Letztes Update am Fr, 27.09.2019 22:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Radsport

Tirolerin Schweinberger greift an: Rad-WM soll auch im Regen glänzen

Wochenende der Entscheidung bei der Rad-WM in Yorkshire (GBR): Mit Katrin Schweinberger greift am Samstag Tirols einziger Elite-Beitrag ins Geschehen ein – am Sonntag sind die Herren dran. Wildauer wurde gestern 46.

Die Tirolerin Katrin Schweinberger bestreitet am Samstag im Elite-Rennen der Damen ihren zweiten WM-Einsatz. Die 22-jährige Jenbacherin stellt sich frohen Mutes auf möglichen Regen ein.

© gepaDie Tirolerin Katrin Schweinberger bestreitet am Samstag im Elite-Rennen der Damen ihren zweiten WM-Einsatz. Die 22-jährige Jenbacherin stellt sich frohen Mutes auf möglichen Regen ein.



Von Roman Stelzl

Harrogate – Für einen Innsbrucker wäre es ein Leichtes, mit dem Finger nach Yorkshire zu zeigen und sich dann klammheimlich ins Fäustchen zu lachen. Im Vorjahr radelten die Besten bei fast durchgehend bestem Wetter die Tiroler Straßen der Rad-WM ab. In der britischen Grafschaft, die Hundehaltern mehr wegen des dort gezüchteten Yorkshire Terriers ein Begriff ist, sorgt indes Regen für Chaos und Negativschlagzeilen. Immer die Briten und das Wetter? Wohl kaum.

Der tragische Held: Nils Eekhoff, Sunweb-Teamkollege des Osttirolers Felix Gall, gewann im Sprint das U23-Rennen.
Der tragische Held: Nils Eekhoff, Sunweb-Teamkollege des Osttirolers Felix Gall, gewann im Sprint das U23-Rennen.
- imago images/Belga

Die Yorkshire-Niederschlagsmengen (88 Millimeter

September) decken sich in etwa mit jenen in Innsbruck (79,8/September). Und wer dieser Tage aus dem Fenster sieht, weiß, wie viel Glück die WM-Veranstalter in Tirol hatten. Nur das ist den Briten alles andere als hold – auch am Freitag nicht.

Bisher war der Andrang bei der WM in Yorkshire überschaubar – am Wochenende werden aber 500.000 Zuschauer erwartet.
Bisher war der Andrang bei der WM in Yorkshire überschaubar – am Wochenende werden aber 500.000 Zuschauer erwartet.
- imago images/Mario Stiehl

U23-Rennen: Nach einem Sturz im Zielsprint auf der nassen Straße beim Juniorinnen-Rennen bestimmte teils starker Regen zu Beginn das U23-Straßenradrennen der Herren. Die Nachwuchs-Equipe, die schon beim Einzelzeitfahren mit riesigen Pfützen zu kämpfen hatte, durfte sich aber alsbald zumindest über weniger Regen freuen. Aber es blieb ein harter Kampf mit Stürzen – und am Ende der 186,9 Kilometer langen Herausforderung von Doncaster nach Harrogate gab es beim Sieger Träne. Aber es waren keine der Freude. Der Niederländer Nils Eekhoff gewann den Sprint, wurde aber wegen Windschattenfahrens disqualifiziert. Der Italiener Samuele Battistella nahm seinen Platz ein. Dem Schlitterer Markus Wildauer blieb nach Rang neun im Zeitfahren gestern Platz 46. Der Münsterer Patrick Gamper wurde 60.

Frauen: Mit dem Eliterennen der Damen bricht am Samstag (11.40 Uhr, live ORF Sport Plus und Eurosport) das große Finalwochenende der achttägigen WM an, bei dem an beiden Tagen 500.000 Zuschauer erwartet werden. Trotz neuerlich schlechter Wetterprognose. Wenig Kummer hat Katrin Schweinberger beim Blick auf die Prognose. „Der Regen ist kein Problem, das sind Bedingungen, die mir nicht schlecht liegen“, erklärt die 22-jährige Jenbacherin, Tirols Beitrag am Final-Wochenende. Der 150 Kilometer lange Kurs dürfte ihr liegen. „Die Strecke taugt mir, die ist anspruchsvoll und schwierig. Die Vorfreude ist riesengroß“, meinte Schweinberger, die nach 2017 ihre zweite WM bestreitet.

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Der Schlitterer Markus Wildauer kam am Freitag im U23-Rennen auf den 46. Rang. Der Münsterer Patrick Gamper wurde 60.
Der Schlitterer Markus Wildauer kam am Freitag im U23-Rennen auf den 46. Rang. Der Münsterer Patrick Gamper wurde 60.
- Mario Stiehl

Im Vorjahr bei der Heim-WM gab es wegen der Nichtnominierung dicke Tränen – die sind aber längst wieder getrocknet. „An das denke ich nicht mehr. Jetzt zählt die WM hier“, erklärt Schweinberger. Und auch Nationaltrainer Klaus Kabasser traut ihr fast mehr zu als der zweiten Österreicherin, Angelika Tatzreiter. „Katrin liegt dieser Kurs mehr, als ich gedacht habe. Er ist mittelschwer, das passt. Wenn es zu einem Massensprint kommt, dann ist Katrin Weltklasse – ein Top-20-Platz wäre toll“, so Kabasser über Schweinberger, die 2020 von Health Mate zum UCI-Team Ciclotel wechselt.

Auch ihre Zwillingsschwester Christina hat seit gestern einen neuen Arbeitgeber: Sie wechselt von Health Mate zum belgischen UCI-Rennstall Doltcini – Van Eyck.

Herren: Und auch beim Höhepunkt der 86. Rad-Weltmeisterschaft (8.40 Uhr) am Sonntag ist die Wetterprognose mit viel Regen und Nässe wenig schmeichelhaft. Auf der 285 Kilometer langen WM-Strecke mit 24 Anstiegen sind Sprinter und Klassiker-Liebhaber wie der dreifache Weltmeister Peter Sagan (SVK), Mathieu van der Poel (NED) oder Tirol-Weltmeister Alejandro Valverde (ESP) in der Favoritenrolle. „Er muss nichts mehr beweisen“, erklärte Lukas Pöstlberger über seinen Bora-Teamkollegen Sagan.

Der Oberösterreicher bildet mit Marco Haller die Doppelspitze der sechs Mann starken Mannschaft. Die Trauben hängen auch im Regen hoch, dennoch soll der Coup anders als bei der Heim-WM in Großbritannien gelingen.

Ehrung: Eine „Auszeichnung“ gab es in Yorkshire im Rahmen der Titelkämpfe vorab für Österreich. Vom Weltverband UCI erhielt Tirol das Label „Bike Region“. Damit wurde nicht nur die Arbeit bei der WM 2018, sondern auch jene rund um das Radfahren in Tirol gewürdigt.

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Rad-WM in Yorkshire (GBR): U-23-Rennen (186,90 km): 1. Battistella (ITA) 3:53,52 Std., 2. Bissegger (SUI) +1 Sek., 3. Pidcock (GBR) +2; 46. Wildauer +7:44 Min.; 60. Gamper; 68. Kolb beide +12:4. Nicht im Ziel: Bayer (alle AUT). Juniorinnen: (86 km): 1. Jastrab (USA) 2:08:00 Std., 2. De Wilde (BEL), 3. Nooijen (NED) gl. Zeit. Heute (11.40 Uhr, ORF Sport +): Elite-Straßenrenen der Damen.