Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Tennis

Wenn es Nacht wird in Kitzbühel: Thiem schlägt vor vollem Haus auf

Ausverkaufte Night-Session-Premiere: Kitzbühels Flutlichtanlage soll Tennis-Star Dominic Thiem heute (19.30 Uhr, ServusTV) den Weg zum ersten Einzel-Sieg nach 2015 erleuchten. Gegner ist Landsmann Sebastian Ofner.

Beim Kaltstart trifft Dominic Thiem heute auf Sebastian Ofner, der gestern Lucas Miedler 7:6, 7:6 besiegte.

© gepa hauerBeim Kaltstart trifft Dominic Thiem heute auf Sebastian Ofner, der gestern Lucas Miedler 7:6, 7:6 besiegte.



Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Die letzten Telefonate waren vorbei, eine Handvoll Karten ging noch über den Ticketschalter. Und dann war er gekommen, jener Moment, den die Veranstalter der Generali Open ebenso sehr ersehnt wie leise auch gefürchtet haben: Der heutige Tennis-Mittwoch, der zum großen Tag des Dominic Thiem werden soll, ist ausverkauft. Alle Tickets für den Centre Court sind weg – und all jene, die Österreichs Tennis-Star heute aus spontaner Regung sehen wollen, müssen an den Eingangspforten mit Neben-Schauplätzen oder den vielen Filzkugel-Ständen vertröstet werden.

Überraschung ist das keine. Zu groß war die Vorfreude auf die heutige Premiere der für das Fernsehen stilisierten „Night Session“ (19.30 Uhr, live ServusTV), in der Thiem seinen Kitz-Fluch (sieglos hier im Einzel seit 1455 Tagen) ablegen soll. Stattdessen soll vor 5800 Zuschauern eine neue Zeitrechnung des Erfolgs für den 25-jährigen Niederösterreicher beginnen, der als Nummer vier der Weltrangliste die klare Nummer eins der Generali Open ist.

„Für mich ist das hier etwas ganz Besonderes. Kitzbühel ist eine Wahnsinns-Gegend, das Turnier etwas ganz Spezielles für mich“, erklärte Thiem, der weder Höhenlage (762 Meter) noch etwaige Gegner als Grund zur Sorge vorschieben wollte.

Sebastian Ofner fordert Dominic Thiem heraus.
Sebastian Ofner fordert Dominic Thiem heraus.
- APA

Und wahrlich scheint es so, als wäre der Gegner wirklich keiner, der ihm Sorgen bereiten sollte. Sebastian Ofner ist die Nummer 167 der Welt und bei Thiem-Papa Wolfgang in der Südstadt in der Tennis-Lehre. Der 23-jährige Steirer feierte bis zu seinem gestrigen Sieg im Österreicher-Duell gegen Lucas Miedler mit 7:6 (1), 7:6 (5) heuer keinen einzigen ATP-Sieg im Hauptfeld, benötigte wie zwei weitere Österreicher eine Wildcard zum Start. „Ich freue mich riesig, gegen Dominic zu Hause in Österreich zu spielen. Für mich ist es sehr interessant, weil er einer der besten Sandplatzspieler der Welt ist“, streute Ofner seinem Freund und Teilzeit-Trainingspartner Rosen, auf denen der heute als haushoher Favorit zum Sieg aufschlagen will. Die Wettbüros geben bei einem Sieg des Außenseiters bei 100 Euro Einsatz bis zu 900 zurück – bei einem Sieg von Thiem gibt’s grad mal sieben Euro mehr retour.

Doch so einfach ist die Sachlage nicht. Die Vergangenheit hat zu oft schon bewiesen, dass Thiem in der Gamsstadt nicht mit dem Erfolg verbunden ist. Bei allem Fokus (siehe Interview links) standen zuletzt zwei Auftakt-Niederlagen zu Buche, eine davon vor drei Jahren völlig überraschend gegen Jürgen Melzer. Und was man nicht vergessen darf: Für Ofner hat in Kitzbühel 2017 beim Halbfinaleinzug die große Stunde geschlagen.

Zudem könnte Ofner sein seit dieser Woche neuer Touring-Coach Alexander Peya ebenso kräftig Aufschwung geben wie es der zweite österreichische Doppel-Spezialist Julian Knowle bei Dennis Novak tut. „Wir arbeiten seit gut zehn Wochen, es sieht so aus, als würde es länger gehen“, meinte Novak. Er spielt heute (nicht vor 13.30 Uhr) gegen Pablo Cuevas (URU) um sein erstes ATP-Viertelfinale.

Einziger Spielverderber könnte das Wetter sein. „Es soll am Vormittag regnen, am Nachmittag dann immer besser werden“, sagt Turnierdirektor Alexander Antonitsch. Bis zum Thiem-Match soll sich also alles verzogen haben. Das Wetter ebenso wie Thiems Kitz-Fluch. Einen Österreicher sieht man aber so oder so im Viertelfinale.