehn Tagen 180.000 gewesen.

Die rot-weiß-roten Teams freut’s. „Bei uns ist der dritte Mann, die 8000 im Stadion, ein Riesenfaktor“, erklärt Doppler, Vizeweltmeister 2017. „Wenn die Hütte brennt, taugt es uns am besten“, beschreibt Ermacora bildlich.

Mister Mega-Block: Martin Ermacora hofft, mit seinen 2,03 Metern Körpergröße den Raum über dem Netz dichtzumachen.
Mister Mega-Block: Martin Ermacora hofft, mit seinen 2,03 Metern Körpergröße den Raum über dem Netz dichtzumachen.
- gepa klansek

Einen Anschubser vom so genannten dritten Mann haben die ÖVV-Duos heuer auch nötig. Bislang lief es weniger nach Wunsch. Für Doppler/Horst war etwa sowohl bei der WM in Hamburg als auch beim Major in Gstaad bereits in der ersten K.-o.-Runde (17. Platz) Endstation. Der Wahl-Wiener Ermacora hofft nach Rang neun in Ostrava (4*-World-Tour) auf Zählbares für die Weltrangliste, die für die Olympia-Qualifikation entscheidend ist. In Österreich lief es für den Natterer aber stets sehr gut, 2017 war er mit Pristauz WM-17., im Vorjahr Neunter: „Es ist einfach der Wahnsinn, wenn das ganze Stadion hinter einem steht. Da spielen wir gleich um Klassen besser.“

Spaßhalber dachte man sogar daran, österreichischen Sand mit auf die World Tour zu nehmen, um das Spiel der beiden zu beflügeln. „Es fehlt ja nicht viel, vielleicht ist genau dieses bisschen entscheidend“, sagt Ermacora schmunzelnd und liefert den Beweis für die Auswirkungen des Heimvorteils: „Bei den letzten drei WMs war jeweils ein Duo vom Gastgeberland im Finale.“ Gewonnen haben dabei aber stets die Gäste, wie zuletzt im Juni die Russen Stojanowski/Krassilnikow, die auch in Wien aufspielen. Oder auch die Wien-Titelverteidiger sowie Gstaad- und Tokio-Sieger Anders Mol und Christian Sörum (NOR).

Bei den Damen gelten die Weltmeisterinnen Sarah Pavan/Melissa Humana-Paredes (CAN) und Alix Klineman/April Ross (USA) als heißeste Aktien, die u. a. ab heute gegen Schützenhöfer/Plesiutschnig antreten.

Das Beachvolleyball Vienna Major auf einen Blick

Von heute bis Sonntag spielen 32 der besten Damen- und Herren-Teams der Welt um den Turniersieg — und insgesamt 600.000 US-Dollar Preisgeld. Das Vienna Major ist neben Gstaad und Hamburg (WM) eines der drei Turniere der höchsten Kategorie auf der World Tour. Das World-Tour-Finale steigt ab 4. September in Rom.

2500 Tonnen Sand wurden angeliefert, das entspricht 50 Lkw-Ladungen. Das Veranstaltungsgelände erstreckt sich über rund 49.000 Quadratmeter.

8000 Zuschauer fasst der Center Court, der Hauptplatz neben den drei Side Courts. Im Vorjahr kamen insgesamt knapp 100.000 Zuschauer auf die Donauinsel.

Selbst die Ampelmännchen auf der Floridsdorfer Brücke und einem Übergang beim Praterstern sind im Beachvolleyball-Fieber. Silhouetten von Spielerinnen sind installiert: Die eine Figur, stehend und bereit zum Service, leuchtet rot, die andere, springend und in dynamischer Aufschlag-Bewegung, grün.

Zeitplan heute: Gruppenspiele Damen, Qualifikation Herren (13.30—15.30); morgen: Gruppenspiele Herren, Zwischenrunde Damen; Freitag: Achtel- und Viertelfinale Damen, Zwischenrunde und Achtelfinale Herren; Samstag: Viertelfinale Herren, Damen Halbfinale, Spiel um Platz 3 (16.45 Uhr) und Finale (18 Uhr); Sonntag: Herren-Halbfinale (13 Uhr), Spiel um Platz 3 (16.45 Uhr) und Herren-Finale (18 Uhr).