Letztes Update am So, 18.08.2019 11:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Djokovic muss sich im Semifinale von Cincinnati Medvedev beugen

Der Russe, derzeit die Nummer 8 der Weltrangliste, trifft nun am Sonntag (ab 22.00 MESZ) im Finale auf den als Nummer 16 gesetzten Belgier David Goffin.

Djokovic (l.) musste dem stark aufspielenden Medvedev zum Finaleinzug gratulieren.

© www.imago-images.deDjokovic (l.) musste dem stark aufspielenden Medvedev zum Finaleinzug gratulieren.



Cincinnati (Ohio) – Der Mann der Stunde im Herren-Welttennis heißt Daniil Medwedew. Der 23-jährige Russe warf am Samstag mit einem bemerkenswerten Taktikwechsel den bis dahin überlegenen Novak Djokovic aus dem Turnier. Der nun schon sechsfache (!) Saison-Finalist besiegte den serbischen Topstar im Masters-1000-Event in Cincinnati mit 3:6,6:3,6:3 und könnte mit dem Titel Nummer fünf schon in die Top Five vorstoßen.

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Medwedew setzte nach Satz eins alles auf eine Karte, riskierte praktisch mit jedem Schlag, besonders beim zweiten Aufschlag. Der Matchverlauf änderte sich unmittelbar, Medwedew war plötzlich die Macht auf dem Platz. „Ich habe das in meiner Karriere nicht oft erlebt, dass jemand so auf die zweiten Aufschläge draufgeht und für eine lange Zeit nur erste Aufschläge spielt“, erklärte Djokovic. Zudem habe Medwedew kaum Doppelfehler gemacht. „Da kann ich nur den Hut ziehen und ihm gratulieren.“

„War im ersten Satz müde“

Medwedew hatte eine einfache Erklärung. „Ich war im ersten Satz so müde, und gegen Novak habe ich mir gedacht, wäre ich nicht imstande gewesen, diese Intensität so weiterzugehen. Dann hat das Momentum gewechselt und ich habe plötzlich unglaublich gespielt.“ Da sein zweiter Aufschlag nicht funktioniert hat, und Djokovic ihn bei diesem „zerstört“ habe, habe er sich gedacht, „okay, was soll‘s?“. Es war nicht Medwedews erster Sieg über den 16-fachen Major-Sieger, schon im April in Monte Carlo hatte er die Oberhand behalten.

Der Shooting-Star hat sich mit seinen Leistungen in den vergangenen Wochen als „heißester“ Anwärter neben den „big three“ Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer für die US Open herauskristallisiert. Drei Hartplatz-Finali en suite vor den US Open, nach den Endspiel-Niederlagen gegen Nick Kyrgios in Washington und gegen Nadal in Montreal war er nun am Sonntag (22.00 Uhr/live Sky) gegen David Goffin Favorit.

Der als Nummer 16 gesetzte Belgier arbeitet sich allerdings zurück auf das Level seiner besten Zeiten, als er schon Nummer 7 der Welt war. Nach einem 6:3,6:4 über den Franzosen Richard Gasquet war Goffin überglücklich: „Ich habe das beste Tennis der vergangenen Jahre hier gespielt, das ist ein großer Moment für mich.“ Für beide wird auch der Sonntag ein großer Moment, für den Sieger eine Premiere: Keiner hat bisher ein Masters-1000-Turnier gewonnen. Und Goffin ist überhaupt der erste Belgier in einem 1000er-Finale.

Medwedew wird den wieder erstarkten Goffin nicht unterschätzen: Im Vormonat hatte der Belgier den Russen im Wimbledon-Achtelfinalthriller in fünf Sätzen ausgeschaltet. Medwedew hatte im Entscheidungssatz schon 4:1 geführt.

Kusnezowa mit spätem Höhenflug

Im WTA-Premier-Turnier der Damen kommt es am gleichen Schauplatz zu einem unerwarteten Finale: Mit 34 feiert die frühere Weltranglisten-Zweite Swetlana Kusnezowa, eine Landsfrau Medwedews, einen späten Höhenflug. Die auf Platz 153 zurückgefallene, zweifache Major-Siegerin feierte ihren dritten Sieg über eine Top-Ten-Spielerin en suite: Nach Sloane Stephens (USA) und Karolina Pliskova (CZE) hat sie nun auch die WTA-2. Ashleigh Barty auf der Abschussliste.

Der 6:2,6:4-Erfolg über die Australierin verhinderte auch, dass Barty am Montag Naomi Osaka auf dem Tennis-Thron wieder ablöst. Kusnezowa, die 2004 die US Open und 2009 Roland Garros gewonnen hat, trifft nun auf Madison Keys. Letztere gewann in der Night Session das US-Duell mit der aufstrebenden Sofia Kenin 7:5,6:4. Keys kommt rechtzeitig ihrem Heim-Major in Form. Bei den US Open hatte sie 2017 das Endspiel erreicht, nun stand sie in Cincinnati in ihrem ersten Hartplatz-Finale seit damals. (APA)