Letztes Update am So, 04.08.2019 11:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Thiem hat Thema Heimsieg erledigt: „Freudentränen sind schön natürlich“

Das Match noch in den Knochen, die La-Ola-Welle der Zuschauer in Erinnerung und die Bundeshymne noch in den Ohren. Dominic Thiem hat sich selten über einen Titel so gefreut wie am Samstag in Kitzbühel. Er hat vielleicht ein kleineres Turnier gewonnen, doch die Bedeutung für einen Sportler, im eigenen Land zu triumphieren, wurde jedem klar. Es gibt eben keine Selbstverständlichkeit des Siegens.

Am Ziel angelangt: Endlich durfte Dominic Thiem die Golden Gams mit nach Hause nehmen.

© APAAm Ziel angelangt: Endlich durfte Dominic Thiem die Golden Gams mit nach Hause nehmen.



Von Gerald Widhalm/APA aus Kitzbühel

Als Nummer 4 der Welt mit dem Heimvorteil im Rücken ist man sozusagen zum Siegen verdammt. Und doch ist es so schwer, diesen Herzenswunsch auch in die Tat umzusetzen. Dominic Thiem ist in seinem zweiten Endspiel beim Generali Open gelungen, was zum Beispiel auch seinem Coach Nicolas Massu in dessen Heimatstadt Vina del Mar in zwei Finali nicht gelungen ist. Vielleicht deshalb, aber auch weil er vor 15 Jahren auch als Spieler die „Goldene Gams“ gewonnen hat, war der Chilene so emotional für seinen Schützling. Thiem kann unter das Thema „Heimsieg“ ein Häkchen machen.

„Freudentränen sind immer schön natürlich. Der Nico steht selbst auf der Gams oben, das ist natürlich sehr speziell mit dem Trainer auf einem Pokal zu stehen“, freute sich Thiem auch für den Südamerikaner. Die herausragende Stimmung im Stadion dankte der Niederösterreicher seinen Fans mit dem Triumph. „Es ist für so ein Turnier absolut einmalig auf der ganzen Tour, dass ab Mittwoch alle Centercourt-Partien ausverkauft sind.“ Dies sei auch für die Spieler sensationell. „Das Turnier hat einen einmaligen Stellenwert auf der Tour und wir werden alles dafür machen, dass es für eine lange Zeit so bleibt“, versprach Thiem.

Nächster Halt: Kanada

Als sich der Adrenalin-Pegel bei Österreichs Tennis-Star langsam senkte, dachte er freilich auch schon an die unmittelbare und auch fernere Zukunft. „Das Arge und auch Interessante am Tennis ist, dass man nie mit irgendwas zufrieden ist. Nächstes Jahr, wenn ich hierherkomme, will ich den Titel verteidigen. Und die Anspannung wird um keinen Deut geringer sein.“

In der gerade im Tennis fast schon erbarmungslosen Hatz zwischen verschiedenen Kontinenten, Zeitzonen und Belägen ging es für Thiem schon am Sonntag weiter nach Kanada zum Hartplatz-Masters-1000 in Montreal.

Seine Form vor Beginn der nächsten Saisonphase stuft er als gut ein. „Ich habe jetzt nicht mein absolut bestes Tennis gespielt in der Woche, aber ich war voll fokussiert, die ganze Zeit. Das ist ein ganz wichtiger Teil.“ Das Spiel auf Hardcourt sei nun anders. „Jetzt ist es vorbei mit dem so weit von hinten retournieren. Ich muss natürlich wieder näher zur Linie wandern, mehr nachgehen. Aber es war jetzt eine lange Zeit auf Sand und ich bin auch froh, dass es jetzt einmal vorbei ist.“

Und schon hat er wieder neue Ziele. Der Mittwoch-Start in Kanada gegen den Sieger aus Lokalmatador Denis Shapovalov oder den Franzosen Pierre-Hugues Herbert ist ihm sicher. „Ich habe in Kanada noch nie eine Partie gewonnen, das will ich einmal ändern.“ Seine nun in Kitzbühel errungenen Punkte seien auch gut fürs Masters und er hofft, dass er bei den zwei kommenden Masters-1000-Events in Montreal und Cincinnati der vierten Masters-Qualifikation en suite näher rücken kann. Dann kommt schon das vierte Major-Turnier.

Antonitsch: „Für ihn emotional ganz wichtig“

„Bei den US Open habe ich mich immer sehr wohlgefühlt und dort letztes Jahr sicher eines meiner besten Matches meiner Karriere gespielt“, erinnerte er an den Fünf-Satz-Klassiker im Viertelfinale gegen Rafael Nadal. Vielleicht schafft Thiem ausgerechnet in Flushing Meadows seinen ersten Grand-Slam-Titel. „Sicher liebäugle ich damit, aber ich habe jetzt zweimal das Finale in Paris gespielt und zweimal gesehen, wie weit der Weg ist“, weiß Thiem. Zudem müsse er sich wohl wieder mit einem oder gar zwei der „big three“ messen. „Also ist es um nichts leichter in New York als in Paris.“

Äußerst glücklich mit dem Ausgang in Kitzbühel war natürlich auch der Turnierdirektor Alexander Antonitsch. „Mir taugt das einfach, auch für den ganzen Sport. Für ihn ist es emotional ganz wichtig und ich glaube, dass es auch für das Wiener Turnier gut ist, wenn er das einmal erledigt hast.“ (APA)