Letztes Update am Mi, 25.09.2019 13:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1

Hamilton fürchtet die Bestie Ferrari: „Wahnsinnig hungrig“

Auf dem Weg zu seinem sechsten Formel-1-Titel wird für Lewis Hamilton zwar kaum noch etwas schiefgehen, doch die Zeit der spielerischen Siege ist vorbei. Spätestens mit dem Triumph in Singapur durch Sebastian Vettel hat Ferrari die lange Zeit so heile Mercedes-Welt gehörig erschüttert und beim Branchenprimus für viel Kopfzerbrechen gesorgt.

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton musste zuletzt Ferrari den Vortritt lassen.

© AFPMercedes-Pilot Lewis Hamilton musste zuletzt Ferrari den Vortritt lassen.



Sotschi – „Sie sind wahnsinnig hungrig und geben absolut alles“, sagte Hamilton vor dem nächsten Showdown am Sonntag (Start 13.10 Uhr MESZ/live TT.com-Ticker) in Sotschi, wo auf dem 5,848 Kilometer langen Kurs mit 18 Kurven und 61 Prozent Vollgasanteil der 16. Saisonlauf gefahren wird. „Ihr Auto funktioniert jetzt sehr gut, und es wird in den nächsten Rennen sehr schwer, sie zu schlagen.“

Der Grand Prix von Russland war aber bisher fest in Mercedes-Hand. Seit der Premiere in der Olympiastadt vor fünf Jahren gab es am Schwarzen Meer ausschließlich Erfolge der „Silberpfeile“. Dreimal der Brite Hamilton, einmal Valtteri Bottas, einmal Nico Rosberg - für Ferrari war bisher Platz zwei das Maximum in Sotschi. Den erkämpfte sich Vettel 2015 und 2017. Nun wollen der Deutsche und sein monegassischer Teamkollege Charles Leclerc der Scuderia den ersten Sieg im größten Land der Welt bescheren.

Kein Mercedes-Sieg nach der Sommerpause

„Sie liefern gerade sehr gut ab“, meinte Hamilton, ergänzte aber: „Wir haben mit unserem Auto auch schon gewonnen.“ Nach der Sommerpause jedoch nicht mehr. Nun ist Ferrari die Nummer eins. Waren die Siege von Youngster Leclerc auf den Vollgas-Strecken in Spa und Monza aufgrund des starken Motors erwartet worden, schockte Vettels erster Triumph seit über einem Jahr am Sonntag die Seriensieger. „Wir haben zu viele Fehler gemacht. Wir haben viele Möglichkeiten nicht genutzt, das ist uns bewusst“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Singapur-Grand-Prix und sprach von einer „g‘sunden Watsch‘n“ als Weckruf für die „Sternenflotte“.

Schlaflose Nächte hatte der 47-jährige Wiener aber trotzdem nicht. „Wir haben es sehr falsch gemacht“, betonte Wolff. Aber: „Schwierige Tage wie diese machen uns noch stärker.“ Ein schwaches Qualifying gepaart mit der falschen Strategie im Rennen sorgten dafür, dass Hamilton und Bottas chancenlos waren.

Trotzdem: Selbst wenn der überlegene WM-Leader Hamilton in den verbleibenden sechs Rennen jeweils nur Dritter wird, kann er nicht mehr von der Spitze verdrängt werden. Im Optimalfall könnte der Engländer sogar bereits im übernächsten Rennen in Japan als Weltmeister feststehen. Hamilton (296 Punkte) muss von Teamkollege Bottas (231) keine Gegenwehr fürchten, der erste Rivale Leclerc hat genau wie der Niederländer Max Verstappen im Red Bull (beide 200) einen enormen Rückstand. Und Vettel (194) liegt als WM-Fünfter sogar schon mehr als 100 Zähler zurück.

Konflikt-Potenzial bei Ferrari

Während bei Mercedes die Rollen der Nummer eins (Hamilton) und zwei (Bottas) klar verteilt sind, ist bei Ferrari der Kampf um die Führungsrolle in vollem Gang. „Sie nehmen sich gegenseitig Punkte weg, das ist gut für uns“, bekräftigte Wolff. Das teaminterne Duell beim Dauerrivalen beobachte er mit großem Interesse. „Wenn zwei Alphatiere um die Positionen kämpfen, hat das immer das Potenzial für eine Rivalität - und eine Eskalation im Team“, weiß Wolff nur zu gut aus der Zeit, als Hamilton noch Rosberg als Teamkollegen hatte.

Und nun ist der Frieden bei Ferrari in höchster Gefahr, denn Leclerc fühlt sich um den Sieg in Singapur betrogen. Die Strategen hatten den elf Jahre älteren Vettel zuerst zum Reifenwechsel an die Box geholt und so per Undercut zum Sieg gelotst. Von der Pole Position gestartet, war der zweite Platz für den 21-jährigen Jungstar aus Monaco deshalb eine Niederlage. (APA)


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