Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.08.2019


Kletter-WM

„Ich muss noch einmal abliefern“: Jakob Schubert im Interview

Wie Jakob Schubert den Ruhetag bei der Kletter-Weltmeisterschaft in Hachioji (JAP) verbrachte, seine beiden Medaillen kein Ruhekissen bedeuten und es am Montag im Kombi-Halbfinale um Olympia geht.

Jakob Schubert konnte sich am gestrigen Ruhetag ein wenig entspannen.

© heiko wilhelmJakob Schubert konnte sich am gestrigen Ruhetag ein wenig entspannen.



Inmitten der Freude über Vorstieg-Bronze meinten Sie, dass Gold schon möglich gewesen wäre ...

Jakob Schubert: Als ehrgeiziger Wettkämpfer möchte man immer das Maximale. Ich hab­e halt gesehen, wie knapp es im Finale zugegangen ist, Adam (Ondra) und Alex (Megos) sind so wie ich ziemlich am Limit in den entscheidenden Bereich gekommen. Ein Zug mehr wäre aber schon noch drin gewesen. Aber es passt gut so, eine Medaille ist immer schön.

Ist sich angesichts des heutigen Ruhetages eine kleine Feier ausgegangen?

Jakob Schubert.
Jakob Schubert.
- Foto TT/Rudy De Moor

Schubert: Das nicht, aber wir haben uns noch ein Abendessen gegönnt. Es war ja nach dem Vorstieg-Finale knapp Mitternacht, bis wir die Hall­e verlassen haben. Und der für mich diesmal wichtigste Event steht ja noch bevor.

Sie sprechen das montägige Halbfinale in der Kombination an?

Schubert: Genau, da bzw. spätestens im Finale am Mittwoch werden die ersten sieben Fixplätze für die Olympischen Spiele 2020 vergeben. Ich weiß, dass ich zu Olympia gehöre, aber ich muss es noch einmal unter Beweis stellen.

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Sie haben hier in Hachioj­i Silber im Bouldern und Bronze im Vorstieg geholt und Ihre Allrounderfähigkeiten im Vorjahr mit dem WM-Titel in der Kombination unterstrichen. Was kann da noch schiefgehen?

Schubert: Ein Ausrutscher ist schnell passiert. So toll die beiden bisherigen Medaillen waren, wenn es am Montag um die acht Finalplätze geht, zählen sie nichts. Es gibt leider keine Bonuspunkte oder Ähnliches. Es geht bei null los. Ich muss ganz einfach noch einmal abliefern.

Die heutige Speed-Qualifikation können Sie aber völlig entspannt angehen?

Schubert: Stimmt, selbst wenn ich Letzter werden sollte, bin ich für das Kombi-Halbfinale qualifiziert.

Wie haben Sie den Ruhetag genützt?

Schubert: Ich habe versucht, ein bisserl runterzukommen, mich zu entspannen. Ich habe mit dem Physiotherapeuten gearbeitet und mich nachmittags noch mit meiner Freundin und ihrer Familie getroffen. Der einzig­e fixe Programmpunkt war vormittags ein Meeting der Athleten-Kommission, zu der ich ja gehöre. Wir sind mit der Weltverbandsspitze und auch einem Delegierten des IOC (Internationales Olympisches Komitee, Anm.) zweieinhalb Stunden zusammengesessen.

Die zentralen Punkte?

Schubert: Beispielsweise die steigende Medialisierung des Klettersports. Was natürlich extrem wichtig ist für uns, auf der anderen Seite muss man aufpassen, dass unsere Disziplinen nicht auf Wunsch von TV-Stationen verändert werden. Auch der Routenbau war ein zentrales Thema.

Wenn Sie den Routenbau ansprechen: Wenn mit Adam Ondra der Halbfinalsieger im Boulder-Final­e keine Zone gelingt, muss was falsch gelaufen sein?

Schubert: Keine Frage, das Finale war nicht gut geschraubt. Wenn nur einer der sechs Finalisten ein Top schafft, ist das zu wenig. Mir ist es aber lieber, wenn die Boulder zu schwierig als zu leicht sind. Wenn es nur noch darum geht, um zu flashen (den Boulder im ersten Versuch zu meistern, Anm.), mag das zwar für die Zuschauer spektakulär sein, aber der Reiz dieser Disziplin geht verloren.

Kam in der Sitzung auch das kritisierte Faktum zur Sprache, dass die Olympia-Premiere 2020 als Open-Air-Event im japanischen Hochsommer steigt?

Schubert: Nein, daran wird auch nicht mehr viel zu ändern sein. Aber klar, eigentlich sollten wir darüber noch einmal reden.

Das Gespräch führte Max Ischia